Topthemen: HöllentalbrückenBrandserieHof-GalerieKaufhof-PläneGerch

Kulmbach

Heimat ist, was einen auffängt

Minister Albert Füracker zeichnet bei einem Festakt in Bayreuth sechs oberfränkische Institutionen mit dem Heimatpreis aus. Dazu zählt die Limmersdorfer Lindenkirchweih



Viel Freund, viel Ehr: Die Ehrenamtlichen aus Limmersdorf holten sich im Markgräflichen Opfernhaus in Bayreuth aus den Händen von Heimatminister Albert Füracker (mittlere Reihe, rechts) ihre Porzellanlöwen ab. Foto: Andreas Harbach
Viel Freund, viel Ehr: Die Ehrenamtlichen aus Limmersdorf holten sich im Markgräflichen Opfernhaus in Bayreuth aus den Händen von Heimatminister Albert Füracker (mittlere Reihe, rechts) ihre Porzellanlöwen ab. Foto: Andreas Harbach   Foto: Thomas Neumann » zu den Bildern

Bayreuth/Limmersdorf - "Heimat Bayern": Mit großen blauen Lettern auf Plexiglasbande prangte der Schriftzug auf der Bühne eines Hauses, das zur Zeit seiner Einweihung noch einem Staat Ansbach-Bayreuth gehörte, wenige Jahrzehnte darauf Preußen und heute Bayern. So ist das mit Heimat, sie kann ihre Namen wechseln. Unbeständig ist auch ihr Wert: Einst missbraucht, dann verkitscht, anschließend dringend beargwöhnt, steht sie heute wieder hoch in Kurs. Unter anderem als Leistungsnachweis der Regierungspartei. Heimat könne es schließlich nur dort geben, wo lebenswerte Bedingungen für die Menschen herrschten, sagte Albert Füracker am Montag in Bayreuth.

Der Preis

Der Heimatpreis wird seit 2015 verliehen, seit 2016 wird die Auszeichnung bezirksweise vergeben. Neben der Limmersdorfer Lindenkirchweih wurden am Montag das Annafest Forchheim, der Hofer Schlappentag, das Kronacher Freischießen, die Lichterprozession Pottenstein und das Wunsiedler Brunnenfest ausgezeichnet.


Ihm oblag als Heimat- und Finanzminister im Markgräflichen Opernhaus die Verleihung des Heimatpreises Oberfranken, den sein Vorgänger Markus Söder 2015 eingeführt hatte. Die Trophäe in Gestalt eines Porzellanlöwen ging an die Lichterprozession Pottenstein und die Limmersdorfer Lindenkirchweih sowie das Annafest Forchheim, der Hofer Schlappentag, das Kronacher Freischießen und Wunsiedler Brunnenfest.

Schöne Unternehmungen alle miteinander, vor allem aber bezeichnend für Heimat und Zusammengehörigkeit in Oberfranken, befand Füracker. Die Verantwortlichen hätten sich stark gemacht für ihre Heimat Oberpfalz, sagte der Oberpfälzer, der seinen Schnitzer aber beim geringsten Zeichen amüsierten Protests bemerkte und schnell nachschob: "Ich wollte nur testen, ob Sie noch aufmerksam sind." Gutmütiges Gelächter im Saal, Gelassenheit scheint eine zwingende Voraussetzung für Heimatverbundenheit in Nordbayern zu sein, eher jedenfalls als die lückenlose Kenntnis des Oberfrankenliedes, wie sich anschließend zeigte.

Was noch zum Oberfrankentum gehört, wollte Füracker anschließend geklärt wissen, in einer kleinen Gesprächsrunde auf der Bühne des Markgräflichen Opernhauses. Zu Gast: Sternekoch Alexander Herrmann, Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer, Tatort-Kommissar Andreas Leopold Schadt und Popularmusikbeauftragter Samuel Rauch. Was typisch sei an ihrer Heimat, wurden sie gefragt, vor allem, was typisch sei am Oberfränkischen Essen. Die Entschleunigung, wusste Alexander Herrmann, "wenn wir in Franken kochen, dann ist das kulinarisches Feng Shui." Die Essenz des Essens besteht für den Sternekoch und bekennenden Brot-Fan nach eigenen Worten in der Einfachheit eines Schnittlauch-Butterbrots. Dass er vor mitunter heftigen Winden auf diesem Gipfel des Genusses warnte, irritierte allerdings kurz.

Schauspieler Andreas Leopold Schadt, ein gebürtiger Hofer, berichtete von seinen Erfahrungen in München und anderen Gegenden des deutschsprachigen Auslands und dankte seiner Heimat in fast schon ergreifenden Worten. "Oberfranken hat mich aufgefangen", sagte er, "ich bin froh, wieder zu Hause zu sein." Man sprach über Identität, Brendel-Fischer fand, dass man sich "in puncto Tracht auf einer guten Spur" befinde, Samuel Rauch allerdings wunderte sich, dass - anders als in Oberbayern - die Volksmusik in Oberfranken durchaus noch nicht wirklich in der Popmusik angekommen sei.

