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Kulmbach

Hossein braucht dringend eine Lehrstelle

Damit der junge Iraner eine Zukunft in Deutschland haben kann, wird ein Arbeitgeber gesucht. Eine Übereinkunft zwischen Innenminister und Kirche kommt Stunden zu spät.



Der 21-jährige Hossein sucht einen Ausbildungsplatz. Nur so kann der 21-Jährige nach Deutschland zu seiner Mutter und Schwester zurückkehren.
Der 21-jährige Hossein sucht einen Ausbildungsplatz. Nur so kann der 21-Jährige nach Deutschland zu seiner Mutter und Schwester zurückkehren.  

Kulmbach - Nur etwa sieben Stunden liegen dazwischen: Am Mittwochnachmittag hat, wie berichtet, der junge Iraner Hossein bei der Zentralen Ausländerbehörde in Bayreuth unterschrieben, Deutschland freiwillig zu verlassen. Am Abend des selben Tages gab es eine Übereinkunft zwischen bayerischen Bischöfen und Innenminister Joachim Herrmann, keine zum Christentum konvertierten Iraner mehr abzuschieben, bis in dieser Sache eine grundsätzliche Lösung gefunden ist. Kann Hossein nun doch bleiben oder muss er den Weg gehen, der für ihn ausgehandelt wurde? Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner spricht von einer unglücklichen Überschneidung. Niemand wisse, ob die Übereinkunft nun für den in Kulmbach lebenden jungen Iraner noch greifen kann.

Unterstützerkreis

Am Sonntag, 24. Februar, 11.30 Uhr wird im Gemeindehaus der Kreuzkirche der Unterstützerkreis "Pro Farzan" gegründet. Jeder, der den jungen Iraner unterstützen möchte, ist dazu eingeladen. Auf dem Programm steht viel Information: Es wird über die aktuelle Situation von Hossein berichtet, auch der junge Mann selbst wird dazu sprechen. Es gibt aktuelle Infos zum Stand des Petitionsverfahrens und auch von dem Gespräch der Kirchenleitung mit dem bayerischen Innenminister. Auch ein Bericht über die aktuelle Gefährdungslage im Iran ist vorgesehen, bevor dann offiziell der Unterstützerkreis gegründet wird. Christen verschiedener Gemeinden werden die Veranstaltung musikalisch umrahmen. Den Abschluss bildet ein Gebet.


Die Bayreuther Regionalbischöfin war es, die unter anderem wegen Hossein, aber auch wegen anderen Iraner, die zum Christum konvertiert sind und im Fall einer Abschiebung in den Iran mit dem Tod rechnen müssen, das Gespräch mit Innenminister Joachim Herrmann gesucht hat. Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm war bei der Unterredung dabei. Dorothea Greiner berichtet von einem "höchst konstruktiven Gespräch". Der Innenminister sei sehr bereit gewesen, die Problemlage wahrzunehmen. Zu den genauen Inhalten des Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Einige Sätze, die allen direkt Betroffenen und ihren Unterstützern Hoffnung machen werden, sagte die Bischöfin dann aber doch: "Nach diesem überaus konstruktiven Gespräch sind wir zuversichtlich, dass wir beim zum Christentum konvertierten Iranern, die sich zu unseren Gemeinden bekennen, eine gute Klärung finden. Bis dahin werden keine vollendeten Tatsachen bei diesen Personengruppen geschaffen. Die Zusage des Ministers ist da."

Gerade im Kirchenkreis Bayreuth, aber auch in anderen Regionen Bayerns gebe es viele getaufte Iraner, die sich sehr treu an ihre Kirchengemeinden halten, betonte Dr. Greiner. "Diese Menschen bringen sich ein, kommen zu den Gottesdiensten und Bibelstunden oder singen auch im Kirchenchor. Diesen Menschen wird zum großen Teil in den Bescheiden des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ihr Glaube abgesprochen." Der Glaube und die Gefahr, die den iranischen Christen in ihrem Heimatland drohe, werden nach Dr. Greiners Verständnis vom BAMF nicht ausreichend gewürdigt. "Das ist ein großes Problem in ganz Deutschland."

