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Kulmbach

"Katharina ist das doppelte Aschenputtel"

Die Autorin Ellen Alpsten hat mit ihrem neuen Buch "Die Zarin" einen Welterfolg gelandet. Aufgewachsen ist sie in Kulmbach. Am 21. Oktober ist sie in der Dr.-Stammberger-Halle zu Gast.



Interview: mit Ellen Alpsten
Interview: mit Ellen Alpsten  

Erzählen Sie doch ein bisschen über Ihre besondere persönliche Verbindung zu Kulmbach. Was macht die Lesung mit Ihnen für die Kulmbacher so besonders?

Die Lesung

Die Buchhandlung Friedrich veranstaltet am 21. Oktober um 19.30 Uhr eine Lesung und Buchpräsentation mit Ellen Alpsten in der Dr.-Stammberger-Halle. Eintrittskarten im Vorverkauf gibt es für elf Euro in der Buchhandlung Friedrich am Holzmarkt.


Zur Person

Ellen Alpsten wurde 1971 in Kenia geboren. Sie arbeitete in der Entwicklungshilfe an der Deutschen Botschaft Nairobi und als Moderatorin bei Bloomberg TV. Heute ist sie freie Schriftstellerin und Journalistin - unter anderem für die FAZ, Vogue und Spiegel Online.


Ich bin in zehnter Generation Kulmbacherin und liebe die Stadt, den Marktplatz, den Lauterbach, die Eisdiele im Sommer wie auch das Freibad, im Winter dann die verschneite Plassenburg und die Eislaufbahn. Und natürlich die Bratwürste. Als wir aus Afrika zurückkamen - mein Vater war Tierarzt in Kenia - zogen wir nach Deutschland und ich wurde so freundlich in Kulmbach willkommen geheißen. Dann später lebten wir auf dem Dorf in Mittelfranken und jeder Besuch in Kulmbach war die "Große Welt". Mir fehlt der Stemmler und die Norma, aber die Stadt ist im steten Wandel begriffen und hat eine ganz neue Zukunft vor sich, spüre ich. Auch für meine Söhne ist ein Sommer ohne Kulmbach kein Sommer. Hier ist die Welt noch in Ordnung, und alles sieht aus wie im Bilderbuch.

Was hat Sie an dem Stoff für "Die Zarin" so fasziniert?

Ich habe Katharina I. von Russland "entdeckt", als ich im Alter von 13 Jahren das Buch "Deutsche und Russen" las, das die 1000-jährige Geschichte dieser beiden Völker behandelte. Keine zwei Länder teilen so viel Grausamkeit und politische Tragödie, und haben doch so viel unglaublich Schönes und tief Berührendes geschaffen - faszinierende Gegensätze und auch erstaunliche Gemeinsamkeiten. Ein Kapitel in dem Buch war "meiner" Katharina gewidmet; ihre doppelte Aschenputtel-Geschichte - von der Leibeigenen zur Zarin und von der rückständigen Nation zur Supermacht - hat mich sofort fasziniert. Als ich mehr über sie erfahren wollte, war das nicht möglich: Es gab kein einziges Buch über sie, weder eine Biografie noch einen Roman oder eine Dissertation. Sie ist mein Tut-Anch-Amun: immer da gewesen, doch die Zaren vor und nach ihr haben so viel Aufmerksamkeit erfordert, dass sie in Vergessenheit geriet: Die erste regierende Kaiserin des größten und reichsten Landes der Welt! Ich glaube, mir war es bestimmt sie zu finden, und mir war es bestimmt "Die Zarin" zu schreiben. Alle Künstler haben ein zentrales Thema oder Werk in ihrem Schaffen und für mich wird das immer sie sein, auch wenn ich nun andere, faszinierende Frauen-Gestalten der frühen Romanow-Dynastie behandele. Die Fortsetzung zu "Die Zarin" ist bereits geschrieben!

Katharina die Große war schon mal Thema eines sehr erfolgreichen Buches. Worin unterscheidet sich das neue Buch von der "Zarin"?

Das ist gerade der Trick: Meine Katharina ist nicht "Die Große", die ja als deutsche Prinzessin nach Russland kam und über die es zig Bücher und Fernsehserien gibt. Es ist der erste und einzige Roman über Katharina I. von Russland und gleichzeitig ein episches Porträt ihrer Zeit. "Ganz großes literarisches und historisches Theater", schrieb La Stampa in Italien. Ja, "Die Zarin" war im Jahr 2003 schon einmal erschienen, es wurde unlektoriert auf den Markt geworfen und war dennoch schon damals ein großer Erfolg - 250 000 verkaufte Bücher damals! Die "neue" Ausgabe wurde grundlegend überarbeitet und auch gekürzt - insgesamt mussten 300 Seiten gehen seit meiner ersten Fassung! - was es packender macht, ohne all die schönen Details über den oft schockierenden, sinnlichen Alltag des russischen Barocks zu verlieren.

