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Kulmbach

Intrigen, Mord und Totschlag auf der Naturbühne

"Die Wanderhure" feiert am Freitag, 7. Juni, auf der Naturbühne Premiere. Geboten wird den Zuschauern ein mittelalterliches Treiben mit viel Feuer.



Intrigen, Mord und Totschlag auf der Naturbühne
Intrigen, Mord und Totschlag auf der Naturbühne   » zu den Bildern

Trebgast - Zwei erfolgreiche Premieren liegen hinter den Aktiven der Naturbühne. Jetzt braut sich in Trebgast etwas zusammen, das selbst eingefleischte und langjährige Naturbühnenfans in dieser Form bisher wohl selten auf dem Wehlitzer Berg erlebt haben: Am morgigen Freitag, 20.30 Uhr, wird den Premierengästen ein mittelalterliches Spektakel geboten, das es in dieser Ausprägung an diesem Ort noch nicht gegeben hat: Geschäftiges Treiben, viel Feuer auf der Bühne, Gaukler und Marktfrauen, Ritter und Söldner, Mönche, Nonnen, und Huren, dazu Vergewaltigung, Verbrennung, Mord und Totschlag.

Vom Roman zum Theater

Der Erfolgsroman von Iny Lorentz aus dem Jahr 2004 wurde 2010 mit großem Erfolg und gigantischen Einschaltquoten verfilmt, und 2014 bei den Festspielen in Bad Hersfeld uraufgeführt.


"Alles steht im krassen Gegensatz zu dem, was wir uns heute unter dieser angeblich so guten, alten Zeit vorstellen, was wir mit Mittelaltermärkten, Ritterturnieren und romantischen Rittermenüs verherrlichen und wieder aufleben lassen, weil es uns so fasziniert. Dabei war es eigentlich - vor allem für Frauen - eine grauenhafte Zeit", stellt der Vorsitzende der Naturbühne, Siegfried Küspert, nüchtern fest. Zwischendurch lenkt nicht nur authentische Musik mit Instrumenten, wie Dudelsack, Schlüsselfidel, Scheitholz und Zither, immer wieder etwas von dem teilweise brutalen Geschehen ab. Die Musikgruppe "Alleweyl" mit Jenny und Gerhard Escher sowie Anja Wichmann, spielt oft bei mittelalterlichen Festen, und schnuppert zum ersten Mal Theaterluft. Sie haben Respekt vor dem, was die Aktiven ehrenamtlich auf die Beine stellen. Sie haben sich von Beginn an wohl gefühl, alles sei wie in einer großen Familie.

Aber auch zwei lautstark blökende, frisch geschorene Schafe, die ab und zu mit ihren Hirten vorbeiziehen, haben das Zeug dazu, dem einen oder anderen arrivierten Schauspieler die Schau zu stehlen. Die Schafe, wurden bei ihrem "Spaziergang" spontan für diesen Job verpflichtet. Maja und Nelly, so heißen die beiden Sechsjährigen aus dem Nachbarort Schlömen. Sie sind bei einem ihrer regelmäßigen Ausflüge mit ihren "Leittieren" Johanna Jörg und Joel Grams auf dem Wehlitzer Berg gelandet. Bei der Besichtigung der Bühne hat ein Verantwortlicher sofort geschaltet: Die brauchen wir für unsere "Wanderhure".

Das zahlenmäßig mit Abstand größte Ensemble, das jemals auf dieser Bühne stand, besteht aus 40 Aktiven, die nicht weniger als 60 verschiedene Personen spielen. Ein Darsteller verkörpert beispielsweise drei Rollen und wird dabei einmal erstochen, einmal erschlagen und einmal verbrannt.

Mittendrin Sabrina Schmitt als Maria Schärer, Tochter eines wohlhabenden Konstanzer Tuchhändlers. Für sie wird es die größte Probe in ihren bisher sieben Jahren auf der Naturbühne. "Was sie in diesem Stück durchmachen muss, ist schon heftig. Manchmal dachte ich bei den Proben schon: ,Oh Gott, kann man das einem Nachwuchstalent eigentlich zumuten?’", sagt Regisseurin Anja Dechant-Sundby. "Wenn sie das besteht, braucht sie vor künftigen Rollen keine Angst mehr haben. Dicker kann es nicht mehr kommen." Die 23-jährige Sabrina Schmitt nahm die Herausforderung an: "Langsam kommt schon etwas Aufregung dazu", gesteht sie drei Tage vor der Premiere. "Es ist doch etwas anderes als ‚die kleine Hexe‘, die ich im Vorjahr gespielt habe. Aber alle sind richtig super und unterstützen mich. Es macht richtig Spaß." Maria Schärer wird durch gefälschte Beweise und gekaufte Zeugen geschändet, ausgepeitscht und verbannt. Als - unfreiwillige - Hure wird sie sich ihrer Macht bewusst, die sie mit ihrer Tätigkeit erlangen kann. Sich als Frau nach so viel Demütigung wieder hochzurappeln und sich an den Peinigern, die von der Obrigkeit gestützt werden, zu rächen - da gehört viel dazu. Bleibt die Frage, ob sie es am Ende der Geschichte schaffen wird, ihre Ehre wieder herzustellen und in die Gesellschaft zurückzukehren?

"Eine bessere Naturkulisse als diese Bühne gibt es für diese harte, mitreißende Geschichte in mittelalterlichem Ambiente eigentlich nicht", schwärmt Regisseurin Anja-Dechant-Sundby. Ihr ist es gelungen, 40 mehr oder weniger verschiedene Charaktere, alte Hasen und auch Neulinge, unter einen Hut zu bringen. Sicherlich keine leichte Aufgabe.

"Es ist nicht einfach, die Geschichte, die man in einem Roman sehr ausführlich erzählen kann, innerhalb von einzelnen Szenen atmosphärisch rüberzubringen. Da müssen wir uns schon auch ein Stück weit nach den Gegebenheiten orientieren, die uns die herrliche Felsenbühne vorgibt", sieht sie ihre Herausforderung bei der Inszenierung.

Autor

Dieter Hübner
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Veröffentlicht am:
05. 06. 2019
18:02 Uhr

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Dieter Hübner

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05. 06. 2019
18:02 Uhr



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