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Kulmbach

Kaum Proteste wegen Kündigungen

Die meisten Kunden, deren Prämiensparverträge jetzt von der Sparkasse gekündigt wurden, zeigen Verständnis, sagt Vorstand Harry Weiß. Nur wenige hätten sich beschwert.



Wer sparen will, konnte bisher mit Prämiensparverträgen der Sparkassen trotz niedriger Zinsen noch gute Erträge erzielen. Doch für die Geldinstitute haben sich diese Verträge wegen der Zinssituation zum Verlustgeschäft entwickelt. Die Sparkasse Kulmbach-Kronach hat nun, wie vor ihr schon andere Sparkassen, die Altverträge gekündigt, die bereits die höchste Prämienstufe erreicht hatten. Foto: Christin Klose/dpa
Wer sparen will, konnte bisher mit Prämiensparverträgen der Sparkassen trotz niedriger Zinsen noch gute Erträge erzielen. Doch für die Geldinstitute haben sich diese Verträge wegen der Zinssituation zum Verlustgeschäft entwickelt. Die Sparkasse Kulmbach-Kronach hat nun, wie vor ihr schon andere Sparkassen, die Altverträge gekündigt, die bereits die höchste Prämienstufe erreicht hatten. Foto: Christin Klose/dpa  

Kulmbach - Begeistert ist die Kulmbacherin nicht. Sie hat einen von 4400 Prämiensparverträgen bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach, der jetzt  (wie bereits berichtet)  von der Sparkasse zum Jahresende gekündigt worden ist. Die Frau ist aber auch nicht überrascht. Sie habe sich schon gedacht, dass das nicht ewig so weitergehen wird, sagt sie. Sie wisse ja, dass es für Sparguthaben schon lange keine Zinsen mehr gibt. Schade sei es trotzdem, denn ihr Prämiensparvertrag habe eine gute Rendite erzielt, viel mehr als das derzeit auf dem Geldmarkt üblich ist. Schade findet es auch Harry Weiß, einer der Vorstände der Sparkasse Kulmbach-Kronach, wenn sein Geldinstitut nun ausgerechnet seinen treuesten Sparern die Verträge kündigen muss. "Diese Kündigung fällt uns sehr schwer. Ich selbst bin jetzt seit 40 Jahren bei der Sparkasse und bin mit dem Thema Sparverträge groß geworden. Wir bedauern das außerordentlich, aber wirtschaftlich gesehen kann man das einfach nicht mehr machen."

Verbraucherzentrale rät im Falle einer Kündigung zu genauer Prüfung

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 14. Mai entschieden, dass Sparkassen langfristige Verträge unter Umständen kündigen dürfen, wenn die versprochenen Prämien gezahlt worden sind (Aktenzeichen XI ZR 345/18). In dem Fall hatten Sparer gegen die Kündigungen ihrer "S-Prämiensparen flexibel"-Sparverträge der Kreissparkasse Stendal in Sachsen-Anhalt geklagt. Vertraglich vereinbart waren steigende Prämien nur bis zum Ablauf des 15. Sparjahrs - die sollten schrittweise bis auf 50 Prozent auf die geleisteten Sparbeiträge ansteigen. Eine feste Laufzeit oder eine Mindestlaufzeit war aber in den Verträgen nicht vereinbart, wie das bei Tausenden Prämiensparverträgen anderer Sparkassen der Fall ist. Die Verbraucherzentrale erläutert den Sachverhalt: Nach Meinung des BGH können betroffene Kunden sich nicht gegen eine Kündigung wehren, wenn die Prämien aus der vereinbarten Prämienstaffel erreicht worden sind und in den Verträgen sonst nichts anderes vereinbart wurde. Im verhandelten Fall war eine Prämienstaffel vereinbart, die nach 15 Jahren endet und nach dem 15. Jahr die höchste Prämie in Aussicht stellte. Diese Prämie müsse dann auch gezahlt werden, bevor die Sparkasse kündigen darf. Das müsse aber nicht automatisch heißen, dass eine Kündigung der Sparkasse in jedem Fall rechtens ist, meint die Verbraucherzentrale: "Falls in Ihrem Vertrag - anders als in den vom BGH verhandelten Fällen - eine Laufzeit vereinbart ist, darf die Sparkasse also grundsätzlich nicht vor Ablauf der Laufzeit kündigen. Einige Sparkassen haben außerdem Verträge mit vereinbarten, längeren Prämienstaffeln, zum Beispiel über 25 Jahre, verkauft. In dem Fall darf die Sparkasse natürlich auch nicht vor Ablauf von 25 Jahren kündigen. Ist in Ihrem Vertrag etwa fixiert, dass die Prämie vom 15. Laufzeitjahr bis zum 25. Laufzeitjahr 50 Prozent beträgt, dann erreicht die Prämie erstmals mit dem Ablauf des 15. Laufzeitjahres ihren Höchstwert und soll vertragsgemäß für zumindest weitere 10 Jahre gezahlt werden. Unser Standpunkt ist, dass ein solcher Vertrag nicht einfach nach 15 Jahren gekündigt werden darf - Sie haben ein Recht auf die weiteren 10 Jahre mit der hohen Prämie.

