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Kulmbach

Künstler entfachen neues Feuer in Spinnerei

Das aufwendig restaurierte Turbinenhaus der Alten Spinnerei ist Schauplatz für moderne Kunst: Der Kunstverein Kulmbach feiert mit der Ausstellung zehnjähriges Bestehen.



Landrat Klaus Peter Söllner, Stellvertreterin Christina Flauder und Oberbürgermeister Henry Schramm posieren mit dem Künstler Gerhard Popp. Fotos: Meike Schuster
Landrat Klaus Peter Söllner, Stellvertreterin Christina Flauder und Oberbürgermeister Henry Schramm posieren mit dem Künstler Gerhard Popp. Fotos: Meike Schuster   » zu den Bildern

Kulmbach - In den neuen alten Räumen der Spinnerei weht ein Wind der Veränderung: Wo noch vor wenigen Jahrzehnten Turbinen Energie für die Herstellung von Stoffen generierten, sind seit diesem Wochenende Kunst und Kultur zu Hause. Der Kunstverein Kulmbach bespielt die Räume im Rahmen seiner Mitglieder- und Winterausstellung und feiert sein zehnjähriges Bestehen. Oberbürgermeister Henry Schramm eröffnet den Abend mit einer Rede und freut sich besonders über "die 90 Werke der 30 ausstellenden Künstler, die von unterschiedlichster Machart und Materialität sind. Dabei wirkt die Präsentation vor der besonderen Kulisse der Turbinenhalle extravagant." Und wirklich, die stimmungsvolle Illumination der Fachhochschule Coburg setzt den Industriebau mit farbigem Lichtspiel in Szene und unterstreicht die Eignung der Halle als Ort für kulturelle Veranstaltungen. "Das mit großem Aufwand denkmalgerecht sanierte Turbinenhaus soll Kunst- und Kulturhalle für Kulmbach sein, ein neues kreatives Herz der Stadt, das auch als Partylocation und Veranstaltungsraum dienen soll," betont der Oberbürgermeister. Als weitere prominente Gäste sind außerdem Landrat Klaus Peter Söllner sowie Stellvertreterin Christina Flauder dabei.

Täglich geöffnet

Die Ausstellung in der Turbinenhalle ist noch bis zum 21. November täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Der zweite Teil der Ausstellung ist in der Oberen Stadtgalerie zu finden und ist bis zum 25. Januar jeden Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.


Die Gründung des Kunstvereins hat Henry Schramm 2009 hautnah erlebt: Die akademische Malerin Cornelia Morsch stellte zu dieser Zeit einen Bedarf in der Kulmbacher Kunstszene fest und kam mit dem Anliegen der Gründung eines Kunstvereins auf Schramm zu. Der Rest ist Geschichte: "Von anfangs 50 Gründungsmitgliedern hat sich die Größe des Vereins inzwischen auf über 200 Mitglieder vervierfacht", erklärt Morsch und betont: "Mir war es wichtig, dass der Verein von der Stadt und Gesellschaft generell gewollt ist und mitgetragen wird." Dass ein großes Interesse an den künstlerischen Arbeiten der Vereinsmitglieder besteht, bestätigen an diesem Abend die zahlreichen Besucher der Ausstellung, die das Jubiläumsjahr 2019 beschließt.

"In den letzten Jahren hat sich viel getan in unserer Kunstszene. Der Kunstverein trägt dabei deutlich zum gesellschaftlichen Leben in Kulmbach bei", sagt Schramm. Morsch bedankt sich in ihrer Rede für die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und hebt dann die wichtige Gabe von Künstlern hervor: "Kunst erlaubt einen anderen Blick auf die Welt. Genau das ist es, was ich von Kunst erwarte: neue, andere Ideen, Sichtweisen und Blickwinkel. Menschen, die sich auf den Weg machen. Künstler und Kreative waren die allerersten, die alte Fabrikgebäude für sich entdeckt und umgenutzt haben."

Als Künstlerin Edina Thern mit drei Schülerinnen des CVG performativ selbst gestaltete Kleidung aus recyceltem Material präsentiert und dabei von Saxophonist Oliver Körner begleitet wird, wird erneut deutlich, was Kunst kann: Tänzerisch den Raum erobern, gesellschaftliche Themen zum Ausdruck bringen sowie Kommunikation und Zusammenarbeit initiieren.

Austausch und Miteinander sind auch für Edina Thern der Grund, warum sie dem Kunstverein seit zehn Jahren angehört. Sie arbeitet viel mit Stoffen oder mit "Material, das auf mich zugeflogen kommt, mit dem ich konfrontiert werde."

Praktisch auf drei sich einander öffnenden Stockwerken werden die Kunstwerke gezeigt, im hinteren Teil der Halle befindet sich eine letzte Turbine aus alten Fabrikzeiten. Ganz in türkis-blaues Licht getaucht wirkt die metallene Maschine geheimnisvoll und bestimmt gemeinsam mit den künstlerischen Arbeiten die Gesamtwirkung des großen Raumes. Besucher Dan Frost aus Bayreuth erklärt, was ihn fasziniert: "Durch die Beleuchtung wird die Textur der Wände und das offene Mauerwerk betont, es wirkt fast magisch. Generell mag ich diese post-industrielle Ästhetik sehr." Martina Schwarz ist selbst Mitglied im Kunstverein, heute jedoch als Besucherin hier: "Ich war genau das zweihundertste Mitglied", sagt die Architektin und Denkmalexpertin. Sie freut sich über den neuen, ungewöhnlichen Veranstaltungsraum: "In Kulmbach hat ein so toller Raum gefehlt, denn interessante Museen und Architekturen findet man sonst häufig nur in größeren Städten. Bei der Restaurierung hier gefällt mir besonders, dass man noch so viele historische Spuren sieht und etwa bei den Wänden das Mauerwerk offen liegt. Das macht den Charme und Reiz des Gebäudes aus."

An den rohen Mauerwänden wirken die fünf bunten Arbeiten von Maler Gerhard Popp als spannungsvolle Farbtupfer. Mit zwei großen Stahlskulpturen prägt Künstler und Kunstlehrer Georg Köstner den Raum der unteren Etage. "Der Ausgangspunkt meiner Skulpturen sind geometrische Formen, die durch kleine Eingriffe fast figurative Anmutungen bekommen", erklärt Köstner. Sein Kollege Andreas Schobert erzielt auf seinen künstlich gealterten und gerosteten Aluminiumplatten differenzierte Oberflächenstrukturen. Die fünf Werke Schoberts stellen eine interessante Beziehung zwischen Material, Raum und Gebäude her. Weitere beachtenswerte Werke sind die drei großen Arbeiten von Wolfgang Brenner, die als Kommentar zum politischen Zeitgeschehen verstanden werden können, sowie die Lichtobjekte aus Acrylglas von Harun Kloppe.

Wer noch bis Donnerstag das besondere Flair der Kunst in der Turbinenhalle genießen möchte, ist jeden Tag ab 16 Uhr willkommen. Das Tageslicht zu nutzen, ist eine besondere Empfehlung von Cornelia Morsch, denn: "Die Hängung der Kunstwerke wurde für das Tageslicht geplant, die abendliche Beleuchtung hingegen setzt mehr die Architektur in Szene."

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Meike Schuster
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Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
00:00 Uhr

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Meike Schuster

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Veröffentlicht am:
18. 11. 2019
00:00 Uhr



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