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Kulmbach

Hoffnung für Rheumapatienten

Ein internationales Forscherteam hat eine neue Therapiemöglichkeit entdeckt. Koordinator ist ein gebürtiger Kulmbacher, der jetzt an der Uni-Klinik in Erlangen tätig ist.



Teamarbeit: Dr. Andreas Ramming (rechts), Oberarzt und Arbeitsgruppenleiter sowie Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie am Universitätsklinikum Erlangen, freut sich, dass das Forschungsprojekt zur Rheumatherapie vollendet ist und für Aufsehen sorgt. Links Dr. Thomas Wohlfahrt, der erste wissenschaftliche Doktorand des Rheumatologen. Foto: privat
Teamarbeit: Dr. Andreas Ramming (rechts), Oberarzt und Arbeitsgruppenleiter sowie Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie am Universitätsklinikum Erlangen, freut sich, dass das Forschungsprojekt zur Rheumatherapie vollendet ist und für Aufsehen sorgt. Links Dr. Thomas Wohlfahrt, der erste wissenschaftliche Doktorand des Rheumatologen. Foto: privat  

Erlangen/Untersteinach - Mediziner entdecken Eiweißmolekül, das Bindegewebszellen umprogrammiert und weltweit für Aufsehen sorgt. Mit dem Erlanger Oberarzt Dr. Andreas Ramming (38) ist einem gebürtigen Kulmbacher und früheren Untersteinacher mit weiteren Kollegen des Universitätsklinikums Erlangen in der medizinischen Klinik für Rheumatologie und Immunologie ein medizinisch-wissenschaftlicher Quantensprung gelungen. Die Ablagerung von Bindegewebe ist ein Problem bei chronischen Erkrankungen vieler Organe wie der Lunge (Idiopathische Lungenfibrose), der Leber (Leberzirrhose), der Nieren (Nierenfibrose), des Darmes (Graft-versus-host-Krankheit) und der Haut (Systemische Sklerose). Bis zu 40 Prozent aller Todesfälle in Industrienationen werden durch die Ablagerung von Bindegewebe mit anschließender Gewebevernarbung verursacht.

Die Forschungsarbeit

Der eigentliche Durchbruch zu dieser Forschungsarbeit gelang nach Worten von Dr. Andreas Ramming bereits vor eineinhalb Jahren, aber es galt, noch einige "Löcher" zu stopfen, wie es der Erlanger Oberarzt formulierte. Die Finanzierung der Forschungsarbeit wurde von zahlreichen Stiftungen einschließlich der Else Kröner-Fresenius Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt."


Die Forschungsarbeit wurde am 30. Januar bereits im Internet publiziert. Dr. Andreas Ramming, der der Koordinator des Forschungsprojekts war: "Es war einfach eine tolle Arbeit. Wissenschaftler quer über den Globus von Australien, USA bis England haben dazu beigetragen." Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Fachmagazin "Nature" veröffentlicht. Dr. Ramming: "Wir haben einen riesigen Zuspruch, auch international, erfahren." Der Erlanger Oberarzt hat nach eigenen Worten nach dem Abitur am MGF lange überlegt, ob er den wissenschaftlichen Weg in der Medizin wählen soll, oder ob es Medizin mit der reinen Patientenbehandlung werden soll: "Es ist mir lange Zeit schwer gefallen, eine Entscheidung zu treffen. Letztlich habe ich mit der Möglichkeit, an der Universitätsklinik zu arbeiten, den richtigen Weg gefunden, um beides miteinander zu kombinieren." Das wissenschaftliche Rüstzeug hat er an der LMU in München und an der Universität in Zürich erfahren. Die vier Jahre, die Dr. Andreas Ramming mit Forschungsarbeiten in München und Zürich verbrachte, waren für den Mediziner aus eigener Sicht zwingend notwendig: "Es war wichtig, zu lernen, wie man so etwas aufbaut und wie man an wissenschaftliche Fragestellungen herangeht."

Die Ausbildung zum Facharzt lief in Teilen parallel dazu. Somit hatte Dr. Ramming neben der Forschungsarbeit auch immer wieder den Patienten vor sich: "Der Patientenkontakt war mir immer sehr wichtig. Ich bin kein reiner Forscher. Die Kombination aus Forschung und Patientenversorgung ist eine sehr interessante und spannende Aufgabe." Die Rheumatologie sei ein relativ junges Fach, in dem gerade in den zurückliegenden 20 Jahren sehr viel für die Patienten durch konsequente Forschung erreicht worden sei. "Bessere Medikamente wurden entwickelt, die zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der Patienten geführt haben. Besonders hier ist die Verzahnung von Wissenschaft und Patientenversorgung sehr wichtig."

