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Kulmbach

Hilfe im Kampf gegen Borkenkäfer

Die Waldbesitzervereinigung Kulmbach sucht nach Selbstwerbern. Die können für ihre Arbeit günstig an Brennholz kommen - und helfen die Käferplage einzudämmen.



Es gibt viel zu tun: Die WBV-Experten Theo Kaiser (links) und Jerriet Biewald (rechts) weisen Selbstwerber Marco Wolf in das zugeteilte Waldstück ein.
Es gibt viel zu tun: Die WBV-Experten Theo Kaiser (links) und Jerriet Biewald (rechts) weisen Selbstwerber Marco Wolf in das zugeteilte Waldstück ein.   » zu den Bildern

Wartenfels/Rugendorf - Die Borkenkäfer-Problematik hat sich im vergangenen Jahr aufgrund der Hitze- und Trockenperioden extrem zugespitzt. Das berichtet Theo Kaiser, während er mit seinem Geländewagen eine kurvige, schmale Bergstraße am Ortsrand von Wartenfels hinauffährt. Spätestens jetzt wird klar, weshalb der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kulmbach/Stadtsteinach derzeit bei der Borkenkäfer-Bekämpfung dringend auf der Suche nach Brennholz-Selbstwerbern ist. Mit einem Pkw-Anhänger-Gespann oder einem Traktor ist die steile Ortsstraße in Wartenfels problemlos zu bewältigen. Für Großfahrzeuge wie Langholzlaster oder Harvester ist die Strecke dagegen unpassierbar.

So funktioniert’s

Um die Erlaubnis zur Selbstwerbung bzw. einen "Leseschein" zugeteilt zu bekommen, müssen die Interessenten folgende Voraussetzungen erfüllen. Da die selbstständige Arbeit im Wald nicht ungefährlich ist und viel Erfahrung im Umgang mit der Motorsäge erfordert, verlangen sowohl die WBV als auch die staatlichen Forstämter:

• den Nachweis einer Privathaftpflichtversicherung sowie

• eines Kettensägenführerscheins.

• Außerdem müssen Selbstwerber über eine Schutzausrüstung mit Helm, Handschuhen, gut profilierten Sicherheitsschuhen sowie Gehör- und Gesichtsschutz verfügen.

• Helfer, die an den Arbeiten teilnehmen, müssen ebenfalls Hand- und Sicherheitsschuhe sowie Schutzhelme tragen.

• Nach der Zuteilung findet ein Vorort-Termin mit dem Selbstwerber und einem WBV-Mitarbeiter statt, der die Bäume markiert, die gefällt bzw. entnommen werden können.

Kontaktdaten

WBV-Geschäftstelle: Langenstadt 21, 95512 Neudrossenfeld, Telefon 09228/456, Fax 09228/7179, E-Mail: theo.kaiser@web.de, Internet: www.wbv-kulmbach-stadtsteinach.de


Das Ziel von Kaisers Fahrt ist ein Waldstück, das direkt an die Teerstraße angrenzt und für das der Privatbesitzer einen Waldpflegevertrag mit der WBV geschlossen hat, die sich um die Pflege kümmert. Vor einigen Jahren bereits führte die WBV hier Durch- und Aufforstungsarbeiten durch. "Vor allem der Abtransport des Holzes gestaltete sich problematisch. Es war ein großer Umweg über Wiesen notwendig, die nur befahren werden konnten, wenn sie abgetrocknet waren", erinnert sich Kaiser. Der Einsatz von Großmaschinen, der jetzt auch für die Borkenkäfer-Bekämpfung dringend notwendig wäre, ist in derartigen Waldgebieten unrentabel. "Wenn dann nur Brennholz geschlagen wird, rechnet sich das nicht. Dann ist es ein Zuschussgeschäft", sagt Kaiser. Und von diesen Waldflächen gibt es im gesamten Landkreis Kulmbach etliche.

Deshalb ist man bei der WBV froh, Privatleute wie Marco Wolf an der Hand zu haben. "Das ist seit Jahren einer unserer verlässlichsten Selbstwerber", sagt WBV-Förster Jerrit Biewald über den Rugendorfer, in dessen Eigenheim eine Holzscheitheizung für Wärme und die Warmwasserzubereitung sorgt. 25 bis 30 Ster Brennholz benötigt der selbstständige Finanzexperte dafür jährlich, womit er schon zu den Großabnehmern der WBV gehört. Die üblichen Kachelofen-Mengen liegen zwischen fünf und zehn Ster. Bis Wolf die wohlige Heizungswärme genießen kann, muss er einige Male schwitzen, spart dafür aber viel Geld: Fünf Euro für den Ster Weichholz, zehn Euro für Hartholz - jeweils plus Steuer - das sind die Preise der WBV für Brennholz-Selbstwerber.

Ofenfertiges Brennholz gibt es auch im Baumarkt, wofür man aber oft über 100 Euro pro Ster hinblättern muss - ohne Lieferung. Natürlich sind diese Einsparmöglichkeiten einer der Hauptgründe, dass Theo Kaiser und seine beiden WBV-Kollegen Jerrit Biewald und Ingo Krause jährlich bis zu 100 Brennholz-Selbstwerbern ein Waldstück zuteilen, wo sie in einem festgelegten Zeitraum die von den WBV-Mitarbeitern angezeichneten Bäume fällen, entasten, aufsägen und abtransportieren müssen. Viele Brennholz-Selbstwerber schätzen aber auch die körperliche Betätigung in freier Natur. "Holzmachen ist eine Art Ganzkörper-Fitnesstraining und eine gute Alternative zum teueren Fitness-Studio", sagt Theo Kaiser mit einem Augenzwinkern. Er weist auch darauf hin, dass der Wald kein Abenteuer-Spielplatz ist. So müssen Selbstwerber einen Kettensägenführerschein vorlegen und sind angehalten, während der Waldarbeiten die entsprechende Schutzbekleidung zu tragen und Vorgaben zu beachten. Für diejenigen, die noch keinen Kettensägenführerschein besitzen, bietet die WBV entsprechende Wochenendekurse an.

Für Marco Wolf ist das alles kein Problem. Neben Motorsägen, Helm, Schnittschutz-Bekleidung verfügt er über einen geländegängigen Lada und ein Traktor-Gespann für den Transport. An diesem Nachmittag hat er einige der gekennzeichneten Bäume gefällt, entastet und in Meterstücke gesägt. Demnächst rückt er mit Freunden an, die ihm beim Abtransport helfen, wobei die Meterstücke handlich sind und nur einmal gespaltet werden müssen, bevor sie in 50-Zentimeter-Scheite gesägt werden. Dass es eine Win-win-Situation für beide Seiten ist bestätigen Marco Wolf und die beiden WBV-Mitarbeiter: Die Selbstwerber bekommen günstiges Brennholz, die Waldbesitzer Hilfe bei der Borkenkäfer-Bekämpfung. "Viele Wälder, die sich im Privatbesitz befinden, sind mittlerweile vererbt. Dabei ist es oft so, dass die neuen Eigentümer nicht mehr in der Region wohnen oder kaum noch Interesse an der Waldarbeit haben, wie es frühere Generationen hatten", sagt Theo Kaiser. Diese Entwicklung hat der WBV zwar viele Waldpflegeverträge beschert, aber auch Probleme bei der Bekämpfung der Borkenkäfer-Plage verursacht.

Autor

Jürgen Valentin
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Veröffentlicht am:
11. 02. 2019
17:12 Uhr

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11. 02. 2019
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