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Kulmbach

Kulmbach rüstet auf im Kampf gegen die Fluten

Die Stadt will weitere Millionensummen in den Schutz vor Überschwemmungen investieren. OB Henry Schramm präsentiert ein neues Konzept für mehr Sicherheit.



In der Hofer Straße kommt die Baustelle gut voran. Die Planer haben in den kommenden Jahren noch viel vor, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Unser Bild zeigt (von links) Frank Hahn vom Ingenieurbüro IBP, Johannes Fröba von den Stadtwerken, Tiefbauleiter Ingo Wolfgramm, Oberbürgermeister Henry Schramm, Stadtwerkeleiter Stephan Pröschold und Hauptamtsleiter Uwe Angermann. Foto: Stefan Linß
In der Hofer Straße kommt die Baustelle gut voran. Die Planer haben in den kommenden Jahren noch viel vor, um den Hochwasserschutz zu verbessern. Unser Bild zeigt (von links) Frank Hahn vom Ingenieurbüro IBP, Johannes Fröba von den Stadtwerken, Tiefbauleiter Ingo Wolfgramm, Oberbürgermeister Henry Schramm, Stadtwerkeleiter Stephan Pröschold und Hauptamtsleiter Uwe Angermann. Foto: Stefan Linß   » zu den Bildern

Kulmbach - An vier neuralgischen Punkten, den sogenannten Überflutungs-Hotspots, soll es so schnell wie möglich losgehen. Die Stadt Kulmbach verstärkt den Kampf gegen Hochwasser. Allein für 2020 sind Ausgaben in Höhe von drei Millionen Euro geplant. Die ersten Bagger sollen bald loslegen und in vier Bereichen in der Stadt Kulmbach mit dem Bau beginnen: am Dürren Bach in Petzmannsberg, rund um die Luitpoldstraße, am Rehberg und entlang der B 85 am Kinzelsbach.

Es sei dringend nötig, weiter in die Sicherheit zu investieren, erklärte Oberbürgermeister Henry Schramm am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Konzepts für den Überflutungsschutz. "Starkregenereignisse nehmen in einer Intensität und Häufigkeit zu, wie wir es früher nicht gekannt haben", sagte er. In jüngster Zeit seien an mehreren Stellen in Kulmbach die Straßen und Häuser überschwemmt worden. Von den Bergen und Hügeln rings um Kulmbach strömten die Fluten mit hoher Geschwindigkeit in die Täler. Solche Massen an Oberflächenwasser können von den Kanälen nicht aufgenommen werden.

Das komplette Abwassersystem der Stadt entsprechend auszubauen, sei technisch und finanziell unmöglich, erklärte der Oberbürgermeister. Sonst wären die Gebühren für die Bevölkerung nicht mehr bezahlbar. Die erarbeitete Strategie sieht vor, die Wassermassen an anderer Stelle so gut es geht zurückzuhalten.

Im Wirtschaftsplan, über den der Stadtrat am Donnerstag abstimmen wird, sind zunächst drei Millionen Euro für das neue Konzept veranschlagt. Sobald ein Beschluss vorliegt, geht es mit den Ausschreibungen los. Das Gesamtvolumen aller Hochwasserschutz- und Kanalbaumaßnahmen der Stadt liegt bei 110 Millionen Euro. Davon sind seit Mitte der 90er-Jahre bereits 52 Millionen Euro ausgegeben worden.

Schramm erinnerte an die Hochwasserschutzprojekte am Weißen Main und am Kohlenbach. Auch beim Neubau des EKU-Platzes sei viel Geld in die Kanalsanierung geflossen. Aktuell schreiten in der Hofer Straße am Purbach die Bauarbeiten voran. In den kommenden Jahren ist in der Blaich der Bereich am Fuße des Klinikumsberges an der Reihe. Weil der Hochwasserschutz sehr umfangreich ist, sei ein Gesamtkonzept nötig. In dem Konzept besitzen die Überflutungs-Hotspots der vergangenen Jahre nun höchste Priorität.