Füracker fragte, was man tun könne fürs Selbstbewusstsein der Oberfranken, der Schauspieler wünschte sich uneigennützig "eine kleine Serie vom BR", Herrmann sprach von der "über Generationen hinweg weitergereichten Bescheidenheit", Brendel-Fischer antwortete: "Bescheidenheit - das kann ich nicht nachvollziehen. Ich denke, dass wir nicht mehr so bescheiden sind." Da merkte man schon, dass Heimat ein gar nicht so kleiner gemeinsamer Nenner ist, sondern vielmehr ein weites Feld, über das sich trefflich vertieft diskutieren ließe. Doch da warteten die Preisträger schon länger auf ihre Porzellanlöwen und die Tänzer vom Verein zur Erhaltung und Förderung der Limmersdorfer Kirchweihtradition auf ihren Einsatz. Nur eines mochte Füracker unbedingt noch wissen, klar, Lieblingsspeisen seiner Gäste. Schadt punktete mit einer entschiedenen Ansage: "Welche Wurst, ist mir wurscht. Ich mag alle Würst, die rumfliegen."

Zum Finale des Abends durften sie sich ihre Preise abholen, die sechs Gruppen, darunter die Limmersdorfer für ihr "urfränkisches Kirchweihfest". Ein "gesellschaftlicher Höhepunkt des dörflichen Lebens", der beeindruckend zeigt, worauf es bei Tradition ankommt und was Heimat an diesem Ehrenabend ausmachte: auf Wurzeln, die tief in die Vergangenheit reichen. Um 1648 herum wurde die Limmersdorfer Linde gepflanzt, seit 1729 ist das Kirchweihfest belegt.

Man kann es auch so sagen: Bayerns vielleicht jüngster Preis hebt Bayerns vielleicht ehrwürdigste Brauchtümer hervor.

Autor

Michael Weiser
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
18:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Albert Füracker Alexander Herrmann Andreas Leopold Schadt Annafest Brunnenfest Wunsiedel Gudrun Brendel-Fischer Heimat Hofer Schlappentag Kirchweih Kronacher Freischießen Limmersdorfer Lindenkirchweih Markus Söder Minister Oberfranken der Limmersdorfer Kirchweihtradition
Bayreuth Limmersdorf
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Getanzt wird bei der Limmersdorfer Kerwa nicht nur auf der alten Tanzlinde, sondern auch im Ort, wenn sich die Platzburschen und -madla abholen und dabei von zahlreichen Kirchweihgästen und natürlich der Musik begleitet werden. Foto:Archiv

15.08.2018

Fröhliches Fest mit großer Tradition

Die Limmersdorfer feiern ihre Kerwa nicht nur an einem lauschigen Platz, sondern vor allem auch mit uralten Bräuchen. Am 23. August beginnt die Lindenkirchweih. » mehr

Nicht nur Bürgermeister Martin Bernreuther (Mitte) strahlte, als ihm Lothar Winkler (rechts daneben) den Förderbescheid übergab. Foto: Horst Wunner

28.08.2018

Mehr Leben in Limmersdorf

Der Thurnauer Ortsteil bekommt im Rahmen der Nordostbayern-Offensive eine Förderung in Höhe von 763 000 Euro. Das Geld soll in die Ortsmitte investiert werden. » mehr

Mit einer "Männer-Handtasche" der Brauerei Schübel wurde Staatsminister Albert Füracker in Stadtsteinach verabschiedet. Im Bild (von links) stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann, CSU-Ortsvorsitzender Klaus Witzgall, MdL Ludwig von Lerchenfeld, Staatsminister Albert Füracker, OB und CSU-Kreisvorsitzender Henry Schramm, Andrea Schübel-Münch, MdL Martin Schöffel und Braumeister Jürgen Münch.	Foto: Werner Reißaus

19.08.2018

CSU setzt auf die "Heimatstrategie"

Heimatminister Albert Füracker verspricht in Stadtsteinach weiterhin finanzielle Unterstützung für den ländlichen Raum. Vertreter der Kommunen danken dem Ministerium. » mehr

Mit einem handgefertigten Holzkreuz schmückt die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit in Kulmbach ihren Eingangsbereich. Foto: Stefan Linß

01.06.2018

Wo seit neuestem Kreuze hängen

Seit 1. Juni gilt: In jeder bayerischen Behörde muss per Gesetz ein Kruzifix an der Wand zu sehen sein. » mehr

Die neue Wissenschaftsministerin Professor Marion Kiechle (Zweite von rechts) sowie Heimat- und Finanzminister Albert Füracker (Zweiter von links) sprachen in München mit Oberbürgermeister Henry Schramm (links) und Landtagsabgeordnetem Martin Schöffel (rechts) über den geplanten Uni-Campus.

20.04.2018

Erneuter Vorstoß in Sachen Campus

Oberbürgermeister Henry Schramm will einen runden Tisch mit der Uni Bayreuth und den zuständigen Ministern. In München stößt er damit auf offene Ohren. » mehr

Der Auftritt in der Oberfrankenhalle war für Spitzenkoch Alexander Herrmann aus Wirsberg quasi ein Heimspiel. Foto: Andreas Harbach

18.01.2018

Der leichte Weg zum perfekten Essen

Alexander Herrmann führt in seiner neuen Koch-Show vor, wie jeder in der Küche "Schnell mal was Gutes" zaubern kann. Erstes Gastspiel war in der Oberfrankenhalle. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bürgerentscheid Lichtenberg

Bürgerentscheid Lichtenberg | 16.09.2018 Lichtenberg
» 53 Bilder ansehen

Regnitzlosauer Open Air

Regnitzlosauer Open Air | 16.09.2018 Regnitzlosau
» 30 Bilder ansehen

HofRegatta 2018 in Tauperlitz

HofRegatta 2018 in Tauperlitz | 17.09.2018 Tauperlitz
» 168 Bilder ansehen

Autor

Michael Weiser

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
18:38 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".