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Kulmbach

Landwirte fühlen sich unter Druck

Die Forderungen nach weniger Methanausstoß durch Kühe begünstigen das Höfesterben, sagt Harald Köppel vom Bauernverband. Es gebe keinen Katalysator für Rinder.



Sind Kühe Klimakiller? Studien behaupten das. Landwirte fürchten nun, dass die Zahl der Rinder deutlich zurückgefahren werden müsste, wenn es tatsächlich zu einer gesetzlich festgelegten Begrenzung des Methans kommen würde, das die Tiere beim Rülpsen und Pupsen ausstoßen.
Sind Kühe Klimakiller? Studien behaupten das. Landwirte fürchten nun, dass die Zahl der Rinder deutlich zurückgefahren werden müsste, wenn es tatsächlich zu einer gesetzlich festgelegten Begrenzung des Methans kommen würde, das die Tiere beim Rülpsen und Pupsen ausstoßen.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

Kulmbach - Landwirte fühlen sich immer mehr unter Druck. Erst das Volksbegehren Artenvielfalt, das weitgehend in die Arbeit bäuerlicher Betriebe eingreift, dann der "Generalverdacht", unter den sich nach der Aufdeckung mutmaßlicher Tierquälerei in einigen Ställen im Allgäu viele Bauern gestellt sehen. Doch das ist längst nicht alles, wovon Landwirte sich in ihrer Existenz bedroht fühlen: Auch die Diskussion um das, was Kühe von sich geben, macht den Bauern Sorgen.

Keine Massentierhaltung in Kulmbacher Kuhställen

20.595 Rinder, vom neugeborenen Kalb über Zuchttiere, Mastbullen bis hin zu Milchkühen, leben derzeit im Landkreis Kulmbach. Die Tiere stehen, wie der Leiter des Kulmbacher Veterinäramts, Dr. Andreas Koller, berichtet, bei 298 unterschiedlichen Haltern. Im Schnitt hat damit jeder landwirtschaftliche Betrieb mit Rinderhaltung 69 Tiere im Stall. Aber natürlich ist das nur ein Richtwert. Es gibt, wie Dr. Koller weiß, Betriebe mit nur 20 Kühen. Es gibt aber auch elf, die hundert Tiere im Stall haben. Nur ein Hof ist größer. Aber auch er, sagt der Veterinär, bleibt deutlich unter 200. Natürlich verfolgt auch der Chef des Kulmbacher Veterinäramts die Debatte um die Methanbelastung durch Kühe. Sollte es Zusatzfutter geben, die die "Bäuerchen" der Kühe weniger "giftig" machen, hat Koller nichts dagegen. "Aber es darf natürlich den Stoffwechsel der Tiere nicht negativ beeinflussen." Auch den wirtschaftlichen Aspekt müsse man mit betrachten. Koller weiß: In der Landwirtschaft muss knapp kalkuliert werden. Die Fleischpreise geben nicht mehr her.

 

Emissionen steigen

Die Produktion von Rindfleisch und Milch, sagen Forscher des IIASA, sei besonders treibhausgasintensiv. Der Agrarsektor ist die weltweit größte Quelle von Treibhausgas-Emissionen, die keine CO2-Emissionen darstellen. Seit 1990 seien die landwirtschaftlichen Emissionen um rund 30 Prozent gestiegen. Wenn die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Ziele der Klimastabilisierung erreicht werden sollen, müssten die Emissionen reduziert werden.

 

Die von der EU bereits seit einiger Zeit verabschiedete NEC-Richtlinie schreibt die Reduzierung von Ammoniak vor. Bleibt es dabei, sagt der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl, müsste die Zahl der Rinder in Deutschland merklich sinken. Nun kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der die Landwirte fürchten lässt, dass ihre Tierhaltung in den gewohnten Umfängen gefährdet ist. Kühe rülpsen und pupsen während des Verdauungsvorgangs immer wieder und stoßen dabei Methan, sogenannte Treibhausgase, aus. Methan entsteht auch, wenn Gülle auf den Feldern ausgebracht wird. Das sei für das Klima noch viel schädlicher als Kohlendioxid. Das Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse hat ergeben, dass eine Änderung der landwirtschaftlichen Praktiken und eine Umstellung der Ernährung, die Emissionen in diesem Bereich bis 2050 um bis zu 50 Prozent reduzieren könnte. Die Befürchtung der Bauern: Andere Fütterung der Tiere allein wird nicht ausreichen. Auf dem Weg zur Erreichung dieses Reduzierungsziels könnten zahlreiche Höfe auf der Strecke bleiben.