Der Leiter der Kulmbacher Stadtwerke, Stephan Pröschold, stellte die Pläne im Detail vor. Ziel sei es, die Fließgeschwindigkeiten zu verringern und das Wasser in andere Bereiche umleiten, in denen es weniger Schaden anrichtet. Es seien in einer gemeinsamen Aktion der Verwaltung konkrete, in der Praxis schnell umsetzbare Lösungen erarbeitet worden, die den betroffenen Anwohnern helfen sollen.

Projekt eins - Dürrer Bach: "Das Bächlein ist zum reißenden Fluss geworden", sagte Pröschold. Dass sich der Dürre Bach in Petzmannsberg wie ein Canyon in den Hang gegraben hat, zeugt von der gewaltigen Kraft, die dort bei Starkregen entstehen kann. Durch schmale Rohre wird der Dürre Bach nahe der Burghaiger Straße in die Flutmulde des Weißen Mains eingeleitet. An den Engstellen in der Talsohle sind zuletzt Häuser überschwemmt worden.

Das Konzept sieht vor, Hindernisse zu beseitigen, damit das Wasser gut in die Verrohrung fließen kann. Vor dem Rohr soll ein Grobrechen größere Äste fernhalten. Außerdem ist geplant, die Gewässersohle zu befestigen und den Stauraumkanal in der Rebenstraße zu optimieren.

Ganz einfach wird es nicht werden, die Bauarbeiten am Dürren Bach umzusetzen. Denn für die schweren Bagger ist es eine Herausforderung, in dem engen Flusslauf zurechtzukommen.

Projekt zwei - Luitpoldstraße: Der Stadtpark und die Luitpoldstraße sind ein topographischer Tiefpunkt in der Stadt. Das Wasser fließt die Weiherer Straße und die Christian-Pertsch-Straße hinunter und sammelt sich dort. Als Folge ist das Achat-Hotel schon zweimal überflutet worden.

Um das Problem zu entschärfen, wird zunächst die Weiherer Straße zur Großbaustelle. Auf einer Länge von 450 Metern lässt die Stadt den Kanal erneuern und vergrößert dessen Kapazität. Der Plan sieht weiterhin vor, die Straßen strömungsgünstiger zu gestalten, damit das Wasser links und rechts am Hotel vorbei auf die freien Flächen des Stadtparks fließen kann.

Projekt drei - Rehberg: An der steilsten Stelle des Rehbergs strömen bei Starkregen in kurzer Zeit große Wassermengen hinab. Um das Problem zu entschärfen, sollen in dem bestehenden Entwässerungsgraben Kaskaden und Rückhaltebereiche angelegt werden, die das Wasser aufhalten. Geplante Querrinnen in der Fahrbahn haben einen ähnlichen Effekt. Außerdem sollen unter anderem die Kanäle in der Gustav-Adolf-Straße erweitert werden.

Projekt vier - Kinzelsbach: "Mangbach und Weiherbach vereinigen sich im Bereich der Bayreuther Straße zum Kinzelsbach", sagte Stephan Pröschold. Der Bereich im südlichen Stadtgebiet ist schon häufig von Hochwasser heimgesucht worden. Dort sind dem neuen Konzept zufolge unter anderem Teiche geplant, die ein zusätzliches Rückhaltevolumen bieten. Die Teiche sollen in der Fröbelstraße und in der Bayreuther Straße nahe der Einmündung zur Wickenreuther Allee entstehen.

Einen zusätzlichen Schutz vor Überflutungen versprechen sich die Planer dort durch eine Veränderung des Straßenniveaus und neue Bordsteine. Außerdem soll im Bereich, in dem der Kinzelsbach überirdisch verläuft, der Graben vergrößert und von Bewuchs befreit werden.

Im Bereich der vier Hotspots will die Stadt Kulmbach mehrere Messeinrichtungen installieren, um die Niederschläge zu dokumentieren. Ziel ist es, die Datenbasis zu verbessern und dadurch das Konzept für den Überflutungsschutz weiter zu verfeinern.

Unabhängig von den vier hochpriorisierten Projekten wollen Stadt und Stadtwerke auch an anderen Stellen die Sicherheit nach und nach erhöhen. Denn es sei zu erwarten, dass im Zuge des Klimawandels die Wetterextreme noch häufiger vorkommen werden.

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
17:42 Uhr

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Autor

Stefan Linß

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 11. 2019
17:42 Uhr



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