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Kulmbach

Kampf ums Wirtshauspersonal

In den Gaststätten werden die Mitarbeiter knapp. Gastronomiebetriebe im Landkreis Kulmbach lassen sich etwas einfallen, um Kräfte für Service und Küche zu finden.



Wer einen Job als Bedienung sucht, hat gute Chancen. In den Wirtschaften wird das Servicepersonal knapp. Foto: Axel Heimken/dpa
Wer einen Job als Bedienung sucht, hat gute Chancen. In den Wirtschaften wird das Servicepersonal knapp. Foto: Axel Heimken/dpa  

Kulmbach - "Schweren Herzens, aber nicht anders machbar, können wir leider aus personellen Gründen unsere Öffnungszeiten nicht mehr halten", teilt die Brauereigaststätte Grasser aus Huppendorf in der Fränkischen Schweiz mit. Montags und dienstags bleibt das Wirtshaus geschlossen. An drei Sonntagen im September gab es keinen Mittagstisch. Huppendorf ist in der Region kein Einzelfall. Personal zu finden, wird zunehmend schwieriger. Gaststätten im Landkreis Kulmbach gehen mit unterschiedlichen Strategien das Problem an.

Das Burger-Restaurant Nash in Kulmbach hat vor drei Jahren aus akutem Personalmangel sogar komplett schließen müssen. Das Lokal neben dem Kino-Center lief gut, aber auf Dauer konnten die Wirte die fehlenden Mitarbeiter einfach nicht kompensieren.

Im Servicebereich und in der Küche: Viele Gasthäuser im Landkreis suchen händeringend im Servicebereich und in der Küche nach geeigneten Arbeitskräften. Die Betriebe veröffentlichen Stellenanzeigen, sie nutzen Aushänge und das Internet, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Mund-Propaganda hat bei der Frankenfarm in Himmelkron den höchsten Stellenwert. "Wir sind ein junges Team. Unsere Mitarbeiter haben zusammen Spaß und es gefällt ihnen bei uns. Das spricht sich herum", sagt Gastronomie-Betriebsleiterin Sonja Stübinger. Im privaten Gespräch werden somit neue Bewerber auf die Stellenangebote im Gasthaus und in der Metzgerei aufmerksam.

Studenten und Schüler: In den Sommermonaten arbeiten während der Ferien viele Studenten und Schüler bei der Frankenfarm. "Wir haben das Glück, dass wir ausreichend Personal finden", sagt Sonja Stübinger. Dennoch sei das Himmelkroner Unternehmen stets auf der Suche. "Gute Leute können wir immer gebrauchen", sagt die Betriebsleiterin. Sie weiß, dass es andere Gasthäuser im Landkreis sehr viel schwerer haben. Wegen der Personalengpässe seien dort zusätzliche Ruhetage eingeführt oder die Öffnungszeiten reduziert worden.

Niedrige Arbeitslosigkeit: Als dramatisch bezeichnet der Hotel- und Gaststättenverband in vielen Regionen Deutschlands den Personalmangel in der Gastronomie. Ein Grund ist, dass offenbar die Arbeit am Abend sowie am Wochenende für viele Menschen als unattraktiv erscheint. Hinzu kommen die gute Beschäftigungslage und die niedrige Arbeitslosigkeit. Deshalb haben auch viele andere Branchen mit demselben Problem zu kämpfen.

Der Wirt der Kulmbacher Kommunbräu, Frank Stübinger, ist glücklich, dass er bislang davon verschont geblieben ist. Ein gutes Arbeitsklima sei für die meisten Menschen das Wichtigste an ihrem Beruf. Ein angemessenes Geld zu verdienen, ist aber mindestens genauso wichtig, betont Stübinger. "Wenn wir gute Mitarbeiter haben wollen, dann müssen wir sie gut bezahlen." Der Verdienst trage ohne Zweifel zur Motivation bei. Warum sollte sich ein Mitarbeiter ein schlechtes Betriebsklima und darüber hinaus eine schlechte Bezahlung freiwillig antun?

Karriere machen: Die Kommunbräu zahle mehr als den in der Region üblichen Durchschnittslohn. Und sie bietet die Möglichkeit, in der Gastronomie eine Ausbildung und Karriere zu machen. Frank Stübinger hat es schon mehrfach erlebt, dass Mitarbeiter als Aushilfen begonnen haben, sich dann für eine Lehre entschieden und eine Laufbahn in der Branche starteten.

Es gibt das Klischee, dass in der Küche der Umgangston rau ist und manchmal die Bratpfannen fliegen. Im Servicebereich herrsche angeblich die reinste Zickenkultur. Oft stimmt das nicht. Wer sich von dem schlechten Image nicht abhalten lässt und einen Job in der Gastronomie antritt, der merke schnell, dass die Arbeit richtig Spaß macht, sagt Frank Stübinger. Das spreche sich herum und deshalb melden sich regelmäßig Bewerber bei ihm.

In der Gastronomie sei es normal, dass es beim Personal eine Fluktuation gibt, erklärt der Kommunbräu-Wirt. Die Wechselbereitschaft ist vergleichsweise hoch. Umso schöner sei es, dass Mitarbeiter dem Kulmbacher Wirtshaus lange die Treue halten. Eine Angestellte ist mittlerweile schon 19 Jahre lang dort beschäftigt.

Die Kommunbräu habe eine Grundphilosophie, die von allen Mitarbeitern umgesetzt wird. "Es gibt Verhaltensregeln den Gästen gegenüber", sagt Frank Stübinger. "Das ist harte Arbeit." Schnell, freundlich und fleißig müssen die Angestellten sein, fordert der Chef. Aber er ist überzeugt: Wer einen Job in der Gastronomie meistert, der sammelt Erfahrungen, die ihm an vielen Stellen im weiteren Leben eine große Hilfe sein werden.

Bereitschaft lässt nach: Gerald Hofmann, Seniorchef in der Zunftstube in Kulmbach, bringt sich ebenfalls mit vollem Engagement ein. "Ich mache meinen Beruf seit 45 Jahren und ich mache ihn immer noch gern", sagt er. Heutzutage habe die Bereitschaft nachgelassen, im Wirtshaus zu arbeiten. Entsprechend weniger junge Menschen entscheiden sich dafür, zu Köchen oder Restaurantfachleuten ausgebildet zu werden. Das Thema beschäftige die Gastronomiebetrieb schon viele Jahre lang. Es sei schade, dass die Dienstleistung und damit die direkte Arbeit mit den Menschen weniger geschätzt wird, sagt Gerald Hofmann.

Wenn die Zunftstube Personal braucht, dann sucht sie im engeren persönlichen Umfeld. Bislang hat es immer geklappt.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
18:00 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
18:00 Uhr



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