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Kulmbach

Kahlschlag löst Empörung aus

Der Arbeitskreis "Initiative Schiefe Ebene" ist entsetzt. Grund ist eine rigorose Abholzaktion am Lehr- und Informationspfad.



Roland Fraas sieht keinen Sinn darin, diesen Baum mit Radikalschnitt stehen zu lassen.
Roland Fraas sieht keinen Sinn darin, diesen Baum mit Radikalschnitt stehen zu lassen.   » zu den Bildern

Neuenmarkt/Himmelkron/Marktschorgast - Es soll einen Runden Tisch geben: Dies ist das Ergebnis einer Begehung des Lehr- und Informationspfades an der Schiefen Ebene, zu der der Arbeitskreis "Initiative Schiefe Ebene" (AKISE) CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner und Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günther Dippold eingeladen hatte. Beide trauten kaum ihren Augen, als sie den Kahlschlag entlang der Schiefen Ebene begutachteten.

Eisenbahnfreund Roland Fraas aus Neuenmarkt, der den Lehr- und Informationspfad vor Jahren mit großer Mühe und erheblichen Zeitaufwand gestaltet hat und wie kein anderer kennt, hatte von der teilweise rigorosen Abholzaktion in den Wintermonaten erfahren und Alarm geschlagen. Denn der Lehr- und Informationspfad ist teilweise nicht mehr begehbar und die Landschaft entlang der Eisenbahnstrecke gleicht mitunter einer Kraterlandschaft. Emmi Zeulner versprach, umgehend einen Runden Tisch mit allen Beteiligten einzuberufen, um hier künftig ähnliche Abholzaktionen zu vermeiden oder zumindest besser zu steuern.

Architekt Gernot Dietel, Sprecher des Arbeitskreises "AKISE", verwies vor Ort darauf, dass die ersten Freilegungsarbeiten beziehungsweise Baumfällungen zwischen Bauwerk V und Bauwerk X von der Deutschen Bahn übernommen wurden und in enger Zusammenarbeit mit der "AKISE" erfolgten. Dietel: "Besonderer Wert wurde auf den Erhalt von Baumgruppen oder Solitärbäumen gelegt. Leider liefen diese Arbeiten schon kurz nach Eröffnung des Lehrpfades aus dem Ruder. Es fanden Kahlschläge entlang der Bahnlinie im oberen Bereich zwischen Bauwerk XI und XIII statt, wie sie nicht vereinbart waren."

Was jetzt in den Wintermonaten entlang der Schiefen Ebene ablief, bezeichnete Dietel als "Tabula rasa" in Vollendung. "Gänzlich unsäglich gestalteten sich die Rodungen im Herbst 2018 und im Winter 2018/19 unterhalb des Bauwerks V und oberhalb des Bauwerks X. Hier wurde rücksichtslos abgeholzt und der Pfad unpassierbar hinterlassen."

Der ausgeschilderte Weg mit Informationstafeln zu den wichtigsten Bauwerken führt vom DDM bis zum Bahnhof Marktschorgast. Von dort kann die Bahn zur Rückfahrt genutzt werden. Eine besondere Attraktion stellen die neue Aussichtsplattform und eine nachempfundene Bahnwärterstation am Einschnitt bei Bahnkilometer 79,7 mit zwei optischen Telegraphen dar, die von den Benutzern des Lehr- und Informationspfades bedient werden können. Damit ist die Schiefe Ebene jetzt auch ohne "Dampfspektakel" für Eisenbahnfreunde und Wanderer interessant geworden. Architekt Gernot Dietel hat in mehreren Veröffentlichungen wie dem Lok-Magazin oder dem Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte für diesen Erlebnispfad geworben. Und ausgerechnet in diesem Streckenabschnitt haben die Holzfäller der Bahn regelrecht gewütet. Die aufwendige Aktion war für die Teilnehmer des Ortstermines, allen voran Abgeordneter Emmi Zeulner und Bezirksheimatpfleger Günther Dippold in keiner Weise nachvollziehbar.

Der Arbeitskreis hat sich zum Ziel gesetzt, das überregional bedeutende Bau- und Technikdenkmal "Schiefe Ebene" an der Bahnlinie Bamberg - Hof stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Sprecher Gernot Dietel: "Ziel ist, die Schiefe Ebene mit einem Lehr- und Informationspfad erlebbar zu machen, sie auch überregional zum Ziel zu machen und sie in das DDM einzubinden." Diese Überlegungen hatte auch der DDM-Zweckverband aufgenommen. Im Juni 2014 wurde der Lehrpfad eröffnet. Denkmalschutz und Naturschutz waren dabei auch einbezogen. Was aber jetzt in den zurückliegenden Monaten entlang der Schiefen Ebene geschah, hat nach Auffassung des Arbeitskreises mit Denkmalschutz, Naturschutz oder gar einem Landschaftspark nichts zu tun. Was für Emmi Zeulner besonders traurig ist: "Ehrenamtliche haben hier diesen Lehrpfad gepflegt und diese Arbeit wurde mit Füßen getreten."

Dietel erinnerte daran, dass die im Jahr 1848 eröffnete Schiefe Ebene die erste Gebirgsbahn Europas für durchgehenden Bahnbetrieb mit Dampflokomotiven darstellt. Die Bahnanlage mit ihren gemauerten Dämmen und Brückenbauwerken sei vollkommen in ihrem Ursprungszustand von 1847/48 erhalten. "Die herausragende Ingenieurleistung besticht durch ihre Einbindung in die umgebende Landschaft", sagte Dietel. "Die Bahnanlage Schiefe Ebene steht in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz." Und jetzt von einer "umgebenden Landschaft" zu sprechen, das klingt fast wie ein Hohn.

Kurzfristig sind dem Arbeitskreis die Klärung des Verhältnisses und der Aufgabenverteilung zur Erhaltung und Pflege des Lehrpfades zwischen der Bahn, dem DDM-Zweckverband und den Anliegergemeinden sehr wichtig. Dazu gehöre auch die Aufstellung eines Grünordnungsplanes unter enger Einbeziehung von Denkmalschutz und Naturschutz. Langfristig sei die Einbindung des Lehrpfades in den regionalen Tourismus wünschenswert, ebenso die Anbringung einer Hinweistafel auf das Technikdenkmal "Schiefe Ebene" an der A 9 und letztlich auch die Einrichtung eines eisenbahnhistorischen Betriebes zwischen den Bahnhöfen Neuenmarkt und Marktschorgast. Gernot Dietel sprach sich sogar dafür aus, das Technikdenkmal in die Weltkulturerbe-Liste aufzunehmen.

Autor

Werner Reißaus
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
16:50 Uhr

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15. 04. 2019
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