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Kulmbach

Gefahr der Altersarmut wird größer

Der Caritasverband Kulmbach schlägt Alarm. Mehr und mehr Senioren kämpfen mit finanziellen Problemen. Beratung und neue Hilfsaktionen sollen die größte Not lindern.



Mehr und mehr Senioren müssen jeden Cent zweimal umdrehen. Die Caritas Kulmbach will den ärmsten Menschen helfen und ruft die Bevölkerung in der Adventszeit zum Spenden auf. Foto: Sebastian Willnow/dpa
Mehr und mehr Senioren müssen jeden Cent zweimal umdrehen. Die Caritas Kulmbach will den ärmsten Menschen helfen und ruft die Bevölkerung in der Adventszeit zum Spenden auf. Foto: Sebastian Willnow/dpa  

Kulmbach - Sie sitzen in der kalten Wohnung. Die Heizung läuft nicht mehr, auch der Strom ist abgestellt und für Lebensmittel ist fast kein Geld mehr übrig. Im Landkreis Kulmbach leben Menschen in bitterer Armut. Senioren sind immer häufiger betroffen. Es gibt krasse Fälle, sagt Veronica Specht, die Geschäftsführerin des Caritasverbandes Kulmbach. Die Schuldner- und Insolvenzberaterin versucht, den notleidenden Menschen beizustehen. Doch viele Betroffene schämen sich und wollen fremde Hilfe gar nicht annehmen.

Die Geschenke-Aktion

Der Caritasverband für den Landkreis Kulmbach will bedürftigen Senioren zu Weihnachten eine Freude bereiten. Mit der neuen Geschenke-Aktion soll Hilfe dort ankommen, wo sie wirklich gebraucht wird. Wer mitmachen will, kann bis zum 13. Dezember Geschenke im Wert von je zehn Euro bei der Caritas Kulmbach, Bauergasse 3+5, abgeben.

Möglich sind festliche Weihnachtspäckchen, eventuell mit schönen Weihnachtsgrüßen, gefüllt mit alltäglich nützlichen Dingen, die Senioren eine Freude bereiten. Die Caritas bittet darum, aus hygienischen Gründen keine verderblichen Sachen einzupacken. Jedes Päckchen sollte entsprechend beschriftet werden, ob der Inhalt für eine Frau oder einen Mann geeignet ist.

Alternativ ist ein Geschenkgutschein möglich, zum Beispiel von einem Supermarkt, Bäcker, Metzger, Drogeriemarkt oder von anderen Geschäften, die alltägliche Dinge vertreiben.

Alle Geschenke werden vor Weihnachten über den Caritasverband zusammen mit der Kleiderkammer, der Sozialstation und anderen Partnern im Landkreis verteilt, um möglichst viele hilfebedürftige Senioren zu erreichen.


Steigerung um fast 50 Prozent: Der Schuldneratlas der Creditreform Wirtschaftsforschung hat vor wenigen Tagen ans Licht gebracht hat, dass Altersarmut zu einem immer größeren Problem in Deutschland wird, die Frankenpost berichtete. Viele ältere Menschen sind überschuldet, das heißt, sie können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Dem Schuldneratlas zufolge ist im Vergleich zum Vorjahr bundesweit die Zahl der verschuldeten Rentner über 70 Jahre mit zusätzlichen 118 000 Fällen auf insgesamt 381 000 Menschen und damit um fast die Hälfte angestiegen.

Zwar sind von Überschuldung nur 2,95 Prozent aller Senioren in Deutschland betroffen. Damit liegt der Anteil deutlich unter den Vergleichswerten anderer Altersgruppen. Doch das Problem wird sich verschärfen, davon geht Caritas-Schuldnerberaterin Veronica Specht aus. Denn allmählich gehen die Babyboomer, die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre, auf das Rentenalter zu. Nicht jedem wird die Rente reichen. Zumal sich heute schon bei vielen Senioren abzeichnet, dass es schnell eng werden kann, wenn die Ausgaben steigen.

Schulden und gesundheitliche Probleme: Miete, Strom, Wasser, Heizung und die gesamte Lebenshaltung werden teurer. "Bei vielen Menschen sind die Renten einfach zu gering", sagt die Caritas-Geschäftsführerin. Zu den Problemfällen gehören beispielsweise ehemalige Selbstständige, die zu wenig vorgesorgt haben und nun die Krankenkassenbeiträge nicht mehr aufbringen können. Weil sie überschuldet sind, sitzen ihnen die Gläubiger im Nacken. "Die Crux daran ist, dass ältere Menschen oft nicht mehr die Möglichkeit haben, sich Geld hinzuzuverdienen", erklärt die Beraterin. Zu den finanziellen Schwierigkeiten kommen oft gesundheitliche Probleme.

Verschämte Armut: Die Expertin spricht von einer verschämten Armut. Die Menschen schämen sich und sitzen oftmals alleine in ihrer kalten Wohnung oder im Häuschen, in dem dringend Reparaturen und Sanierungen nötig wären. "Man erduldet das so." Die Dunkelziffer ist hoch, denn nicht jeder kommt freiwillig zur Beratung. Oft sind es Angehörige oder Nachbarn, die auf die prekäre Situation der Menschen aufmerksam werden. Sie überreden sie zu einem Gespräch bei der Caritas-Schuldnerberatung.

Junge Menschen sind seltener überschuldet: Veronica Specht ist für den Landkreis Kulmbach und für Bayreuth Stadt und Land zuständig. 862 Klienten sind im Jahr 2018 wegen Überschuldung beraten worden. Der Anteil der Menschen über 60 Jahre liegt bereits bei gut zehn Prozent. Hingegen kommt es bei jüngeren Menschen seltener vor, dass die Schulden überhand nehmen. "Wir merken, dass unsere Präventionsarbeit sehr gut greift." Jugendliche und junge Erwachsene gehen heutzutage viel bewusster mit ihrem Geld um.

Die Beraterin hilft den Betroffenen, indem sie mit den Gläubigern Kontakt aufnimmt und ihnen schildert, dass der Gerichtsvollzieher nicht zur Vollstreckung kommen braucht, weil es besonders bei betagten Klienten nichts zu holen gibt. Im Gespräch mit den in Not geratenen Senioren geht Veronica Specht sehr behutsam vor. "Ich muss das Thema ganz vorsichtig ansprechen, weil es ihnen oft sehr peinlich ist." Für die Bevölkerung werde das Thema Altersarmut zu einer immer größeren Herausforderung werden. Jetzt die Weichen zu stellen, sei womöglich schon zu spät. Die Politik hätte viel früher agieren müssen, sagt die Expertin.

Neue Hilfsaktionen: Die Caritas Kulmbach will die Hilfe für arme Senioren ausweiten. Zum ersten Mal veranstaltet der Verband in diesem Jahr eine Geschenke-Aktion. Wer helfen will, kann Päckchen im Gesamtwert von zehn Euro abgeben, die vor Weihnachten an Bedürftige verteilt werden. Die vor Kurzem gestartete Aktion stößt bereits auf große Resonanz in der Bevölkerung, berichtet Veronica Specht. Gleichzeitig denkt die Caritas Kulmbach über weitere Ideen für notleidende Senioren nach.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
23. 11. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
23. 11. 2019
00:00 Uhr



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