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Kulmbach

Kinder blieben an Haltestelle zurück

Weil nicht mehr Fahrgäste in den Bus passten, ließ der Fahrer in Marktschorgast sieben Kinder stehen und holte sie später bei einer zweiten Fahrt ab. Das hat für Ärger gesorgt.



Bei der Fahrt zur Schule wird es im Schulbus oftmals eng. In Marktschorgast mussten vergangene Woche mehrere Kinder warten, bis sie auf einer zweiten Tour abgeholt wurden. In den Schulbus passten sie nicht mehr rein. Das hat Eltern veranlasst, sich zu beschweren. Jetzt fährt ein zweiter Bus. Foto: Jan Potente/ADAC
Bei der Fahrt zur Schule wird es im Schulbus oftmals eng. In Marktschorgast mussten vergangene Woche mehrere Kinder warten, bis sie auf einer zweiten Tour abgeholt wurden. In den Schulbus passten sie nicht mehr rein. Das hat Eltern veranlasst, sich zu beschweren. Jetzt fährt ein zweiter Bus. Foto: Jan Potente/ADAC  

Kulmbach - Pannen im Zusammenhang mit dem Schulbus, der die Schüler aus Marktschorgast zur Realschule in Gefrees bringt, werden derzeit in einer Facebookgruppe und in der Elternschaft heiß diskutiert und beschäftigen Busunternehmen, das Landratsamt sowie die Gemeindeverwaltung. Ausgerechnet gleich zum Beginn des Schuljahres mussten sieben Kinder an der Bushaltestelle warten, bis der Bus ein zweites Mal kam. Der Fahrer konnte, weil der Bus die maximale Fahrgastzahl erreicht hatte, nicht alle Fahrgäste mitnehmen, die an der Bushaltestelle gewartet hatten. Sven Wunderlich, Vater einer Realschülerin, hat auf Facebook auf die "Missstände" aufmerksam gemacht. "Im Moment sieht es so aus, dass die Busse hoffnungslos überfüllt sind und unsere Kinder teilweise zu spät in die Schule kommen." Der aufgebrachte Vater sprach von grob fahrlässigem Handeln und rief auch die anderen Eltern auf, sich zu wehren.

Der "allmorgendliche Kampf" um den Sitzplatz

Das Problem taucht jedes Jahr zum Schuljahresbeginn auf, nicht nur in Marktschorgast. Der Wunsch der meisten Eltern ist es, dass ihr Kind einen Sitzplatz im Schulbus hat und nicht stehen muss. Auch eine Petition, in der Sitzplätze für alle gefordert wurden, hat es bereits gegeben. Sie wurde allerdings abgelehnt. Stehplätze in Schulbussen sind zulässig. Die Initiatorin der Petition hatte damals geschrieben: "Egal ob als Eltern, Geschwister, Omas und Opas, Freunde und Verwandte, das Thema Schulbussicherheit betrifft uns alle. Laut ADAC ist das Verletzungsrisiko in Bussen bei Sitzplätzen bis zu dreimal niedriger als im Vergleich zu Stehplätzen. In Pkw gilt die Gurtpflicht, für Kleinkinder sind spezielle Sitze vorgeschrieben doch in Schulbussen sind nach wie vor Stehplätze erlaubt, dieser Zustand ist für mich nicht mehr haltbar. Für viele Kinder beginnt der Schultag mit dem allmorgendlichen Kampf um einen Sitzplatz im Schulbus. Wer keinen der begehrten Sitzplätze ergattert, muss im Gang stehen, den Schulranzen entweder zwischen den Beinen oder sogar die ganze Fahrt am Rücken. Die Kinder sollten erholt in den Schultag starten und nicht gestresst und ermüdet von der Busfahrt."

 

Wann ist ein Bus überfüllt?

In Schulbussen dürfen nur so viele Personen befördert werden, wie dies im Fahrzeugschein des jeweiligen Busses ausgewiesen ist. Die Personenzahl umfasst dabei sowohl Sitz- als auch Stehplätze. Stehplätze sind übrigens nicht überall erlaubt, wo theoretisch Platz ist: Beispielsweise sind die Trittstufen der Ein- und Ausstiege generell nicht als Stehplätze zugelassen. Wie viele Menschen in einem Bus mitfahren dürfen, kann jeder Fahrgast an einem Schild ablesen, das im Fahrzeug vorne beim Fahrer angebracht ist. Den Behörden ist bewusst, dass Eltern wie auch Schüler Busse immer wieder als "überfüllt" betrachten, auch wenn die zulässige Höchstpersonenzahl nicht überschritten wird. Wenn Personen in einem Bus stehend mitfahren, muss der Fahrer vom Gas gehen. Sind Stehplätze in Anspruch genommen, gilt für das Fahrzeug auch außerorts eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. 80 km/h darf ein Bus auf Landstraßen höchstens nur fahren, wenn allen Fahrgästen ein Sitzplatz zur Verfügung steht. Die gewünschte Sitzplatzgarantie ist, darüber besteht im Landkreis- wie auch im Gemeinde- und Städtetag Einigkeit, von den Kommunen nicht finanzierbar.

