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Kulmbach

Kirchen kämpfen für das Klima

Die Schöpfung Gottes zu bewahren ist die Pflicht der Menschen, sagt Pfarrer Hans Roppelt. Katholische und evangelische Christen unterstützen die "Fridays for Future"-Bewegung.



Kulmbachs katholischer Pfarrer Hans Roppelt (Bildmitte) unterstützt die "Fridays for Future"-Bewegung. Bei der ersten Kundgebung im März dieses Jahres war er unter den Demonstranten. Mittlerweile stellt sich ein breites Bündnis aus Kirchenvertretern hinter die Aktionen, die am kommenden Freitag fortgesetzt werden sollen. Foto: Stefan Linß
Kulmbachs katholischer Pfarrer Hans Roppelt (Bildmitte) unterstützt die "Fridays for Future"-Bewegung. Bei der ersten Kundgebung im März dieses Jahres war er unter den Demonstranten. Mittlerweile stellt sich ein breites Bündnis aus Kirchenvertretern hinter die Aktionen, die am kommenden Freitag fortgesetzt werden sollen. Foto: Stefan Linß  

Kulmbach - Hans Roppelt war dabei, als sich im März dieses Jahres zum ersten Mal in Kulmbach junge Menschen den weltweiten Protestkundgebungen angeschlossen haben. Der Kulmbacher Pfarrer von der katholischen Gemeinde Zu Unserer Lieben Frau zeigt sich aus christlicher Überzeugung solidarisch mit den Schülern, die für den globalen Klimastreik auf die Straße gehen. "Fridays for Future" ist zu einer Bewegung geworden, die zunehmend Rückhalt gewinnt.

Warnung an Schüler

Kultusminister Michael Piazolo hat die Schüler in Bayern davor gewarnt, sich weiter während der Schulzeit an den "Fridays for Future"-Protesten zu beteiligen. Er sehe überhaupt keine Notwendigkeit dafür, während der Unterrichtszeit zu demonstrieren. Er droht den Teilnehmern mit Nachsitzen, Verweisen und Bußgeldern.

Dass solch eine Vorgehensweise verhältnismäßig und rechtens ist, bezweifelt wiederum die Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik. Jürgen Öhrlein aus Rothwind, ehemaliger Kreisrat der Grünen, kennt das Rechtsgutachten der Forschungsstelle. Daraus gehe hervor, dass es sich bei einer Teilnahme der Schüler an den Demonstrationen nicht um einen strafrechtlich relevanten Verstoß handelt, sagt Jürgen Öhrlein. sli


Das gesamte katholische Erzbistum Bamberg und die evangelische Landeskirche unterstützen die Streikaktionen. Am Freitag, 20. September, findet der dritte globale Klimastreik statt. Weltweit demonstrieren Menschen für die Einhaltung des Pariser Abkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung. Kundgebungen und Aktionen sind nach Auskunft der Veranstalter in mindestens 500 deutschen Städten geplant. Vermutlich werden Hunderte weitere Orte dazukommen. Auf dem Kulmbacher Marktplatz geht es am Freitag um 11.30 Uhr los.

Weit über 200 Organisationen und Initiativen unterstützen darüber hinaus das zivilgesellschaftliche Bündnis Klima-Streik.org, das am Freitag zusammen mit "Fridays for Future" die gesamte Bevölkerung zu den Demonstrationen aufruft. Bei Klima-Streik.org machen auch zahlreiche kirchliche Gruppierungen mit.

Das Engagement der Christen für den Umweltschutz ist alles andere als neu, betont Hans Roppelt. Der Pfarrer erinnert sich an eine der ersten Umweltstudien des katholischen Hilfswerkes Misereor vor mehr als zwei Jahrzehnten. Damals wurde Kritik laut, warum sich die Kirche denn derart politisch äußert. "Dabei ging es um nichts anderes als um die Idee, nachhaltig zu wirtschaften", sagt Roppelt.