 

Sollte es tatsächlich sinnvolle und bezahlbare Futtermittel geben, die den Methanausstoß bei Kühen verringern, würde sich der Geschäftsführer des Kulmbacher Bauernverbands, Harald Köppel, nicht verschließen. Bei Schweinen gebe es bereits die phosphatreduzierende Fütterung. Sie sei getestet und funktioniere. Bei den Kühen sei man allerdings noch längst nicht so weit. "Wie soll man das also reduzieren? Einen Katalysator einbauen geht nicht. Am Ende kann das dann nur heißen: weniger Kühe. Aber das heißt auch: weniger Landwirte." Köppel ist ratlos. Über Jahre seien Laufställe so gebaut worden, dass sie möglichst offen sind, viel frische Luft hereinkommt. Jetzt gebe es bereits Forderungen, die Ställe quasi zu "versiegeln" und die Luft zu filtern.

Ob es die Studie und damit verbundene Forderungen nach weniger Methan ist oder die EU-Richtlinie in Sachen Ammoniak: "Alle fordern weniger Emissionen, aber keiner hat eine richtige Lösung, außer Kühe abzustocken", sagt Harald Köppel. "Alle überschlagen sich mit Vorschlägen, wie man die Welt rettet. Der Finger zeigt immer wieder auf die Landwirtschaft." Flugverkehr oder Kreuzfahrtschiffe spielten öffentlich keine Rolle. "Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, wie es ist."

Dass nun vor wenigen Tagen ausgerechnet auch noch ein Abkommen zwischen der EU und den USA getroffen wurde, wonach die USA in den kommenden sieben Jahren ihren Fleischexport nach Europa auf 35 000 Tonnen pro Jahr steigen können, ärgert Harald Köppel noch zusätzlich. "Bei uns werden täglich die Auflagen schärfer. Wir werden wegen jeder Kleinigkeit gegängelt. In den USA mästet die breite Masse der Betriebe mit Hormonen. Das versteht doch keiner mehr." Köppel ist sauer. Die EU habe Donald Trump in Sachen Fleisch nachgegeben, um ihre Auto-Exporte in die USA abzusichern, die von Strafzöllen bedroht waren. "Die Landwirtschaft wird dafür geopfert. Mich wundert, dass die Verbraucher das mitmachen."

In USA gebe es Gütesiegel, wie sie in Deutschland selbstverständlich gefordert und erfüllt werden, nicht, sagt auch Kreisbäuerin Beate Opel. "Das ist uns gegenüber eine Frechheit. Die Reglementierungen hier machen unsere Arbeit immer schwerer. Wir tun alles Menschenmögliche, aber wer sieht das denn noch in der Gesellschaft?"

Insgesamt 100 Rinder leben auf dem Hof der Familie Opel in Neufang. 35 sind Milchkühe, der Rest sind Kälber und Bullen. "Bei uns hat noch jede Kuh einen Namen. Die Tiere bleiben bei uns auf dem Hof von der Geburt bis zur Schlachtung."

Über die neuesten Forderungen, die Emissionen der Tiere zu reduzieren, schüttelt Beate Opel mit dem Kopf. "Wie sollen wir unsere Arbeit machen, wenn wir immer mehr Prügel zwischen die Beine kriegen? Manche Forderungen lassen sich einfach nicht umsetzen." Vieles passe auch nicht mehr zusammen. In Deutschland fordern, wie Beate Opel sagt, die Verbraucher bis ins Detail Klarheit. Wenn sie im Urlaub sind essen sie ohne nachzudenken, was ihnen vorgesetzt wird.

Beate Opel würde gern mehr mit Verbrauchern ins Gespräch kommen. Das, ist sie überzeugt, würde so manches schräge Bild geraderücken. Einladungen gebe es genug. Ob es Flurbegehungen sind oder Hoffeste oder einfach ein Besuch auf dem Hof und im Stall. "Die mit dem Finger auf uns zeigen kommen nicht zu uns, wollen sich aufklären lassen. Sie reden nicht mit uns, sondern über uns. Wir sind nur noch die Prügelknaben. Ich warte schon auf das nächste Volksbegehren."

 
Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
17:38 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
17:38 Uhr



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