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Kulmbach

Grüne Kreuze mahnen Politik und Gesellschaft

Landwirte wollen Politiker und Verbraucher zum Nachdenken anregen. Die Grünen Kreuze stehen als Zeichen für eine schwierige Situation der Bauern.



Auf einem Feld bei Gößmannsreuth steht eines der ersten grünen Kreuze in der Region. Gerhard Reif hat es aufgestellt. Viele seiner Landwirtskollegen wollen folgen und sich der Aktion anschließen, die ein Landwirt aus Rommerskirchen gestartet hat und die inzwischen deutschlandweit Wellen schlägt. Foto: Privat
Auf einem Feld bei Gößmannsreuth steht eines der ersten grünen Kreuze in der Region. Gerhard Reif hat es aufgestellt. Viele seiner Landwirtskollegen wollen folgen und sich der Aktion anschließen, die ein Landwirt aus Rommerskirchen gestartet hat und die inzwischen deutschlandweit Wellen schlägt. Foto: Privat  

Kulmbach - An etlichen Stellen im Landkreis stehen sie bereits. An weiteren Stellen im ganzen Landkreis werden sie noch folgen. Grüne Kreuze, aufgestellt von Landwirten, sollen aufmerksam machen und als Zeichen der Mahnung angesichts der miesen Stimmung in der Land- und Forstwirtschaft verstanden werden. Die Aktion, die "Bauer Willi" aus Rommerskirchen gestartet hat, macht deutschlandweit Furore. Auch der Bayerische Bauernverband hat sich angeschlossen. Grüne Kreuze wird es auch im Kulmbacher Land schon bald an vielen Stellen geben.

Gerhard Reif, Landwirt aus Gößmannsreuth, war der erste, der grüne Kreuze aufgestellt hat. Sie stehen bei Gößmannsreuth, bei Oberzettlitz und auch am Seniorenradweg im Kessel in Kulmbach. Weitere sollen folgen. "Diese Aktion will ich unterstützen", sagt er und berichtet von immer mehr Auflagen, die gerade den kleinen bäuerlichen Familienbetrieben die Arbeit erschweren. Zunehmend habe er als Landwirt, der seinen Beruf gelernt hat, das Gefühl, als würde ihm die Kompetenz abgesprochen. "Ich komme mir vor, als sehen uns die Leute immer mehr als ‚Blöderla‘".

Die Grünen Kreuze sollen mahnen gegen eine steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, gegen Dumpingpreise für Essen, ungebremsten Flächenverbrauch, aber auch gegen unfaire Handelspolitik. Sie sollen stehen gegen fruchtbare Böden statt Beton, für gesunde statt kranke Pflanzen, für Düngen nach Bedarf statt nach Frist, für heimische Lebensmittel statt Fleisch aus Übersee und für Tiere auf Bauernhöfen. Bauernpräsident Walter Heidl und sein Stellvertreter Günther Feißner haben ein grünes Kreuz auch schon vor die bayerische Staatskanzlei getragen.

Bei den Kulmbacher Landwirten kommt die Aktion gut an. Bauernobmann Wilfried Löwinger kündigt an, dass bald an zentralen Stellen noch mehr grüne Kreuze aufgestellt werden. "Das ist ein friedliches Zeichen, ein stiller Protest, um auf Missstände aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren, was die Politik derzeit mit uns Landwirten macht." Zum Umdenken wollen die Bauern die Politik, aber auch die Gesellschaft bringen. Nicht gegen die Landwirte soll die Stimmung gerichtet sein.

Das unterstreicht auch Kreisbäuerin Beate Opel aus Neufang bei Wirsberg. Sie hat zunächst überlegt, ob das Kreuz das richtige Symbol für diesen Protest ist, sich dann aber dafür entschieden. "Irgendetwas müssen wir unternehmen, um den Leuten zu zeigen, für was wir stehen." Die Stimmung unter ihren Berufskollegen sei schlecht, sagt die Kreisbäuerin. "Die Leute sind wie gelähmt. Es macht uns kaputt, was da alles auf uns einstürzt."

Landwirte tun viel für die Region, sie erzeugen Lebensmittel auf höchstem Niveau, sie pflegen Dörfer und Landschaften. "Wir sind etwas wert, wir sind die Ernährer. Die Leute zeigen mit dem Finger auf uns, obwohl sie gar keine Ahnung haben. "Wir wollen unseren Stolz nicht brechen lassen. Die Trockenheit, die Skandale in der Tierhaltung, politische Vorgaben: Auf uns schlägt gerade so viel ein. Gerade in einer solchen Situation müssen wir unsere Stärken zeigen und zusammenhalten." Dafür sei eine Aktion wie die mit den grünen Kreuzen genau richtig. Auch die Familie Opel werde demnächst welche aufstellen. "Es mag sein, dass wir Landwirte nur zwei Prozent der Bevölkerung stellen, aber wir gehören in die Mitte der Gesellschaft", betont die Kreisbäuerin.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
17:20 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
17:20 Uhr



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