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Kulmbach

Frisch aus dem Knast

Die Gärtnerei der Justizvollzugsanstalt Bayreuth genießt einen guten Ruf. Studentinnen verkaufen deren Erzeugnisse auf dem Campus der Uni Bayreuth.



Zum ersten Mal in diesem Sommersemester verkaufen (von links) Johanna Bärnreuther, Amelie Reier, Jutta Botter und Thea Gaus frisches Gemüse aus der Gärtnerei der JVA Bayreuth. Foto: Valentin Tischer
Zum ersten Mal in diesem Sommersemester verkaufen (von links) Johanna Bärnreuther, Amelie Reier, Jutta Botter und Thea Gaus frisches Gemüse aus der Gärtnerei der JVA Bayreuth. Foto: Valentin Tischer  

Bayreuth - Jutta Botter und Thea Gaus stehen auf dem Parkplatz der JVA-Gärtnerei. Die beiden Studentinnen wollen das in Papiertüten verpackte Gemüse abholen, das sie auf dem Campus verkaufen wollen. Dabei haben sie aber ein kleines logistisches Problem. In den VW-Kleinwagen passen bei weitem nicht alle Tüten hinein. Der Kofferraum ist schon vollgepackt und es steht immer noch die Hälfte auf dem Parkplatz. Damit das Gemüse an den Verkaufsplatz vor der Campus-Mensa kommt, hilft ihnen ein anderer Autofahrer.

Helfer gesucht

Campus Gemüse sucht noch Autofahrer, die dabei helfen, das Gemüse von der JVA zum Uni-Campus zu bringen. Bei Interesse kann man sich unter campusgemuesebayreuth@ gmail.com oder auf der Facebook-Seite der Gruppe melden. Als Entschädigung gibt es eine Tüte kostenlos.


Für beide ist es eine kleine Premiere: Zum ersten Mal kümmern sie sich darum, das Gemüse abzuholen. Zusammen mit Gefangenen der JVA und zwei Vollzugsbeamten räumen sie die Autos ein. Botter verabredet mit dem JVA-Beamten Jörg Eckel den Plan für die Zukunft. Wöchentlich wollen die Studenten jeweils 50 Tüten von der JVA kaufen. Sorgen, dass das Gemüse ausgeht, müssen sie sich nicht machen, meint Eckel. 14 000 Tomaten- und 7000 Kohlpflanzen stehen auf den Äckern der Haftanstalt.

Am Campus angekommen, bauen die beiden einen einfachen Verkaufsstand auf. Er besteht aus einem Tisch, einem Banner und einer Kasse. Zum ersten Mal verkaufen sie in diesem Sommersemester. Zu dem Projekt sind beide durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Zufall gekommen. "Auf dem Mensaabend hat sich Campus Gemüse vorgestellt und da habe ich im ersten Semester einfach mal mitgemacht", erzählt Jutta Botter. "Mich hat Jutta gefragt, ob ich jemanden mit einem Auto kenne. Und da habe ich gesagt: ja, ich. So bin ich einfach dazugekommen", schildert Thea Gaus mit einem Lächeln.

Während des Semesters wird immer mittwochs das Gemüse verkauft. "Man kann das gut nebenbei machen und sich noch anderswo engagieren. Und es macht richtig Spaß. Auf Facebook bekommen wir auch schon immer wieder Anfragen, wann es denn wieder losgeht. Das ist schon cool", sagt Jutta Botter.

Zu den beiden gesellen sich am Platz vor der Mensa noch Johanna Bärnreuther und Amelie Reier dazu. Zu viert bilden die Studentinnen das aktive Team von Campus Gemüse. Anfänglich war der Verkauf ein Projekt der deutschlandweiten Initiative Enactus gewesen, erklärt Johanna Bärnreuther. Vor gut zwei Jahren habe sich die Initiative aus dem Projekt zurückgezogen. Danach habe sie das Projekt erst einmal alleine übernommen und Kommilitoninnen gesucht, die einzelne Aufgaben, wie den Ankauf oder den Social-Media-Auftritt, übernehmen. Das Team besteht nur aus Studentinnen. Warum das so ist, wissen sie selbst nicht: "Von unseren Käufern sind die Hälfte Männer. Daran kann es also nicht liegen."

Schon kurz nachdem der Verkaufsstand aufgebaut ist, stehen die ersten Studenten an. In den Tüten befinden sich Gurken, Lauchzwiebeln, Spinat, Dill und ein Salatkopf. Der Preis ist variabel. "Zwischen drei und vier Euro. Drei Euro ist unser Einkaufspreis", verrät Jutta Botter. Die Studentinnen setzen auf die Solidarität ihrer Mitstudenten. Die Herangehensweise scheint aufzugehen: fast alle Käufer zahlen mehr als 3,50 Euro. Auch tragen sich viele in eine Vorbestellerliste ein.

Bei den Studenten scheint das Angebot gut anzukommen: Nach einer guten halben Stunde ist die Hälfte aller Gemüsetüten verkauft. "Das ist aber noch vergleichsweise wenig Andrang", meint Johanna Bärnreuther. In der Vergangenheit sei das schon viel schneller gegangen. "Einmal im Sommer waren wir schon nach einer Viertelstunde ausverkauft", erzählt Jutta Botter. Sieben Mal planen die vier Studentinnen dieses Semester ihren Stand aufzubauen. Bei der JVA kaufen sie jedes Mal 50 Gemüsetüten ein, die wahrscheinlich alle verkauft werden. Mehr als eine Tonne frisches Bio-Gemüse werden sie am Ende des Semesters verkauft haben.

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Valentin Tischer
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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
18:46 Uhr

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Valentin Tischer

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07. 06. 2019
18:46 Uhr



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