 

Die Briefe mit den Kündigungen sind am Montag verschickt worden. 80 Prozent aller betroffenen Kunden seien auch noch am Montag von ihren Beratern persönlich angerufen worden, berichtet Harry Weiß. Ziel sei es, mit jedem der Kunden persönlich zu sprechen und zu erklären, warum sich die Sparkasse zu diesem Schritt entschließen musste. Zehn Beschwerden habe es bislang gegeben. Verschwindend wenig angesichts der 4400 gekündigten Verträge. Ansonsten, sagt Harry Weiß, seien die Reaktionen sehr moderat ausgefallen. "In der Regel ist das auf sehr viel Verständnis gestoßen. Der Großteil der Menschen versteht, warum wir keine Alternative hatten."

 

Gekündigt habe die Sparkasse analog des BGH-Urteils (siehe Infokasten) nur die Prämiensparverträge, die die höchste Prämienstufe erreicht haben. Laufende Verträge, die diese Stufe noch nicht erreicht haben, würden erfüllt. Die Kündigungen umfassen nach Angaben von Harry Weiß etwa ein Drittel des Gesamtbestandes und haben ein Volumen von rund 113 Millionen Euro. Das Produkt des "Prämiensparens flexibel" insgesamt werde von der Sparkasse Kulmbach-Kronach aufgrund der Situation an den Kapitalmärkten eingestellt. Etwa 8000 weitere Sparverträge bei der Sparkasse haben ihre maximale Stufe noch nicht erreicht und laufen weiter.

Was Harry Weiß nun besonders bedauert ist seinen Worten nach die Tatsache, dass ausgerechnet die treuesten Sparer nun von der Kündigung betroffen seien. "Das belastet uns immens. Das trifft nun gerade die Kunden, die uns groß gemacht haben. Das treibt mich richtig um." Seit Anfang der 1990er Jahre gebe es diese Sparform bereits. Viele der jetzt gekündigten Verträge haben die höchste Stufe längst erreicht, die maximale Prämie sei oft schon mehrfach ausgereicht worden. Wegen der attraktiven Verzinsung seien Verträge in der Vergangenheit sogar vererbt und dann von den Erben fortgeführt worden.

Erst vor wenigen Tagen seien die Zinsen nochmals gesenkt worden. Dabei habe es unter Finanzexperten auf breiter Ebene die Meinung gegeben, der Zins könne im zweiten Halbjahr 2019 wieder leicht steigen. Inzwischen müsse man davon ausgehen, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben. Kreditgeschäfte werden immer günstiger. "Teilweise liegen die Kreditzinsen schon bei einem Prozent oder sogar noch darunter." Harry Weiß legt einen Artikel aus einer Finanzzeitschrift vor. Dort wird berichtet, dass Staatsanleihen längst im Minusbereich rangieren. Der Autor stellt die Frage: Wenn werden Bauzinsen negativ?" Das mache auf der anderen Seite einen Zins auf Sparguthaben unmöglich. Es fehle den Banken einfach an Refinanzierungsmöglichkeiten. Die Fortführung des Prämiensparens sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.

Harry Weiß ist sich der Tatsache bewusst, dass das Sparen, das bis vor wenigen Jahren noch massiv beworben wurde, keine Zukunft hat. "Zinsen gibt es praktisch nicht mehr." Mit Fonds und Aktion gebe es Alternativen, die Rendite bringen. "Aber wir wissen auch, das wollen oft vor allem die älteren unserer Kunden nicht." Geld in Wertpapieren anzulegen sei im Ausland seit Langem schon ein ganz normaler Vorgang. Die Deutschen hielten hingegen ihr Sparbuch hoch. Doch auch wenn er das bedauere, müsse er den Schluss ziehen: "Das traditionelle Sparbuch gibt es nicht mehr."

Die Kunden, die eine Kündigung erhalten haben, müssen ihr Geld weder abheben noch sind sie gezwungen, es anderweitig anzulegen. Wenn sie wollen, können sie ihr Sparbuch behalten", informiert Harry Weiß. Aber die gewohnten Prämien werden nicht mehr ausgereicht.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
18:04 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
26. 09. 2019
18:04 Uhr



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