Es ist nicht das erste Mal, dass Dr. Andreas Ramming mit Kollegen bei einer Forschungsarbeit in der Medizin bereits für Aufsehen sorgte. Bereits vor zwei Jahren konnte er einen neuen Mechanismus aufdecken, warum Gelenkentzündungen bei Rheumatikern chronisch werden. Und jetzt hat Dr. Ramming mit seinen Kollegen ein Eiweißmolekül erforscht, das die Bindegewebszellen umprogrammieren kann, denn effektive Behandlungsmöglichkeiten stehen bislang kaum zur Verfügung.

Das Wissenschaftlerteam aus aller Welt hat jetzt ein molekulares Netzwerk entschlüsselt, das diese Prozesse kontrolliert und dadurch eine neue Möglichkeit für die Therapie von Organvernarbung darstellen könnte. Die Ergebnisse zeigen, dass das Eiweiß PU.1 die krankhafte Ablagerung von Bindegewebe verursacht.

Wie Dr. Andreas Ramming erklärt, kommt es bei Bindegewebserkrankungen - sogenannten "Fibrosen" - durch eine überschießende Aktivierung von Bindegewebszellen zu einer Verhärtung des Gewebes und zu einer Narbenbildung innerhalb des betroffenen Organs: "Diese Krankheiten können prinzipiell jedes Organsystem befallen und sehr häufig zur Störung der Organfunktion führen. Bindegewebszellen spielen bei Gesunden eine Schlüsselrolle bei der normalen Wundheilung. Kann jedoch die Aktivierung von Bindegewebszellen nicht abgeschaltet werden, kommt es zu fibrotischen Erkrankungen, bei denen massenhaft Matrix im Gewebe abgelagert wird, was zu einer Vernarbung und Funktionsstörung der betroffenen Gewebe führt. Warum diese Reparaturprozesse bei fibrotischen Erkrankungen ausarten, war jedoch bisher unklar."

Das Wissenschaftlerteam um Dr. Andreas Ramming am Lehrstuhl für Innere Medizin III der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg konnte nun einen molekularen Mechanismus entschlüsseln, der für die andauernde Aktivierung von Bindegewebszellen verantwortlich ist. In experimentellen Studien nahmen die Forscher das Eiweißmolekül PU.1 ins Visier. Dr. Ramming erklärt: "In der normalen Wundheilung wird die Bildung von PU.1 vom Körper gehemmt, damit am Ende des normalen Heilungsprozesses die Bindegewebszellen wieder in einen Ruhezustand zurückkehren können. Wir konnten nachweisen, dass PU.1 bei verschiedenen Bindegewebserkrankungen in der Haut, Lunge, Leber und der Niere aktiviert wird. PU.1 bindet an die Erbsubstanz (DNA) in Bindegewebszellen und programmiert diese um, was zu einer anhaltenden Ablagerung von Gewebebestandteilen führt." PU.1 ist nicht der einzige Faktor, der an Fibrosen beteiligt ist, denn schon in der Vergangenheit wurden Faktoren identifiziert, die bei der Ablagerung von Narbengewebe beteiligt sind. Was neu entdeckt wurde, ist, dass PU.1 eine zentrale Rolle in einem Netzwerk aus Faktoren übernimmt, die diesen Prozess steuern. Der Erlanger Oberarzt stellt weiter fest: "PU.1 ist gleichsam der Dirigent in einem Orchester. Nimmt man ihn heraus, fällt das gesamte Konzert in sich zusammen". Dieser Ansatz ließ sich therapeutisch bereits mit einem experimentellen Pharmakon realisieren, was die Hoffnung nährt, dass bald klinische Studien zur Hemmung von PU.1, mit dem Ziel Fibrose besser zu behandeln, starten können.

In die Kulmbacher Heimat pflegt Dr. Andreas Ramming übrigens regelmäßigen Kontakt: "Es ist immer wieder schön, hier Familie, Freunde und Bekannte zu treffen."

Autor

Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
12. 02. 2019
17:44 Uhr

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Werner Reißaus

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12. 02. 2019
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