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Kulmbach

Kein Bock

Die Jagdsaison auf Rehböcke und Schmalrehe ist eröffnet. Mit dem Jäger auf der Jagdkanzel erleben wir aber nur friedliche Feldhasen und das Klingen der Enten.



Auf der Jagdkanzel im Revier Brand bei Schlömen: Adolf Reinel ist das Glück an diesem Tag nicht hold. Fotos: Schettner
Auf der Jagdkanzel im Revier Brand bei Schlömen: Adolf Reinel ist das Glück an diesem Tag nicht hold. Fotos: Schettner   » zu den Bildern

Himmelkron - Kurz vor 5 Uhr morgens ist es noch dunkel. In der Nacht hat es geregnet, die Tritte der Leiter, die auf den Hochsitz im Brand, Gemarkung Schlömen, hinaufführen, sind feucht. "Vorsicht", warnt Jäger und Revierinhaber Adolf Reinel. "Nicht ausrutschen." Ich begleite ihn auf dem Ansitz in sein Revier. Am 1. Mai. Ein magischer Tag für alle Jäger, denn ab diesem Tag ist die Jagd auf Rehböcke und Schmalreh (das sind junge weibliche Tiere) wieder offen. Viele Jäger fiebern dem Tag entgegen. In den Wochen vorher wird das Wild beobachtet, Hochsitze werden erneuert oder sogar neu aufgestellt, Waffen geputzt. Die Spannung steigt. Manche verbringen sogar die Nacht im Wald. Im Zelt oder im Freien. Reinel schmunzelt. Auch er hat in seiner Whatsapp-Gruppe viele Nachrichten bekommen. Weidmannsheil! heißt es da, und: Der Bock lacht. Reinel selbst hat am 1. Mai noch nie einen Bock geschossen. Und darum ist er auch nicht böse. "Die meisten Tiere sind dann noch mitten im Fellwechsel. Schießt man sie, ist das Fleisch beim Zerlegen im Nu voll mit Haaren. Das muss man dann waschen." Eine Arbeit, die man sich sparen kann.

Noch immer ist es dunkel. Reinel packt die Wärmebildkamera aus. "Ein Gerät, das ich nicht mehr missen möchte", sagt er. Und tatsächlich: Beim Blick durch das Objektiv zeigt sich als heller Fleck ein Fuchs, der über den Acker auf den Wald zu schnürt. Auch andere technische Helferlein weiß Reinel zu schätzen. Das Nachtsichtgerät (Restlichtverstärker) etwa, das auf die Waffe aufgesetzt wird und zumindest für die Schwarzwildjagd auch erlaubt ist. Es hat Reinel bei der Jagd auf Wildschweine vor einem fatalen Fehler bewahrt. Als er sein Ziel, einen Keiler, noch einmal genau ins Visier nahm, blitzte plötzlich etwas neben dem Wildschwein auf und Reinel erkannte, dass zwei nächtliche Spaziergänger auf dem Weg dahinter mit einer Taschenlampe unterwegs waren. Auch Erlebnisse wie dieses sind ein Grund, warum Reinel eines seiner zwei Reviere abgeben möchte. "Es ist einfach auch viel Risiko mit der Jagd verbunden." Und in Corona-Zeiten kommt hinzu, dass immer mehr Wanderer, Jogger, Radfahrer und Reiter in Wald und Flur unterwegs sind.

Langsam dämmert es und der erste Schuss fällt. Weit entfernt, bald danach ein zweiter. Zwei Enten fliegen tief über den Hochsitz hinweg. "Man sagt, es klingelt", erklärt Reinel die Jägersprache. Und auf der Wiese, fast unterhalb der Kanzel, haben es sich inzwischen zwei Feldhasen gemütlich gemacht zwischen den frischen Wildkräutern und mümmeln. Kein einziges Reh kommt auf die Freifläche. Nur zwei, drei Krähen streiten sich ab und zu auf dem Acker.

So langsam dringen Alltagsgeräusche bis zur Kanzel. Das Muhen der Kühe vom nahe gelegenen Bauernhof, das Rauschen des ersten Zuges. Reinel packt langsam die Waffe wieder ein. Jagen heißt, Geduld haben.

Autor

Gabi Schnetter
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Veröffentlicht am:
05. 05. 2020
17:10 Uhr

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Gabi Schnetter

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05. 05. 2020
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