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Kulmbach

In "Stanich" sterben die Wirtshäuser

Zum 1. Oktober schließt die Gaststätte "Zum goldenen Hirschen" am Marktplatz. Und auch der Wirt der "Waldschänke" will sich bald aufs Altenteil zurückziehen.



Das Wirtshausschild mit dem namensgebenden "Goldenen Hirschen" stammt aus dem Jahr 1908. Die Gaststätte liegt am Marktplatz unweit der Stadtpfarrkirche St. Michael (dahinter). Fotos: privat
Das Wirtshausschild mit dem namensgebenden "Goldenen Hirschen" stammt aus dem Jahr 1908. Die Gaststätte liegt am Marktplatz unweit der Stadtpfarrkirche St. Michael (dahinter). Fotos: privat   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Campingplatz, Schwimmbad, Freizeitanlagen, die bezaubernde Umgebung des Frankenwalds und steigende Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr - die Stadt Stadtsteinach versteht sich als eine Fremdenverkehrsgemeinde. Zu solchen Ortschaften mit touristischem Selbstverständnis gehört auch eine leistungsfähige, gut strukturierte Gastronomie. Doch auf diesem Gebiet wird das Angebot immer spärlicher: In den zurückliegenden Jahren ist auch die ehemalige Kreisstadt nicht vom Wirtshaussterben verschont geblieben. Jetzt macht eine weitere, über zehn Generationen hinweg geführte Gaststätte dicht. Ab Oktober bleibt im "Goldenen Hirschen" der Zapfhahn trocken. Ein herber Rückschlag nicht nur für Gäste, sondern auch für Einheimische und viele Vereine, die die sogenannte "Schott's Mali" als Treff regelmäßig genutzt haben. Doch damit nicht genug: Auch die Zukunft des beliebten Ausflugslokals "Waldschänke" steht in den Sternen. Eigentümer Toni Stemp bietet das Anwesen Oberhammer 1 ab sofort zum Kauf an: Interessenten haben künftig freie Hand bei der Nutzung des 5500 Quadratmeter großen Areals. Eine gastronomische Verwendung ist nicht zwingend erforderlich.

Das Steinachtal in diesen Tagen: Die September-Sonne blinzelt durch das Laubdach, Radler ziehen gemächlich ihre Bahnen. Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner aus, einige Wanderer kommen den Weg von der Burgruine Nordeck herab und schießen Fotos von der Steinach, die im Talgrund ruhig dahinplätschert. Ein Idyll, das sehr beliebt ist. Den Parkplatz vor der "Waldschänke" füllen viele Autos. Die Nummernschilder verraten, dass deren Besitzer nicht nur aus der Umgebung kommen, sondern aus ganz Bayern und den angrenzenden Bundesländern. "Wir haben Gäste von überall", sagt Toni Stemp, der Wirt der "Waldschänke". Und weiter: "Unser Lokal ist gut besucht".

Toni, ein Gemütsmensch mit angenehmer, besonnener Art und bayerischem Slang, hat sich Gedanken gemacht. Über seine Zukunft und die seiner Partnerin Claudia Mai. "Ich werde nicht jünger. Es ist langsam Zeit, an die Rente zu denken", sagt der Wirt mit einem nachdenklichen Unterton. 61 Jahre ist er jetzt. Die Wirtschaft läuft hervorragend, und die Arbeit wird nicht weniger. Er wolle noch etwas von seinen Lebensabend haben, sagt der gebürtige Münchner. Lebensqualität eben, nicht arbeiten bis zum Umfallen.

Acht Jahre ist es her, dass er die "Waldschänke" erworben hat. Die war damals schon ein gut frequentiertes Lokal. Teichwirt Holger Jensen hatte das Anwesen erworben und umgebaut. Fischgerichte aller Art waren seine Spezialität, ohne Voranmeldung war oft kein Platz mehr zu bekommen. Doch dann zog es ihn in die Ferne: Er wanderte aus. Nach Paraguay. Er verkaufte das Anwesen, das unter dem neuen Eigentümer für Gäste weiter offenblieb. Damit setzte sich eine Tradition fort: Schon 1897 wurde im Oberhammer Bier ausgeschenkt, wie Chroniken belegen.

Ob dies auch in Zukunft so sein wird, ist völlig ungewiss. Denn Toni will das gesamte Anwesen veräußern und sich in der Umgebung eine neue Heimstatt suchen. Immobilienmakler Tobias Rieger - er hat schon den Waffenhammer und die Hammermühle an den Mann gebracht - ist mit der Vermarktung beauftragt. Wie lange es dauern wird, bis sich ein Käufer gefunden hat, weiß keiner. Bis dahin wird Toni das beliebte Ausflugslokal auf jeden Fall geöffnet halten: "Trotz der Verkaufsabsicht läuft der Betrieb uneingeschränkt weiter".

Toni Stemps Wunsch wäre es, dass das Lokal aufrechterhalten wird. Doch das ist nicht zwingend erforderlich. Das Grundstück mit seinem Haupt-Haus, einem Ferien-Haus, einer Scheune, einer Doppelgarage und diversen Nebengebäuden eignet sich auch für andere Arten der Nutzung. Will heißen: Die Zukunft des Oberhammers 1 ist völlig offen. Das gilt auch für das Team, das Toni und Claudia bei ihrer Arbeit unterstützt hat. Fünf geringfügig Beschäftigte verdienen sich in der "Waldschänke" ein Zubrot.

Auf diese Zahl von Mitarbeitern kommt die Gastwirtschaft "Goldener Hirsch" nicht. Sie führen Monika und Gerhard Will. Doch bei der Zukunft dieses Lokals gibt es keinen Raum für Interpretationen: Der "Goldene Hirsch" wird definitiv zum 1. Oktober geschlossen. Aus gesundheitlichen Gründen, wie das Ehepaar auf Nachfrage mitteilt. Und weil es keinen Betriebsnachfolger gibt. Sohn Thomas lebt und arbeitet in Nürnberg.

Die Schließung der Gaststätte ist eine Zäsur im gastronomischen Angebot der Stadt. Denn die "Schott's Mali", so das gängige Synonym für das Haus, bot zahlreichen Vereinen, Verbänden und Organisationen eine Heimstatt. Die Soldatenkameradschaft trifft sich regelmäßig dort, das CHW, der Frankenwaldverein, die CSU, die Briefmarken-Sammler und, und, und. Sie alle müssen sich nunmehr eine neue Bleibe suchen.

"Es geht einfach nicht mehr", beteuert Gerhard Will (73) und dessen drei Jahre jüngere Ehefrau Monika. In seinen Worten schwingt ein wehmütiger Unterton mit. Denn die "Schott's Mali" hat Geschichte geschrieben. 1798 wurde das Anwesen erwähnt, als es einem Brand zum Opfer fiel. Nach dem Wiederaufbau wurden dort schon bald Gäste verköstigt. Es hat auch berühmte Stadtsteinacher hervorgebracht. Leopold Schott, der von allen nur "Poldi" genannt wurde, war im vergangenen Jahrhundert ein bekannter Kammermusiker, der mit seiner Jugendkapelle die ganze Welt bereist hat.

Mit der Schließung des "Goldenen Hirschens" geht also auch ein Stück Stadtsteinacher Stadtgeschichte zu Ende. Unwiederbringlich.

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
17:50 Uhr

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06. 09. 2018
17:50 Uhr



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