Die Ergebnisse und Forderungen aus der Misereor-Studie sind einst in die eine oder andere Erntedankfestpredigt eingeflossen. Darüber hinaus habe jedoch kein Mensch dem Thema längerfristig Beachtung geschenkt. "Wahrscheinlich braucht es mehr Vehemenz und man muss dafür auf die Straße gehen", sagt der Pfarrer. Insofern handeln die Schüler, die an Freitagen für ihre Zukunft kämpfen, ganz im Sinne der Kirche.

Es gehe um die Bewahrung der Schöpfung. "Gott hat die Welt erschaffen. Die Welt wurde uns übergeben, um sie zum Wohl aller Menschen und unserer Nachkommen zu nutzen", erklärt Roppelt. "Wir Menschen sind nicht die Macher der Welt, aber wir haben die Verantwortung dafür erhalten. Wir sollen die Ressourcen schonen und nicht auf Kosten der Natur leben." All das lasse sich klar aus der Bibel ableiten. Nachhaltigkeit sei von der Grundidee her ein biblisches Thema. "Wer die Bibel und seinen Glauben ernst nimmt, der kommt um die Bewahrung der Schöpfung nicht herum."

Im Alltag sei es deshalb notwendig, mit weniger zufrieden zu sein. Sich dankbarer zeigen und genießen zu können statt immer mehr zu konsumieren. Die schädlichen Auswirkungen des menschlichen Handelns auf das Klima und die Umwelt sind mittlerweile von unzähligen Forschern belegt. Wissenschaftler haben sich deshalb der Bewegung angeschlossen. Dank "Fridays for Future" werde der Bevölkerung das Problem bewusst. "Das Thema muss vom Gehirn ins Herz", fordert Roppelt.

Um konkrete Veränderungen zu bewirken, hat sich in Kulmbach der ökumenische Arbeitskreis "Schöpfung" gegründet. Ihm gehören neben Kirchenvertretern und "Fridays for Future"-Initiatoren auch das Landratsamt und der Weltladen an. Der Kreis veranstaltet am Samstag, 21. September, um 17 Uhr in der Kulmbacher Nikolaikirche einen Schöpfungsgottesdienst unter dem Motto "Du hast uns deine Welt geschenkt."

Unterdessen ruft der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dazu auf, das Angelus-Läuten am Freitag um 12 Uhr als Aufruf zum Gebet für die Bewahrung der Schöpfung zu verstehen. "Beten wir auch für unsere Politikerinnen und Politiker, dass sie gute Entscheidungen treffen für unsere Zukunft und die der ganzen Menschheit", wird Schick in einer Mitteilung zitiert. Der Erzbischof sagt den jugendlichen Demonstranten seine Unterstützung zu: "Es ist super, dass ihr euch für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt."

Das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg ermöglicht seinen Beschäftigten die Teilnahme an einer der bundesweit für Freitag angesetzten Demonstrationen. Dies gelte unter Berücksichtigung dienstlicher Belange und Möglichkeiten wie Urlaub und Freizeitausgleich sowie in Absprache mit den Vorgesetzten.

Wie die katholischen Kollegen tritt auch das evangelisch-lutherische Kirchengemeindeamt Kulmbach für die Schöpfung ein. Dekan Thomas Kretschmar unterstützt ausdrücklich die "Fridays for Future"-Proteste. In den evangelischen Gottesdiensten sprechen die Pfarrer regelmäßig über die Bewahrung der Welt und den Umweltschutz.

Vertreter der Initiativen "Fridays for Future" und "Parents for Future" haben zuletzt von den Kirchen gefordert, dass sie mit aller Deutlichkeit sichtbar und hörbar für den Klimaschutz eintreten. Darauf bezieht sich der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einer aktuellen Stellungnahme. Die von Greta Thunberg angestoßene Schülerbewegung habe die Herausforderung des Klimawandels ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt, sagt Bedford-Strohm. "Man muss sagen: endlich ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt." Die Kirche freue sich sehr über das leidenschaftliche Eintreten der jungen Leute für eine auch in Zukunft lebenswerte Welt.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
17:08 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
18. 09. 2019
17:08 Uhr



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