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Kulmbach

Im Alter nur eine Mini-Rente

Die Gewerkschaft NGG fürchtet, dass im Kreis Kulmbach einmal 29 Prozent aller Senioren in die Armut abrutschen.



Sich stützen können im Alter: Die NGG fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Andernfalls drohe Tausenden Altersarmut. Foto: NGG
Sich stützen können im Alter: Die NGG fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Andernfalls drohe Tausenden Altersarmut. Foto: NGG  

Kulmbach - Dem Landkreis Kulmbach droht Altersarmut in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 9000 Arbeitnehmer im Kreis Kulmbach würden - so, wie sie heute arbeiten - nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen, teilt die NGG mit. Die Mini-Renten drohen sogar denen, die nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gehen. Das sind 29 Prozent aller Beschäftigten im Kreis. Ein alarmierendes Zeichen aus Sicht der NGG.

Die Schwelle für "Alters-Hartz-IV" liegt im Kreis Kulmbach bei aktuell 697 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner im Landkreis Kulmbach künftig noch deutlich steigen - nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 14 000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, hat das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft ermittelt.

Michael Grundl, Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken, spricht von "alarmierenden Zahlen". Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. "Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel." Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. "Das reicht nicht aus", betont Grundl. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. "Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden", betont Grundl. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten im Kreis Kulmbach viele Beschäftigte im Alter aufstocken. "Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen - und zwar bezahlt nach Tarif", so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen "extrem mageren Rentenbescheid" einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Dritte im Kreis Kulmbach einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich - nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe, schreibt die Gewerkschaft. "Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen", macht Grundl deutlich. Sein Fazit: "Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können."

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
17:54 Uhr

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