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Kulmbach

Getreide nur noch gut für Vogelfutter

Viel zu wenig Regen und die große Hitze wirken sich desaströs auf das Getreide aus. Mancherorts mähen die Bauern bereits ihren Weizen und silieren ihn als Futter für das Vieh.



Der Boden salztrocken, die ersten tiefen Risse im Erdreich tun sich auf. So kann Mais nicht gedeihen. Für die ersten Bestände wird bereits Totalausfall gemeldet. Auch für den Weizen und die Sommergerste sieht es auf vielen Feldern im Landkreis Kulmbach derzeit nicht gut aus.
Der Boden salztrocken, die ersten tiefen Risse im Erdreich tun sich auf. So kann Mais nicht gedeihen. Für die ersten Bestände wird bereits Totalausfall gemeldet. Auch für den Weizen und die Sommergerste sieht es auf vielen Feldern im Landkreis Kulmbach derzeit nicht gut aus.   Foto: Gabriele Fölsche

Kulmbach - Der Regen, der im Mai noch gefallen ist, hat in der Landwirtschaft Hoffnung geweckt. Gut vier Wochen später sieht es anders aus. Brütende Hitze und kein Regen machen dem Getreide zu schaffen, die ersten Wiesen werden braun. "Wenn jetzt nicht in den nächsten Tagen genug Regen fällt, sehe ich schwarz", sagt BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger. Er sorgt sich vor allem um die Futtersituation. Nach der anhaltenden Dürre im vergangenen Sommer sind die Futtervorräte in den meisten Höfen restlos aufgebraucht. Wenn jetzt wieder zu wenig wächst, könnte es eng werden, sagt der Kulmbacher Vorsitzende. Das Sommergetreide entwickelt sich nicht richtig, am Mais runzeln sich die Blätter, Landwirte haben bereits die ersten Getreidefelder gemäht und verarbeiten sie zu Silage, um Futter für ihre Tiere zu haben.

Mit der aufkommenden Hitzewelle in Deutschland und in Europa haben sich die Sorgen um die Erträge der diesjährigen Getreideernte erhöht, teilt der Bayerische Bauernverband seinen Mitgliedern mit. Er bietet einen besonderen Service an. Wie es gerade um Entwicklungen und Preise steht, erfahren die Bauern in Marktinfos via Internet.

Ob es einem Bauern in Oberfranken nutzt, zu erfahren, dass der Weizenpreis gerade steigt, ist allerdings fraglich. "Wenn jetzt nicht schnell Regen kommt, gibt das nicht mehr als Vogelfutter", weiß Wilfried Löwinger zu berichten. Das gilt, sagt er, für alles, was erst später gedroschen wird: Braugerste, Weizen und auch Raps. Nur die Wintergerste kam gut weg. Die Bauern haben jetzt damit begonnen, die ersten Felder zu dreschen. Alles, was jetzt noch grün ist, hat keine ausreichende Kornbildung. Es habe eine Weile ganz gut ausgesehen, sagt Wilfried Löwinger. "Doch jetzt ist Ende mit dem Wachstum." Die Landwirte schauen besorgt zum Himmel, doch der zeigt sich in strahlendem Blau, wolkenlos.

"Die Sommergerste müsste jetzt Ähren schieben", erklärt Harald Köppel, der Geschäftsführer des Bauernverbands in Kulmbach. Doch das Wetter mache dem einen Strich durch die Rechnung. Er habe schon Felder gesehen, auf denen die Ähren praktisch leer sind oder die Körner winzig.

"Das bisschen Regen, das wir im Juni hatten, ist sofort wieder verdunstet. Der Wind trocknet das Erdreich noch zusätzlich aus", berichtet Köppel, was er auf den Feldern sieht. "Zum Teil haben wir schon die ersten großen Risse in den Flächen." Mehrere Tage am Stück, am besten eine ganze Woche, müsste es jetzt durchregnen, damit sich der Boden und die Pflanzen erholen können, sagt Köppel. Doch auch er kennt den Wetterbericht. Es wird zwar nicht mehr ganz so heiß wie in den vergangenen Tagen. Aber es bleibt ziemlich warm und trocken.

