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Kulmbach

Im Hochwasserstreit steht ein Vergleich kurz bevor

Nach vier Jahren kann ein Zivilprozess gegen die Gemeinde Neuenmarkt bald beendet werden. Die Gemeinde erhöhte ihr Angebot nochmals.



Hegnabrunn/Bayreuth - Die Zustimmung der Rechtsschutzversicherung steht zwar noch aus, aber das dürfte eine Formalie sein. Die Gemeinde Neuenmarkt ist der klaren Aufforderung der 4. Zivilkammer des Landgerichts Bayreuth im Streit über die Verantwortung für Hochwasserschäden im Anwesen der Familie Kastner in Hegnabrunn gefolgt und hat ihr Vergleichsangebot nochmals nachgebessert. "Wir haben ein Vergleichsangebot über 58 Prozent bekommen", bestätigt Hermann Kastners Rechtsanwalt Christian Ebert aus Kulmbach. "Unsere Mandanten werden es akzeptieren." Damit gilt es als nahezu sicher, dass der nun schon seit vier Jahren laufende Prozess in Kürze abgeschlossen sein wird.

Rund 78 000 Euro Schaden hatte Hermann Kastner nach dem verheerenden Hochwasser geltend gemacht und, als die Gemeinde jede Verantwortung für die Überflutung nach einem Regenguss im August 2014 zurückgewiesen hatte, schließlich ein Jahr später Klage eingereicht. Kastners Argumentation: Das mangelhafte Kanalsystem in Hegnabrunn und ein in unmittelbarer Nähe seines Hauses liegender Kanal habe die raumhohe Flutung seines Kellers verursacht.

Die Gemeinde hat über Jahre jede Verantwortung zurückgewiesen. Als Mitte Juli in einem weiteren Gerichtstermin ein vom Gericht bestelltes Gutachten erörtert wurde, kam Bewegung in den Fall. Erstmals hat die Gemeinde Neuenmarkt über ihren Rechtsanwalt, Karl-Friedrich Hacker aus Bayreuth, ein Vergleichsangebot abgegeben. 50 Prozent des Schadens war die Gemeinde bereit zu übernehmen. Doch das war dem Vorsitzenden Richter Günther Matt zu wenig. Matt sprach von einer Summe, die seiner Meinung nach zwischen 50 und 75 Prozent liegen sollte. Er sah ein klares Verschulden bei der Gemeinde und regte eine Nachbesserung an, damit die Klage einvernehmlich beendet werden kann. Die Frist hierfür hatte Richter Matt auf Montag festgelegt.

Mit 46 000 Euro, das sind 58 Prozent der eingeklagten Summe, ist die Familie nun einverstanden. Die Alternative wäre gewesen, weitere Gutachten abzuwarten. Damit wären nochmals Monate ins Land gegangen. "So kann mein Mandant jetzt seinen Keller wieder einrichten und muss nicht noch länger warten", erläuterte der Rechtsanwalt den Grund für die Zustimmung bei der nun von der Gemeinde angebotenen Summe.

Die Geschichte massiver Überflutungen nach starken Regengüssen reicht in Hegnabrunn weit zurück. Bereits 1996 war es zum ersten Hochwasser deswegen gekommen. Weitere folgten im Jahr 2007 und schließlich im August 2014. Damals waren Sturzbäche durch Hegnabrunn gerauscht und hatten zahlreiche Häuser unter Wasser gesetzt. Besonders schlimm hatte es Anwesen in der Waldenburger und in der Königsberger Straße getroffen: Dort war ein Kanal, über dessen schlechten Zustand sich Anlieger seit Langem beschweren, geplatzt. Meterhoch war das Wasser aus dem Krater geschossen und direkt in die Häuser gelaufen. Binnen Minuten standen die Untergeschosse mehrerer Anwesen zum Teil bis an die Decke unter Wasser. Auch eine Souterrain-Wohnung in der Nachbarschaft der Familie Kastner war dabei vollständig zerstört worden. Eine nahegelegene Hausarztpraxis war ebenfalls geflutet worden.

Bereits seit Jahren fordern die betroffenen Bürger ihre Gemeinde auf, das Kanalsystem nun endlich zu verbessern. Das Gutachten, das jetzt vor dem Bayreuther Landgericht den Ausschlag für die Wende im Verfahren gegeben hatte, gibt den Anliegern Recht. Nach Aussagen von Rechtsanwalt Ebert hat der Sachverständige nicht nur bestätigt, dass die geborstene Leitung an der Überflutung des Hauses der Familie Kastner einen entscheidenden Anteil hatte. Auch insgesamt sei das Kanalsystem in diesem Bereich unterdimensioniert, sagt Anwalt Ebert. Er kann nicht verstehen, dass auch fünf Jahre nach der letzten Überflutung noch keinerlei Arbeiten an den Kanälen in diesem Bereich erfolgt sind.

Wenig Verständnis haben sowohl der Kläger selbst als auch seine Nachbarn für die Haltung der Gemeinde gezeigt. Sie habe über Jahre nicht nur jede Verantwortung zurückgewiesen, sondern auch benötigte Unterlagen nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung herausgegeben. Ein dreiviertel Jahr habe es allein gedauert, bis der vom Gericht bestellte Gutachter alle erforderlichen Pläne von der Gemeinde erhalten hatte, sagte Christian Ebert. Vonseiten der Gemeinde Neuenmarkt war gestern niemand zu einer Stellungnahme bereit.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
12. 08. 2019
17:46 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
12. 08. 2019
17:46 Uhr



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