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Kulmbach

Heißer Kampf um Acker und Wiese

Vor dem Bürgerentscheid am 26. Mai zeigen Gegner des Gewerbegebiets in Himmelkron die Ausmaße des Flächenverbrauchs. Sie entrollen eine große Plane.



Eine Fläche von 250 Quadratmetern wird in Bayern alle drei Minuten versiegelt. Der Bund Naturschutz zeigt mit einer Plane in Himmelkron die Größenverhältnisse. Auf den Äckern will die Gemeinde 24 Hektar für Gewerbeflächen ausweisen. Foto: Nils Katzenstein
Eine Fläche von 250 Quadratmetern wird in Bayern alle drei Minuten versiegelt. Der Bund Naturschutz zeigt mit einer Plane in Himmelkron die Größenverhältnisse. Auf den Äckern will die Gemeinde 24 Hektar für Gewerbeflächen ausweisen. Foto: Nils Katzenstein   » zu den Bildern

Himmelkron - Dass sich die Umweltschützer ausgerechnet im Himmelkroner Ortsteil Streit zu ihrer Aktion trafen, passte ganz gut. Der Streit um das neue Gewerbegebiet spitzt sich zu. Denn der Termin des Bürgerentscheids rückt näher. Am 26. Mai stimmen die Wahlberechtigten darüber ab, ob die Gemeinde die Pläne für ein neues Gewerbegebiet zwischen B 303 und A 9 vorantreiben soll oder nicht. Der Bund Naturschutz und die Bürgerinitiative "Nein zum neuen Gewerbegebiet" will die Bevölkerung noch stärker sensibilisieren. Mit einer 250 Quadratmeter großen Silofolie haben sie am Dienstag in der Acker-, Wiesen- und Heckenlandschaft im Norden der Gemeinde symbolisch die Fläche versiegelt.

 

250 Quadratmeter verschwinden in drei Minuten: Die Naturschützer rollten die Plane aus und zeigten damit sozusagen in Echtzeit, wie viel Land innerhalb von drei Minuten in Bayern verbraucht wird. Tag für Tag verschwinden alle drei Minuten 250 Quadratmeter für Siedlungs- und Verkehrsfläche, sagte Tom Konopka, der Regionalreferent des Bundes Naturschutz. Die Plane aus Plastik, das versichern die Mitglieder, sei schon lange in ihrem Besitz, sie werde immer wieder verwendet und am Ende ihrer Lebensdauer ordnungsgemäß entsorgt.

 

Zugespitzte Auseinandersetzung: Konopka hat sich zusammen mit dem Landesvorstand ein Bild von den aktuellen Konfliktfällen gemacht und bei einer Rundreise durch Oberfranken auch Himmelkron besucht. Es sei ein Ort der besonders zugespitzten umweltpolitischen Auseinandersetzung. Die CSU/FWG-Fraktion im Himmelkroner Gemeinderat will 24 Hektar für Gewerbe zur Verfügung stellen. Die Befürworter haben das Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuereinnahmen zu generieren.

"Es wäre ein himmelschreiender Skandal, wenn das Gewerbegebiet kommt", sagte Richard Mergner, der Landesvorsitzende des Bundes Naturschutz. Es werde immer weiter die Axt an die Landschaft gelegt. "In Zeiten der Klimakrise gibt es viele Gründe dafür, dass wir sparsam mit dem Boden umgehen sollten. Deshalb hoffen wir, dass der Bürgerentscheid zugunsten von Landschaft und Landwirtschaft ausgeht."

 

Appell an Aiwanger: In Himmelkron ein weiteres Gewerbegebiet zu bauen, sei nichts anderes als Spekulationswahn, betonte Richard Mergner. Denn es gebe in der Gemeinde überhaupt keinen Bedarf dafür. Der Vorsitzende des Bundes Naturschutz appellierte an den zuständigen bayerischen Staatsminister für Wirtschaft und Landesentwicklung, Hubert Aiwanger, den eigenen Koalitionsvertrag mit der CSU ernst zu nehmen und sich gegen den weiteren Verbrauch von Flächen im Land zu stellen.

Unklare Verkehrserschließung: "Es ist ein heißer Kampf", sagte Wilhelmine Denk, die Sprecherin der Bürgerinitiative "Nein zum neuen Gewerbegebiet". Sie und ihre Mitstreiter nehmen bis zur Entscheidung am 26. Mai den Kampf an. Denn sie wollen nicht hinnehmen, wenn mehr und mehr Natur vernichtet werde. Unklar und umstritten sei auch die Verkehrserschließung. Mit neuen Straßen und Zufahrten würde die renaturierte Fläche entlang der Autobahntrasse verschwinden. "Wenn Himmelkron jetzt weitere 24 Hektar fruchtbares Ackerland für ein äußerst fragliches Gewerbegebiet unter Beton und Asphalt begraben will, so ist das alles andere als zukunftsorientiert, es ist schlichtweg unverantwortlich", sagte Wilhelmine Denk. "Wir stehen vor einer ökologischen Zeitenwende, wir müssen uns den Themen Klimawandel, Flächenfraß, Artenschwund, Luft- und Lichtverschmutzung endlich konsequent stellen und müssen dringend gegensteuern."

 

Heftige Kritik: Auch Karlheinz Vollrath, der Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Kulmbach, äußerte heftige Kritik an den Plänen für ein neues Gewerbegebiet. "So etwas passt einfach nicht mehr in die Zeit", sagte er. "Es ist der Wahnsinn, wie sich Himmelkron in den vergangenen Jahrzehnten schon verändert hat." Jeden Tag gebe es riesige Verkehrsprobleme - auch ohne Autobahnbaustelle.

"Der Flächenfraß beschäftigt uns im Landkreis Kulmbach schon lange, zum Beispiel in Untersteinach, in Stadtsteinach oder auch in Melkendorf. Es wird Zeit, dass hier ein Riegel vorgeschoben wird", sagte Karlheinz Vollrath.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
16. 04. 2019
17:50 Uhr

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Stefan Linß

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16. 04. 2019
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