 

 

Das haben auch etliche Eltern getan. Auch die Schulleitung der Gefreeser Realschule hat sich an das Kulmbacher Landratsamt gewendet. "Wir wurden informiert, dass der Bus der Linie 14 am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche seine Kapazitätsgrenzen erreicht hatte", bestätigt Achim Geier vom Kulmbacher Landratsamt. Die Linie 14, die zwischen Stadtsteinach und Gefrees verkehrt, werde von der Omnibusverkehr Franken GmbH (OVF) bedient. Das Unternehmen habe wiederum einen Subunternehmer dafür eingesetzt. Nach der Überprüfung der Sachlage gibt Achim Geier unumwunden zu, dass die Disposition nicht glücklich gelaufen sei. 88 Fahrkarten seien für diese Linie ausgegeben, Fahrgäste, die ungeplant noch mitfahren, nicht mitgerechnet. Im Bus haben aber weniger als 88 Fahrgäste Platz. Umgehend sei eine Reaktion erfolgt. Das Problem sollte nun gelöst sein, sagt Achim Geier. Am Freitag und auch am Montag sei es zu keinen Engpässen mehr gekommen, weil der Subunternehmer nun noch einen zusätzlichen Kleinbus mit einsetze. Auch wenn es nicht geschehen sollte: Gerade am Schuljahresanfang kommt es laut Achim Geier immer mal wieder zu Reibungen, bis sich alle Schülerströme gelenkt haben. Die Marktschorgaster Kinder sollten jetzt reibungslos zur Schule und wieder nach Hause kommen.

 

Das Thema überfüllter Busse wird in Marktschorgast weiter diskutiert. Eltern fragen sich dort und auch in anderen Gemeinden, ob es richtig ist, wenn so viele Kinder in Schulbussen stehen müssen. Eine Mutter, berichtet Sven Wunderlich, habe geschildert, dass ihre Tochter, die auf den Eingangsstufen des Busses stand, mit dem Gesicht gegen die Scheibe gedrückt worden sei, als der Bus bremsen musste. Andere erzählen, dass Haltevorrichtungen für besonders kleine Schüler nicht erreichbar seien. Die Problematik soll nun beim Elternabend besprochen werden.

Die Stadtsteinacher Polizei hat, nachdem sie von Sven Wunderlich informiert worden war, schnell gehandelt und umgehend eine Streife nach Marktschorgast geschickt. Auch die Polizei hat, wie Inspektionsleiter Horst Nölkel sagt, festgestellt, dass in den ersten Tagen des neuen Schuljahres tatsächlich zu viele Schüler den Bus nach Gefrees nutzen wollten. Offenbar, sagt Nölkel, seien Kinder in den falschen Bus gestiegen. Das habe die Situation verschärft. Als die Polizei die Situation am vergangenen Donnerstag überprüft hat, seien genügend Plätze vorhanden gewesen, die Zahl der Stehplätze sei nicht überschritten worden. "Die Firma hat, als das Problem bemerkt wurde, einen weiteren Bus eingesetzt", informiert Horst Nölkel. Er betont: "Die Polizei wird auch künftig ganz genau darauf achten, dass die Plätze in den Bussen nicht überbesetzt werden." Für die Sorgen der Eltern zeigt Nölkel Verständnis.

Der verkehrstechnisch unglückliche Start ins neue Schuljahr hat in Marktschorgast inzwischen auch schon den Gemeinderat beschäftigt. Bürgermeister Hans Tischhöfer, berichtet sein Stellvertreter Nikolaus Ott, habe sich sofort mit dem Landratsamt in Verbindung gesetzt, als der Engpass bekannt wurde. "Es hat wohl einen Kommunikationsfehler gegeben, was die Anzahl der Schüler betrifft", weiß Ott. Doch das Landratsamt habe schnell reagiert. Entweder werde ein größerer Bus eingesetzt, oder ein zweites Fahrzeug.

Dieses Problem ist gelöst, ein anderes wird es aber immer geben: Auf der Route des Linienbusses, der aus Stadtsteinach kommt, ist Marktschorgast die letzte Station. Da bleibt den Marktschorgaster Kindern nichts anderes als ein Stehplatz. Nikolaus Ott weiß, dass dieser Umstand wohl nicht geändert werden kann. "Gottseidank sind es von Marktschorgast nach Gefrees nur etwa zehn Minuten."

Dass der Fahrer an den ersten Schultagen die Kinder nicht in den Bus gequetscht, sondern einige zurückgelassen, den Sachverhalt erklärt und die Schüler später abgeholt hat, findet Nikolaus Ott gut: "Der Fahrer hat alles richtig gemacht." Und der zweite Bürgermeister versucht, das Thema mit Humor abzuschließen: "Wenigstens hatten dann diese Kinder, die erstmal nicht mitgenommen wurden, alle einen Sitzplatz, als der Bus wiederkam."

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Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
17:20 Uhr

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Melitta Burger

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16. 09. 2019
17:20 Uhr



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