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Kulmbach

Kulmbacher gründet Uhrenimperium

Der Kulmbacher Hans Wilsdorf baut in London und in der Schweiz sein Uhrenimperium auf. Rolex ist bis heute ein Inbegriff für höchste Qualität.



Hans Wilsdorf, hier auf einem Bild von 1942, hat für seine Armbanduhren immer höchste Maßstäbe angesetzt. Der Gründer des Schweizer Unternehmens stammt aus Kulmbach. Fotos: Rolex
Hans Wilsdorf, hier auf einem Bild von 1942, hat für seine Armbanduhren immer höchste Maßstäbe angesetzt. Der Gründer des Schweizer Unternehmens stammt aus Kulmbach. Fotos: Rolex   » zu den Bildern

Kulmbach - Der Name ist leicht zu merken, er lässt sich in allen Sprachen gut aussprechen und hat einen Wiedererkennungseffekt, von dem andere Markenhersteller träumen. Rolex steht für Luxus und Eleganz, Qualität und Präzision. Die berühmteste Uhr der Welt wurde von einem Mann erfunden, der mutig seine Visionen umgesetzt hat. Hans Wilsdorf kam 1881 in Kulmbach am Marktplatz in dem Haus zur Welt, in dem sich früher eine Eisenwarenhandlung und heute die Metzgerei Lauterbach befindet. Nach einem schweren Schicksalsschlag machte er erst in London und dann in der Schweiz eine beachtliche Karriere. Die Neuerfindung der Uhr ist sein Lebenswerk.

Die Serie

Deutschland ist Innovationsweltmeister, sagt das Weltwirtschaftsforum. Hierzulande gibt es die meisten Erfindungen und guten Ideen, die bis zur Marktreife erfolgreich entwickelt werden. Zahlreiche Kulmbacher haben in der Vergangenheit und bis heute mit ihren großen und kleinen Erfindungen zu diesem Erfolg beigetragen. Die Frankenpost stellt sie vor.

 

Wilsdorf war zwölf Jahre alt, als er Vollwaise wurde. Er lebte fortan bei seinem Onkel und im Internat in Coburg, erlernte den Beruf des Kaufmanns, wurde später Fremdsprachenkorrespondent und zog nach London. Dort gründete er 1905 als 24-Jähriger den Uhrengroßhandel Wilsdorf & Davis.

 

Seine große Idee fand am Anfang wenig Anklang. Denn Männer trugen Anfang des 20. Jahrhunderts üblicherweise eine Taschenuhr. Armbanduhren galten als zu feminin und ungenau. Hans Wilsdorf bewies das Gegenteil. Um seine neue Uhr verkaufen zu können, brauchte sie zuerst einen wohlklingenden Namen.

Der Überlieferung zufolge ist der Mythos Rolex in London entstanden, als Hans Wilsdorf eines Morgens auf dem oberen Deck eines Pferdeomnibusses durch die Cheapside in der Innenstadt fuhr. Wie der Gründer in seinen Memoiren erzählt, hatte er zuvor bei seiner Namenssuche alle erdenklichen Kombinationen der Buchstaben des Alphabets ausprobiert. "So erhielt ich einige Hundert Namen, aber keiner von ihnen entsprach meinen Vorstellungen", erinnerte er sich. Das Wort "Rolex" habe ihm im Pferdeomnibus schließlich eine innere Stimme eingeflüstert.

1908 ließ Wilsdorf den Markennamen eintragen. Als erster Hersteller schrieb er ihn auf das Zifferblatt. Das erwies sich als äußerst geschickter Marketingschachzug. Eine Schweizer Manufaktur fertigte die Uhrwerke.

1914 ging Wilsdorf mit seiner Firma ins Schweizerische Biel und 1919 nach Genf. Danach ging es mit Rolex steil bergauf. 1926 brachte Wilsdorf die wasserdichte Armbanduhr "Oyster" auf den Markt. Sie ist vor Staub geschützt, hat eine Schraubkrone und ist besonders widerstandsfähig. Vier Jahre später schob Rolex die nächste Neuentwicklung hinterher. Einen Zeitmesser mit Automatikuhrwerk und Selbstaufzug. Bis heute ist Rolex Marktführer im Luxusuhrensegment.

1944 starb seine Ehefrau Florence. Weil er ohne Nachkommen blieb, gründete er die Hans-Wilsdorf-Stiftung und überschrieb dorthin das Unternehmenskapital. Die Stiftung setzt sich ein für wohltätige Zwecke, für Wissenschaft und Ausbildung.

In Verbundenheit mit der Heimatstadt des Gründers hat die Firma Rolex 1983 die Patenschaft für die Kulmbacher Berufsschule übernommen. Außerhalb der Schweiz ist das einmalig. In der Hans-Wilsdorf-Schule erhält jährlich der beste Absolvent den begehrten Rolex-Preis und darf sich über eine Uhr im Wert von mehreren Tausend Euro freuen.

Auch am Kulmbacher Marktplatz wird an den großen Sohn der Stadt erinnert. Am Geburtshaus ist eine Tafel angebracht.

Begraben ist Hans Wilsdorf zusammen mit seiner Frau Florence in Genf. Das Grab ist vergleichsweise schlicht mit einem großen Kreuz aus weißem Marmor. Darauf steht unter seinem Namen ein Spruch auf Französisch: "Das Gute war sein Leben."

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
23. 10. 2018
17:22 Uhr

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Autor

Stefan Linß

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2018
17:22 Uhr



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