Wo und wie recherchieren Sie?

Die Recherchen zur Zarin waren allumfassend und reichten von Gogol, Dostojewski, Tolstoy und Pushkin über russische Märchen, Dogma-Filme über das Leben im Winterpalast bis hin zu den Reisetagebüchern eines deutschen Kaufmanns aus dem 17. Jahrhundert wie auch auf YouTube Nurejew und Baryshnikov tanzen zu sehen. Ich habe ein Jahr lang gelesen, ehe ich anfing zu schreiben; mindestens fünf Bücher lagen immer offen neben dem PC, voller Markierungen und Post-its. Es ging mir darum, der russischen Seele unter die Haut zu gehen und das Land in seiner Schönheit und seinen Widersprüchen zu erfassen. Eine Stärke der Zarin ist, dass meine Heldin selbst Ausländerin ist: Dadurch kann sie Russland selbst anders beobachten und beurteilen. Nun, da ich an weiteren Romanen arbeite, ist es etwas einfacher geworden, da ich das Grundwissen habe. Gleichzeitig liebe ich es, in Antiquariaten alte/vergriffene Biografien zum Zarentum zu finden. Meine Schreib-Routine war, gelinde gesagt, streng: Ich arbeitete damals als Moderatorin im Frühstücks-Fernsehen und stand um 2 Uhr morgens auf. Mittags kam ich heim, schlief ein paar Stunden, ging im Park laufen, um wieder aufzuwachen und schrieb dann bis 21 Uhr.

Wo und wie schreiben Sie? Immerhin gibt es noch Mann und Kinder…

Ja, das ist ein ganz schöner Spagat, das weiß jede berufstätige Frau. Früher hatte ich Au-pairs, und Oma und Opa haben immer geholfen; heutzutage ist Schule bis 15.30 Uhr, insofern habe ich doch einige durchgehende Stunden jeden Tag. Aber ich sitze um 9.30 Uhr am Schreibtisch und die Muse muss dann auf der Matte stehen. Man lernt auch, nicht so hart mit sich zu sein - niemand muss allumfassend "tüchtig" sein, egal ob der Wäschekorb mal überquillt! Außerdem ist mein Mann Schwede und hat immer sehr viel geholfen; er ist auch stolz auf mich und meine Arbeit. Aber ich bin in Gedanken doch auch abends noch viel beim Schreiben und meiner Geschichte - gut, dass Kochen und Spielen mir die besten Ideen geben! Nun schreiben meine Kinder selbst - der Zehnjährige macht gerade "Gregs Tagebuch" Konkurrenz.

Wie gehen Sie mit dem Erfolg des neuen Buches um?

Manchmal muss ich mich kneifen - mein Debut von vor 20 Jahren tritt seinen Siegeszug um die Welt an. Es ist ein Traum und ich bin überglücklich! Natürlich war es hart, im Lockdown und inmitten einer Pandemie ein Buch zu lancieren; der Vorteil war, dass alle Zeitungen sehr viel Platz für mich hatten. Die Times hat das Buch gleich drei Male rezensiert!

Warum haben Sie diesmal auf Englisch geschrieben?

Ich habe die 20 Jahre, die ich in London lebe, immer auf Deutsch gearbeitet: Erst beim Fernsehen, und dann als Autorin und Journalistin für FAZ und Vogue. Ich habe über 20 Bücher bei deutschen Verlagen veröffentlicht - und stand plötzlich vor dem Aus, da ich so viele verschiedene Sachen gemacht hatte. Ich hatte es versäumt, meinen Namen zur "Marke" zu machen. So habe ich mich neu erfunden, mit dem Stoff, der mir am meisten am Herzen lag, und dem Buch, das noch immer ein unentdecktes Juwel war, wie meine polnische Agentin es ausdrückte. Deutsche Bücher werden nur sehr selten ins Englische übersetzt und der Markt ist einfach riesig. So habe ich es gewagt und "Die Zarin" im Englischen neu geschrieben. red

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Veröffentlicht am:
13. 10. 2020
17:42 Uhr

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13. 10. 2020
17:42 Uhr



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