Hossein hat wenige Stunden vor der Übereinkunft zwischen dem Innenminister und den Bischöfen aus Angst vor sofortiger Verhaftung und Abschiebung einen anderen Weg gewählt. Er wusste nicht, was wenig später vereinbart werden würde.

Der Rechtsanwalt des 21-jährigen Iraners, Philipp Pruy aus Regensburg, teilte am Donnerstag mit, dass Hossein und die Zentrale Ausländerbehörde in Bayreuth schriftlich vereinbart haben, dass der 21-Jährige Deutschland freiwillig verlässt, um ein Visumsverfahren zur Wiedereinreise nachzuholen und die Zentrale Ausländerbehörde im Gegenzug bei Erfüllung von Auflagen von aufenthaltsbeendenden Maßnahmen (Abschiebung) absieht.

Hossein werde nun unverzüglich einen neuen Reisepass vorlegen und zusammen mit seinem Rechtsanwalt einen Visumsantrag stellen sowie einen Termin zur Visumsbeantragung bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung beantragen. Die Zentrale Ausländerbehörde habe im Zuge dessen eine Vorabzustimmung zur Visumserteilung in Aussicht gestellt, sodass Hossein die Bundesrepublik für einen überschaubaren Zeitraum von nur etwa zwei Wochen verlassen muss, um anschließend legal im Wege der Arbeitsmigration wieder einzureisen. "Bis zu seinem Termin bei der zuständigen deutschen Botschaft zur Visumsbeantragung wird die Ausländerbehörde eine Ermessensduldung erteilen, sodass eine Ausreise tatsächlich erst kurz vor dem Visumstermin erfolgen muss. Bis dahin ist keine Inhaftierung und auch keine Abschiebung zu befürchten", informiert der Regensburger Anwalt.

Mit dieser Vereinbarung sei sowohl dem staatlichen Anspruch an einer rechtmäßigen Steuerung der Migration als auch dem Interesse von Hossein, eine Abschiebung zu vermeiden und eine rasche Rückkehr nach Deutschland zu gewährleisten, ausgewogen Genüge getan. Die Vereinbarung wurde nach Aussagen von Rechtsanwalt Pruy zwischen dem Sachgebietsleiter der Zentralen Ausländerbehörde Oberfranken, Matthias Kerling und ihm als Fachanwalt für Migrationsrecht ausgehandelt worden.

Wäre Hossein abgeschoben worden, hätte er 30 Monate warten müssen, um erstmals wieder eine Chance zu haben, nach Deutschland einzureisen, teilt der Pfarrer der Kulmbacher Kreuzkirche, Jürgen Singer, mit. Singer betreut Hossein seit Langem. In seiner Gemeinde sind sowohl der 21-jährige Iraner als auch seine Mutter und die 14-jährige Schwester aktive Mitglieder. Die Übereinkunft zwischen den Bischöfen und dem Innenminister war noch nicht bekannt, als Singer schrieb, die freiwillige Ausreise und die Hoffnung auf die rasche Erteilung eines Visums sei "die einzig realistische Exit-Strategie". Darüber hinaus bleibe immer noch eine "gewisse (geringe?) Hoffnung auf Annahme der Petition oder auf ein positives Ergebnis der geführten Gespräche mit den politisch Verantwortlichen".

Mit der getroffenen Vereinbarung bestehe die Möglichkeit, im Rahmen der Arbeitsmigration legal wieder einzureisen. Pfarrer Singer appelliert an alle Arbeitgeber in der Region: "Dazu braucht Hossein ein verbindliches Ausbildungsangebot ab September 2019, am liebsten im IT-Bereich oder als Mechatroniker." Wer dem jungen Iraner, der inzwischen sehr gut Deutsch spricht und der in seinem Heimatland ein Abitur gemacht hat und in Kulmbach die Berufsschule besucht, eine Lehrstelle anbieten kann, sollte sich bei Pfarrer Jürgen Singer in der Kulmbacher Kreuzkirche melden: 09221/76207

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
21. 02. 2019
17:20 Uhr

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