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Kulmbach

Harte Fronten im Tarifstreit

Auto Scholz will aus seinem Haustarifvertrag aussteigen. Das Unternehmen fährt einen harten Kurs gegen die IG Metall. Die kontert mit einem Aufruf zum Warnstreik.



Gut die Hälfte der Belegschaft von Auto Scholz in Kulmbach hat am Montag für die Fortführung ihres Haustarifvertrags gestreikt. Auch in den Niederlassungen des unternehmens in Bamberg und Bayreuth hatten Beschäftigte für gut eine Stunde die Arbeit niedergelegt. Foto: Gabriele Fölsche
Gut die Hälfte der Belegschaft von Auto Scholz in Kulmbach hat am Montag für die Fortführung ihres Haustarifvertrags gestreikt. Auch in den Niederlassungen des unternehmens in Bamberg und Bayreuth hatten Beschäftigte für gut eine Stunde die Arbeit niedergelegt. Foto: Gabriele Fölsche  

Kulmbach - Erstmals in der langen Geschichte von Auto Scholz haben am Montag zahlreiche Beschäftigte in Kulmbach, Bayreuth und Bamberg für eine Stunde die Arbeit niedergelegt. Auf der Albert-Ruckdeschel-Straße in Kulmbach machten die Mitarbeiter mit Unterstützung des Betriebsrats und der IG Metall ihre Forderungen in der laufenden Firmentarifauseinandersetzung deutlich. Die Fronten sind, wie es scheint, verhärtet. Die Streikenden mussten auf die Straße ausweichen, weil ihnen während des Streiks die Nutzung des Firmengeländes untersagt worden war. Firmenchef Michael Eidenmüller machte im Gespräch mit der Frankenpost deutlich, dass eine erfolgreiche Fortführung der Autobetriebe mit der IG Metall nicht möglich sei. "Wir können uns diesen ruinösen Forderungen nicht mehr hingeben. Damit gefährden wir das gesamte Unternehmen." Volker Seidel von der IG Metall kontert, direkt an den Firmeninhaber gerichtet: "Als es der Firma mal schlechter ging, standen die Beschäftigten zu ihm. Jetzt stiehlt er sich aus seiner Verantwortung." In Kulmbach waren laut Volker Seidel gut die Hälfte der Mitarbeiter des Mercedes-Betriebs auf die Straße gegangen, in Bayreuth und Bamberg sei die Beteiligung ebenfalls sehr gut gewesen.

Die Scholz-Gruppe

Zur Scholz-Gruppe, die ihren Hauptsitz in Bamberg hat, gehören sieben Mercedes-Autohäuser in den Alten Bundesländern und sechs in den Neuen Bundesländern. Dazu kommen zwei VW-Betriebe und drei Porsche-Zentren, eins davon in Bayreuth. Nach Angaben des Inhabers, Michael Eidenmüller, beschäftigt die Scholz-Gruppe derzeit insgesamt rund 1300 Mitarbeiter, darunter etwa 530 in den Mercedes-Häusern in Oberfranken. Wirtschaftsportale im Internet geben den Umsatz der Gruppe für das Jahr 2017 mit rund 510 Millionen Euro an und weisen seit 2013 eine kontinuierliche Steigerung aus.


Die Polizei wird gebraucht an diesem Streiktag in Kulmbach. Die Beamten müssen den Verkehr sichern und gewährleisten, dass durch den Streik, der zwangsläufig buchstäblich auf der Straße stattfinden musste, keiner gefährdet wird. Lautstark bekräftigen die Streikenden ihre Forderungen. Gut 20 Menschen haben in Kulmbach die Arbeit niedergelegt. Das ist gut die Hälfte aller Anwesenden der 51-köpfigen Belegschaft, sagt Volker Seidel. Die IG Metall fordert mit Ihren Mitgliedern für die Beschäftigten bei Auto Scholz in Kulmbach, Bayreuth und Bamberg mehr Sicherheit und Perspektiven durch einen Tarifvertrag. Außerdem liegt eine Forderung nach regelmäßiger Entgelterhöhung und tariflichen Sonderzahlungen auf dem Tisch.

Der Arbeitgeber habe in der ersten Verhandlung für 2019 gar nichts geboten. In 2020 sollten die Löhne und Gehälter um 2,8 Prozent steigen. "Für 2021 schlug er der Tarifkommission Sachleistungen in Form von Tankgutscheinen vor. Die Laufzeit soll drei Jahre betragen" informiert der Gewerkschaftsvertreter. "Beim zweiten Verhandlungstermin sah das schon ganz anders aus, hier bot der Arbeitgeber der Tarifkommission nichts an. Dies war ein Schlag ins Gesicht, vor allem in das seiner Beschäftigten. Die Arbeitgeber haben seltsame Vorstellungen, wie man bei guter Arbeitsmarktlage Beschäftigte im Unternehmen hält", ruft der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostoberfranken Volker Seidel den Warnstreikenden zu.

