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Kulmbach

Kooperation statt Konfrontation

Landfrauen luden Politiker zum "Frühstück auf dem Bauernhof" ein. Die Gäste erhielten dabei viele interessante Einblicke in die Landwirtschaft.



Optimaler Auslauf für die Hühner: Daniel (links) und Reinhard Kaßel auf ihrem Hof in Windischenhaig. Fotos: Fuchs
Optimaler Auslauf für die Hühner: Daniel (links) und Reinhard Kaßel auf ihrem Hof in Windischenhaig. Fotos: Fuchs   » zu den Bildern

Windischenhaig - Landfrauen stehen für Dialog und gesunde Ernährung. Im Landkreis Kulmbach hat sich der Bauernverband entschieden, die bayernweite Aktion "Frühstück auf dem Bauernhof" mit dem 70. Geburtstag der Landfrauenbewegung zu verbinden und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Berufsstand auf den Betrieb der Familie Kaßel in Windischenhaig einzuladen.

Die Familien von Seniorchef Reinhold und Junior Daniel Kaßel betreiben dort im Nebenerwerb einen Ackerbaubetrieb mit Direktvermarktung und Hühnerhaltung in einem mobilen Laufstall. Erst 2018 war die Familie in die Legehennenhaltung eingestiegen, damals mit 65 Hühnern in einem selbstgebauten Stall. Der ist mittlerweile einem mobilen Stall mit einer Kapazität für über 200 Hühner gewichen. Eine weitere Herausforderung ist die derzeit laufende Umstellung auf Ökolandbau.

"Die ganze Familie hilft mit", erläuterte Junior Daniel Kaßel, der in Triesdorf Landwirtschaft studiert hatte und der hauptamtlich beim Bauernverband in Bamberg beschäftigt ist. Zum Beispiel muss der über Photovoltaik komplett autarke Stall einmal pro Woche versetzt werden. Wenn sich zwischen den Hühnern mehrere Ziegen tummeln, dann deshalb, um dadurch den Habicht fernzuhalten. "Die Hühner haben optimalen Auslauf", so Kaßel. Neben den Eiern werden auch Nudeln und Kartoffeln im "24-Stunden-Eier-Heisla" direkt vermarktet.

Natürlich gab es zum Frühstück auf dem Bauernhof ausnahmslos heimische Produkte. Die Damen aus der Kreisvorstandschaft hatten unter anderem selbstgebackene Küchla, Wurst Käse, Obatzn, Joghurt und sogar leckere Smoothies vorbereitet. Aber auch ernste Worte waren zu hören. "Wir haben Angst um unsere landwirtschaftlichen Betriebe, sagte Kreisbäuerin Beate Opel vor dem Hintergrund des erfolgreichen Volksbegehrens zum Artenschutz. Wenn die Bürokratie weiter zunimmt, könne man die Höfe bald zusperren. An den Berufsstand appellierte sie, noch enger zusammenzurücken. "Sonst machen die da vorne mit uns, was sie wollen", fand die Kreisbäuerin deutliche Worte.

Als eine Möglichkeit, den Menschen moderne Landwirtschaft wieder näher zu bringen, bezeichnete sie es, bereits bei den jüngsten anzusetzen. Beate Opel begrüßte deshalb die Initiative, Alltags- und Lebenskompetenz als Schulfach einzuführen. Aber auch in den Schulbüchern sollte die Landwirtschaft wieder realitätsnah und nicht romantisierend dargestellt werden.

Auf den Punkt brachte die Misere Kreisobmann Wilfried Löwinger: "Den Menschen ist es noch nie so gut gegangen, den Tieren ging es noch nie so gut, wir haben blühende Landschaften und trotzdem ist keiner zufrieden." Nicht die Landwirtschaft habe sich verändert, sondern der Mensch, sagte Löwinger. Die Betroffenheit bei seinen Berufskollegen sein deshalb riesengroß, zumal die Spaltung innerhalb der Gesellschaft immer größer werde.

Bei den Vertretern aus der Politik ernteten die Verbandsvertreter ausnahmslos Zustimmung. Die Landwirtschaft im Landkreis Kulmbach sei vorbildlich und schon deshalb von den Regelungen des Volksbegehrens kaum betroffen, stellte beispielsweise der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel fest. Einzelne Regelungen, wie etwa das Walzverbot zum Schutz von Bodenbrütern ab 15. März, müssten freilich noch flexibel ausgestaltet werden.

Bezirkstagspräsident und Kulmbachs Oberbürgermeister Henry Schramm erinnerte daran, dass nicht der Supermarkt die Nahrung liefert, sondern der Bauer. "Das vergessen viele Menschen in unserer schnelllebigen Zeit", sagte er. Schramm rief dazu auf, die Arbeit der Bauern wieder mehr zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Er selbst habe größten Respekt von der Arbeit der Landwirte.

Auch Jörg Kunstmann, stellvertretender Landrat, rief zu "Kooperation statt Konfrontation" auf. "Wir brauchen unsere Bauern vor Ort", sagte er. Als falschen Weg bezeichnete Kunstmann die strikte Trennung von konventionellem und biologischen Landbau. Das eine sei nicht schlechter als das andere. Alle Nahrungsmittel, die von den Bauern vor Ort produziert werden, seien gesund und wohlschmeckend.

Autor

Stephan Herbert Fuchs
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Veröffentlicht am:
19. 05. 2019
17:38 Uhr

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Autor

Stephan Herbert Fuchs

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Veröffentlicht am:
19. 05. 2019
17:38 Uhr



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