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Kulmbach

Kampf gegen das Wirtshaussterben

Der Freistaat legt ein millionenschweres Förderprogramm auf, um Gaststätten zu unterstützen. Schon Minuten nach dem Start wurde das Programm wieder gesperrt - wegen zu großen Andrangs.



Kampf gegen das Wirtshaussterben
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Bayreuth/Kulmbach - In Oberfranken gibt es immer weniger Wirtshäuser. Die Zahl der gastronomischen Betriebe mit bis zu neun Beschäftigten sank in den zehn Jahren bis 2017 um rund 16 Prozent auf noch knapp 2500. Ein Mittel gegen den Schwund soll das neue Gastronomiemodernisierungsprogramm des von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger geleiteten Wirtschaftsministeriums sein. Die Bayreuther CSU-Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer lobte es kürzlich vor Parteifreunden als Beispiel dafür, dass die Staatsregierung sich für den ländlichen Raum einsetze. Allerdings sei es nach seinem Start nach 45 Minuten schon wieder geschlossen gewesen, erzählte sie. Dann waren die Mittel vergriffen. "Da müssen wir nachsteuern."

Die Regierung von Oberfranken bestätigt Brendel-Fischers Darstellung. Die Anträge konnten zum Start am 17. Mai ab 10 Uhr nur online gestellt werden. Aus Oberfranken schafften es in den wenigen Minuten bis zur Schließung gerade mal 13 Anträge, teilte die Regierung von Oberfranken auf Anfrage mit. Dabei ging es um Investitionen in Höhe von gut einer Million Euro.

Mit dem Programm will das Wirtschaftsministerium nach eigenen Angaben erreichen, dass "die für den bayerischen Tourismus wesentliche bayerische Wirtshauskultur möglichst flächendeckend auch in Zukunft erhalten" bleibt. Es richtet sich an Gastronomen in Orten bis höchstens 100 000 Einwohner. Bezuschusst werden Modernisierungen, Sanierungen und Erweiterungen mit bis zu 40 Prozent (Nettojahresumsatz bis 500 000 Euro) beziehungsweise bis zu 30 Prozent (darüber) der förderfähigen Kosten, maximal jedoch mit 200 000 Euro auf drei Jahre. Mindestens 20 000 Euro müssen investiert werden. Ausgestattet ist das Programm mit 30 Millionen Euro für ganz Bayern im kürzlich verabschiedeten Doppelhaushalt.

Andreas Knauer vom Reiterhof in Bamberg wird nicht in den Genuss dieses Geldes kommen. Kurz nach zehn Uhr am 17. Mai sei er wegen des starken Andrangs im Anmeldeportal ausgeschlossen gewesen. Er werde sich nun anderweitig um Förderung bemühen, sollte ein Ausbau seines Betriebes in greifbare Nähe rücken, weil ihm der Aufwand für den Antrag und die Ungewissheit, ob er die Förderung bekommt, zu groß sind, schreibt er auf Anfrage. Dagegen schaffte es Konni Kellner vom Roten Ochsen in Forchheim. Er habe frühzeitig vom Hotel- und Gaststättenverband von dem Programm erfahren und sich rechtzeitig vorbereitet, da er eine kleine Modernisierung geplant habe. Um 10:03 Uhr sei er online gewesen - "da waren nur noch 14 Anträge frei."

"Der Ansturm zeigt, dass der Bedarf nach Investitionshilfe da ist", sagt Frank-Ulrich John, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), der Frankenpost . Die Branche wolle investieren. Das sei auch ein Wirtschaftsmotor für die regionale Wirtschaft, erklärt John. "Die 30 Millionen Euro aus dem Programm lösen Investitionen von 100 Millionen Euro aus, von denen vor allem das heimische Handwerk profitiert." John will das Wirtschaftsministerium nicht dafür tadeln, die Nachfrage unterschätzt zu haben, sondern lobt: "Das Programm schließt eine Förderlücke. Es macht gerade den Inhabern kleinerer Betriebe Mut."

Zudem kündigte das Wirtschaftsministerium bereits eine zweite Förderrunde an, wenn nach Prüfung der eingegangenen Anträge klar ist, wie viele Mittel bereits vergeben und wie viel im Fördertopf noch übrig ist. Vielleicht gebe es danach sogar eine dritte Runde, sagt John. Die Dehoga werde ihre Verbandsmitglieder rechtzeitig auf die nächsten Runden und die erforderlichen Daten hinweisen. "Das muss der kleine Wirt nicht selber machen. Alle haben Steuerberater."

Wünschen würde sich der Verband allerdings, dass das Wirtschaftsministerium das Programm verstetigt, also nach den zwei Jahren fortführt. Auch Gudrun Brendel-Fischer sagt: "Für das Programm werden wir mehr Haushaltsmittel brauchen." Wovon das abhängen wird, sagt sie aber auch: "vom künftigen Steueraufkommen". Ohnehin ist sie sich mit John einig, dass dieses Programm nur eines von vielen Mitteln sein kann, um Wirtshäuser zu retten. Die staatliche Seite mit Regulierungen, Steuern und dem Thema Fachkräftemangel sei das eine. Vor allem aber komme es immer noch auf die Wirte an.

Stephan Ertl, der Vorsitzende des Kulmbacher Hotel- und Gaststättenverbands, kennt nur einen Gastronomen aus dem Kulmbacher Landkreis, der einen Antrag stellen wollte. Ob er zum Zuge gekommen ist, weiß Ertl nicht, aber der Kollege habe ihm erzählt, das Programm sei für seine Pläne maßgeschneidert. Er habe darauf gewartet, einen Antrag stellen zu können.

Nicht für jeden aktiven Gastwirt sei das Programm geeignet. "Welche Gaststätte will investieren? Die meisten werden von Pächtern betrieben, da stellt sich für den Gastwirt selbst das Thema Investition nicht so. Ich weiß nicht viele im Landkreis Kulmbach, die das nutzen könnten."

Persönlich begrüßt Ertl dieses Sonderprogramm aber sehr. Er findet, es sollte ausgeweitet werden, um dem allgemeinen Wirtshaussterben vor allem auf den Dörfern entgegenzuwirken. "Nur so haben vor allem die kleineren Betriebe die Möglichkeit zu sanieren." Ein großer Vorteil sei die Tatsache, dass bei der Bank die Fördermittel wie Eigenmittel betrachtet werden. "So bietet sich vielen Gastronomen überhaupt die Gelegenheit, ein Darlehen für eine Renovierung zu bekommen." Förderprogramme wie dieses, macht Stephan Ertl deutlich, seien wichtig. Ein Fördersatz von 40 Prozent sei ganz besonders attraktiv. "Da wo es passt, ist das eine feine Sache."

Autor

Peter Rauscher, Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 06. 2019
17:58 Uhr

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Peter Rauscher, Melitta Burger

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12. 06. 2019
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