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Klangvoll, kernig und klar formuliert

Wilhelm-Kempff-Festival in Thurnau verzeichnet einen erfolgreichen Start: Bemerkenswertes Beethoven-Programm zum Auftakt.



Rezitator August Zirner, Pianist Ingo Dannhorn und Bariton Roman Trekel (von links) beim Beethoven-Abend im Kutschenhaus von Schloss Thurnau.	Foto: Stephan Herbert Fuchs
Rezitator August Zirner, Pianist Ingo Dannhorn und Bariton Roman Trekel (von links) beim Beethoven-Abend im Kutschenhaus von Schloss Thurnau. Foto: Stephan Herbert Fuchs  

Thurnau - Wer war die "Unsterbliche Geliebte" von Ludwig van Beethoven? War es Josephine von Brunsvik, die einzige Frau, die Beethoven lange Zeit geliebt hatte und die seine Liebe zumindest zeitweise ganz offensichtlich auch erwiderte? Als Motto für einen konzeptionellen Abend taugt diese Episode allemal und so gab es am ersten Abend des Wilhelm-Kempff-Festivals im Kutschenhaus von Schloss Thurnau Kompositionen und Rezitationen aus der Feder Beethovens mit dem Schauspieler August Zirner als Sprecher, dem berühmten Bariton Roman Trekel sowie dem Pianisten, Festivalleiter und -gründer Ingo Dannhorn.

Seit Jahrhunderten rätseln Musikwissenschaftler über einen mysteriösen Liebesbrief des Komponisten an eben diese "Unsterbliche Geliebte". "Mein Engel, mein Alles, mein Ich", so schwärmt Beethoven an die Frau, die er so sehr begehrt. Beethoven verschweigt dabei nicht nur den Namen der Frau, auch Ort und Jahreszahl. Hundertprozentig fest steht nicht einmal, ob er den Brief überhaupt abgeschickt hat. Beim Konzertabend in Thurnau steht dieser Brief erst am Beginn des zweiten Teils.

Die scheinbare Antwort gibt es schon zuvor im ersten Teil. Der ist nämlich Beethovens Beziehung zu der zehn Jahre jüngeren Josephine Gräfin von Brunsvik gewidmet, eine Beziehung, die mit längeren Unterbrechungen von 1799 bis 1812 währte, letztlich aber doch wohl an Standesunterschieden scheiterte. Der Liederkreis "An die ferne Geliebte" markiert das Ende aller Hoffnungen und Erwartungen, und er steht trotzdem gleich am Beginn des Abends.

Gesungen wurde er von dem phänomenalen Bariton Roman Trekel. Spätestens seit seinem Heerrufer im Lohengrin 1999 bis 2005 bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen zählt Trekel zu den ganz großen Sängern der Gegenwart. Auch als Liedinterpret hat er sich längst einen klangvollen Namen gemacht. Sein warmes, kerniges und konturenvolles Mittelregister nimmt sofort für sich ein.

Trekel gelingt es stets, die Balance zwischen Text und Musik zu wahren. Er schöpft die sprachliche Finesse seiner Darbietung aus dem, was Beethoven trotz dessen problematischer Beziehung zur Gattung Lied und der Tatsache, dass seine Lieder noch einer gewissen Übergangszeit entspringen, so anspruchsvoll musikalisch angelegt hat. Trekel beherrscht mit ausgefeilter Artikulation und größtmöglichem Verständnis den differenzierten Umgang mit dem Text und dem musikalischen Kunstwerk traumwandlerisch perfekt.

Das gilt ebenso für die beiden Versionen des Liedes "An die Hoffnung". Trekel agiert auch hier mit flexibler, wohltimbrierter Baritonstimme. Sein Vortrag besticht vor allem durch das sehr ausgewogene Verhältnis zwischen detaillierter Ausgestaltung des Textes und effektvoller Wahrnehmung der rein melodischen Optionen dieses zugegeben etwas sperrigen Liedes.

Absolut ebenbürtig bei diesem anspruchsvollen Programm ist ihm Pianist Ingo Dannhorn. Er ist ein vollkommener Partner am Klavier, der in seinem gesamten Ausdrucksspektrum zusammen mit Trekel im besten künstlerischen Einvernehmen agiert. Dannhorn folgt Trekel in jeder Nuance und sorgt mit hingebungsvoller Präsenz geschickt für zusätzliche Spannung.

Das gilt auch für die solistischen Stücke, die in zeitlicher Nachbarschaft zum Liederzyklus "An die ferne Geliebte" entstandene Klaviersonate A-Dur op.101 und dem ersten Satz der "Waldstein"-Sonate C-Dur op. 53. Wunderbar fein phrasiert und artikuliert, poetisch geführt und klar formuliert interpretiert Ingo Dannhorn diese emotionale Komposition.

Sensibel und detailverliebt agiert auch August Zirner als Rezitator. Der in den USA geborene und in Wien aufgewachsene Schauspieler liest Beethovens Briefe und Tagebucheinträge nicht nur, er spielt sie. Dazu kommen sozusagen "aus dem off", also vom Band, auch Briefe von Josephine von Brunsvik, die von der Schauspielerin und Synchronsprecherin Daniele Hoffmann, der deutschen Stimme von Julia Roberts, eingelesen wurden.

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Stephan Herbert Fuchs
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
16:20 Uhr

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Stephan Herbert Fuchs

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
16:20 Uhr



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