Bei Neudrossenfeld fahre er immer wieder an einem Maisfeld vorbei, das besonders elend aussieht, erzählt Köppel. "So etwas Jämmerliches wie diesen Mais habe ich schon lange nicht mehr gesehen." Was Köppel sieht: Viel zu kleine Pflanzen für diese Jahreszeit, die Blätter rollen sich, weil sie keine Flüssigkeit haben. Manche Blätter sind bereits braun. "Besonders auf den sandigen Böden haben wir jetzt schon dürre Blätter", weiß auch Wilfried Löwinger. Da, wo sich Blätter runzeln, könnte genügend Regen noch helfen. Die braunen Pflanzen würde auch das nicht mehr retten. Es gibt Bestände auf tieferen, schweren Böden, die noch recht gut dastehen. Das trifft aber nicht auf die Masse zu. Dem Kreisobmann des BBV ist klar: "Eine gute Maisernte kann es schon nicht mehr werden."

Oberfranken sei von der trockenen Witterung dieses Jahr besonders betroffen, berichtet der Bauernobmann. In Mittel- und auch in Unterfranken sehe es besser aus. Auch in Sachsen, wo er kürzlich beim Deutschen Bauerntag gewesen ist, sei alles dank genügend Regen noch ganz normal. Ganz anders die Lage in Oberfranken: "Seit dem 24. Mai hatten wir keine nennenswerten Niederschläge mehr. Die zwei-, dreimal ein bis drei Liter pro Quadratmeter im Juni haben für nichts gereicht. Das wird eine Katastrophe, wenn nicht bald Regen kommt." Die Lage in der Region sei in anderen Teilen Bayerns kaum vermittelbar, weiß Harald Köppel. "Zwischen Alpen und Donau ist die Welt in Ordnung."

Die ersten zwei Schnitte auf den Wiesen sind noch gut gegangen im Landkreis Kulmbach. Der Ertrag war ordentlich. "Aber jetzt kommt nichts mehr", sieht Wilfried jeden Tag, wenn er zuschauen muss, wie Wiesen erst gelb, dann braun werden. Dabei würde durchaus noch mehr gebraucht, um die Tiere jetzt zu füttern und sie vor allem über den Winter zu bringen.

Nicht genug Grünfutter, nicht genug Mais, nicht genug Getreide: Das hat Auswirkungen auf die Viehhalter. Die stecken in der Klemme, zumal alle Vorräte durch die Dürre im vergangenen Jahr aufgebraucht sind. "Wenn ich sehe, dass das Futter nicht reicht, muss ich mich von Tieren trennen. Aber wenn das jeder macht, sinkt der Preis." Die Bauern stecken in der Klemme. Egal wie es jetzt läuft: Die Erträge werden schmal ausfallen. Ein weiteres Jahr, in dem die Speicher kaum gefüllt werden können.

Richtig schlimm sieht es für den Wald aus, macht Wilfried Löwinger deutlich. Es werde zu echten Dürreschäden kommen, sagt der Bauernobmann voraus. Das werde die Situation mit dem ohnedies schon massiven Käferbefall noch weiter verschärfen. Ein Kreislauf beginne. Mehr Trockenheit, mehr geschwächte Bäume, mehr Käfer und dadurch noch mehr geschwächte Bäume. Keine gute Prognose für die vielen Fichten-Monokulturen, die es immer noch in Oberfranken gibt.

Es regnet derzeit zu wenig in Bayern und damit auch in der Region. Das geht aus den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdiensts klar hervor. Im April beispielsweise sind in Hof nur ein Prozent der sonst üblichen Regenmengen gefallen. Nürnberg kam mit neun Prozent nicht viel besser weg. Im Juni hat es beispielsweise in Ludwigschorgast den ganzen Monat über nur rund zehn Liter pro Quadratmeter gerechnet, weist eine Tabelle des Internetdienstes Wetter.com aus. Im extrem trockenen Sommer des vergangenen Jahres waren es wenigstens noch knapp mehr als 20 Liter gewesen.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
17:42 Uhr

Aktualisiert am:
01. 07. 2019
20:14 Uhr

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Melitta Burger

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01. 07. 2019
17:42 Uhr

Aktualisiert am:
01. 07. 2019
20:14 Uhr



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