Ein in die Zukunft gerichtetes Angebot sei dies nicht, machte Betriebsratsvorsitzender Klaus Schuster deutlich. "Die Jugend wird immer selbstständiger und will mit eigenen Beinen im Leben stehen. Da führt kein Weg an einer höheren Ausbildungsvergütung vorbei." Schuster zeigte sich beeindruckt, wie viele Kollegen sich am Streik beteiligt hatten.

Auch bei Auto Scholz mache der Fachkräftemangel keinen Halt und sei in allen Ecken spürbar. Die Lösung ist aus Sicht von Volker Seidel ein gerechter Tarifvertrag, der den Beschäftigten gute und faire Arbeits- und Lebensbedingungen sichert. "Die Kollegen wollen ein Stück von diesem Kuchen abhaben. Die Beschäftigten von Auto Scholz werden sicherlich nicht betteln, denn sie wissen, was sie täglich leisten müssen, und was am Ende des Monats dabei rauskommt. Deshalb sind sie auch fest entschlossen, für ihre Tarifforderungen zu kämpfen."

Die Beschäftigten der Standorte Kulmbach, Bayreuth und Bamberg fordern, dass sich ihr Arbeitgeber wieder mit der IG Metall an den Verhandlungstisch setzt, um einen Tarifvertrag abzuschließen.

Bleibt es bei den Aussagen von Firmeninhaber und Geschäftsführer von Auto Scholz, Michael Eidenmüller, wird es dazu wohl nicht mehr kommen. Der Haustarifvertrag sei Ende 2018 ausgelaufen. Seither habe es zahlreiche Verhandlungsrunden gegeben. Rückwirkend zum 1. Januar habe die IGM 2,9 Prozent mehr gefordert, für später nochmals 2,8 beziehungsweise 2,9 Prozent für nächstes Jahr. Mit Weihnachtsgeld und Höherstufungen mache das eine Lohnkostensteigerung von rund zehn Prozent aus, sagte Eidenmüller. "Das ist nicht zu verkraften. Wir wollten Erhöhungen in einem vernünftigen Maß, aber das wurde abgeschmettert."

Jetzt werde Auto Scholz den Weg von Einzelverträgen mit seinem Mitarbeitern gehen. Etlichen sei dies bereits angeboten worden. Das Angebot: 1,5 Prozent mehr für dieses Jahr, 1,5 Prozent für nächstes Jahr. Das sei auch eine Persepektive, wenn man bedenke, dass Auto Scholz bislang zu den nur neun Prozent der Autobetriebe mit einem Tarifvertrag gehört habe. "91 Prozent der Betriebe haben keinen Tarifvertrag. Wir sind die Ausnahme gewesen." Allerdings sei sein Unternehmen jetzt an einer Grenze angelangt, an der die Erfüllung der Gewerkschaftsforderungen ruinös für den Betrieb würde. "Wir wollen ja auch investieren, auch diese Kosten müssen erwirtschaftet werden."

Auto Scholz sei ein privates Familienunternehmen, kein Industriebetrieb, "in dem man mal eben die Bänder schneller stellen kann." In der Vergangenheit habe das Unternehmen die Tarifverträge mitgetragen, um Ruhe und Frieden zu haben. Das gehe jetzt aber nicht mehr."

Auto Scholz habe bereits schmerzliche Einschnitte vornehmen müssen, um die Forderungen der IG Metall bezahlen zu können. In Bad Berneck, Hollfeld und Ebern seien Niederlassungen geschlossen worden, in Hochstadt, Pegnitz und Forchheim habe man reduzieren müssen.

In drei Betrieben des Unternehmens gebe es einen Betriebsrat. Es gebe unter den Mitarbeitern überall dort, wo es keinen Betriebsrat gebe, mehr Zufriedenheit. "In Bamberg, Bayreuth und Kulmbach haben wir die IG Metall im Haus. Da wird Unzufriedenheit gesät, die Mitarbeiter werden verunsichert."

Grußadressen überbrachten den Streikenden der Betriebsratsvorsitzende Michael Rieker von Novem in Grafendobrach und Thomas Plätz von den IG Metall-Vertrauensleuten bei GDTS in Kulmbach.

Joey Schneider von der Katholischen Betriebsseelsorge aus Kronach brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: "Ihr tretet für euren gerechten Lohn ein, daher sind wir auf eurer Seite."

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
03. 06. 2019
17:46 Uhr

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Melitta Burger

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03. 06. 2019
17:46 Uhr



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