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Kulmbach

"Künftig wird kindgerecht statt autogerecht gebaut"

Der Architekt Jan Hermann Lewerenz zum Bau der Sparkasse, der früheren Amerika-Begeisterung und der Städteplanung der Zukunft.



Interview: mit Jan Hermann Lewerenz
Interview: mit Jan Hermann Lewerenz  

Herr Lewerenz, die Begeisterung über das 1968 mit großem Hurra eingeweihte Kaufhaus der Mitte (KDM) ist bald verflogen. Wie erklärt sich, dass der wenig später entstandene Sparkassenbau eine bleibende Wertschätzung genießt?

Zur Person

Der in Kulmbach aufgewachsene Jan Hermann Lewerenz, Sohn des Künstlers Hans Lewerenz, ist ein renommierter Architekt in Berlin. Nach dem Abitur am MGF-Gymnasium 1983 studierte er Denkmalpflege in Bamberg und Architektur an der TU München..


Es ist nicht nur die unterschiedliche Qualität der Architektur. Unter meinen Mitschülern gab es viele, deren Eltern Geschäftsleute waren. Ich bekam mit, wie sie sich Sorgen machten, von einem Kaufhaus in der Innenstadt verdrängt zu werden. Bei der Sparkasse war es anders: man sah den Bau positiv, fast wie ein Gemeinschaftswerk der Bürgerschaft.

Die Sparkassen-Architektur hat trotz der Aufstockung und verschiedener Umbauten bis heute ihren Chic bewahrt. Sie wirkt noch modern, obwohl sie doch auch ein Kind ihrer Zeit ist...

Ja, sicher. Ihren Reiz sieht man auf den alten Fotos: Im Stil etwas Bauhaus, etwas von Erich Mendelssohns "Stromlinien-Moderne". Besonders aber hat sich der Kulmbacher Architekt Heinrich Hanke von dem amerikanischen Hochhaus-Architekten Frank Lloyd Wright inspirieren lassen. Bei ihm gibt es keine richtige Eingangstür mehr, sondern man fährt direkt mit dem Straßenkreuzer ins Gebäude. Anklänge gibt es in der Sparkasse - siehe die 5000 Quadratmeter große Mitarbeitergarage im Kellergeschoss, von der aus man direkt zum Bürotrakt gelangt, oder den Autoschalter am Gasfabrikgässchen.

Galt Amerika damals, in den 60ern, als großes Vorbild?

Ja. Wenige Wochen vorher, im Juli 1969, sind die Amerikaner mit Apollo 11 auf dem Mond gelandet. Für viele ein weiteres Indiz für die Überlegenheit des Westens. US-Popkultur, US-Mode, die Auto-Liebe der Amerikaner, die hohe Motorisierung - all das schwappt herüber.

Auch in Kulmbach gab es verschiedene Anläufe, eine "autogerechte Stadt" zu schaffen. Heute ist die Tendenz ja genau gegenläufig: Verbannung der Pkws mit Verbrennungsmotoren aus der Innenstadt, nur noch elektrobetriebene Fahrzeuge und Fahrräder. Was bedeutet das für eine Stadt wie Kulmbach?

Die autogerechte Stadt ist in der Stadtplanung seit 20 Jahren passé. Der Blick richtet sich heute auf andere Aspekte, die man auch schon in den wunderbaren Zeichnungen Frank Lloyd Wrights oder Erich Mendelssohns erkennt: Nicht nur das bekannte "coole" Gesamtkunstwerk aus Chrom und Glas, nein, noch viel mehr: Die Einbeziehung der Natur durch Dachgärten und grüne Terrassen, die Verwendung von Holz und Naturstein. Wir würdigen dieses Jahr das 100-jährige Bestehen des Bauhauses. Man bewundert die Verbindung von Design und Funktionalität. Zu wenig beachtet werden die Entwürfe von Kinderspielzeug und Kindermöbeln. Die Kinder standen im Mittelpunkt des Nachdenkens. Hier müssen wir ansetzen: Wir müssen Städte bauen, in denen Kinder ihren Lebensraum haben und gut aufwachsen. Die zukünftige Stadt ist nicht autogerecht, sondern kindgerecht.

Das Gespräch führte Wolfgang Schoberth

Autor

Wolfgang Schoberth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
18:20 Uhr

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Wolfgang Schoberth

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Veröffentlicht am:
11. 09. 2019
18:20 Uhr



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