Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

Kulmbach

Lernen, wie man "echte" Klöße macht

Klöße sind auch heute noch für viele Menschen in der Region „heilig“. Doch wie man Klöße selbst herstellt, wissen immer weniger. Eine Expertin hilft.



Die einzig wahren Klöße sind für Kerstin Rentsch die Thüringer. Aber sie weiß auch die anderen zu schätzen, zum Beispiel die "Faule Weiber Kließ".
Die einzig wahren Klöße sind für Kerstin Rentsch die Thüringer. Aber sie weiß auch die anderen zu schätzen, zum Beispiel die "Faule Weiber Kließ".   » zu den Bildern

Kulmbach - Sie gilt aus ausgewiesenene Kloß-Expertin und gibt ihr Wissen in Kochbüchern ebenso gern weiter wie auch in Kochkursen. Am 1. April lädt das MUPÄZ im Kulmbacher Mönchshof Freunde "echter" Klöße zu einem solchen Kurs ein. Kerstin Rentsch kommt aus Kleintettau, hoch oben im Frankenwald. Natürlich beherrscht die Köchin aus Leidenschaft sehr viele Kloßvarianten. Für sie selbst ist dabei aber klar: "Die richtigen Klöße sind die Thüringer." Sie weiß aber auch: An diesem Thema scheiden sich die Geister. "Die Coburger zum Beispiel sagen, sie hätten es erfunden, auch wenn die ‚Coburger Rutscher‘ ganz anders sind. Die Thüringer Klöße stehen bei Kerstin Rentsch im Mittelpunkt. Klöße, die sowohl aus gekochten als auch aus geriebenen Kartoffeln bestehen. Aber in der Thüringer Variante. Die in Kulmbach eher bekannten "Grünen Klöße", sagt die erfolgreiche Kochbuchautorin, seien zwar ähnlich. Aber dann eben doch nicht ganz. Die Kartoffeln werden dafür gröber gerieben und auch der Anteil von gekochten und rohen Kartoffeln ist anders. Klöße, das merkt man schon an dieser kurzen Einleitung, sind fast schon so etwas wie eine Glaubensfrage. Kein Wunder, gibt es sie doch in unzähligen Variantionen. Kerstin Rentsch weiß über viele Bescheid und zeigt gern, wie‘s geht.

Termin und Anmeldung

"Kloßvariationen - der Klassiker" mit Kerstin Rentsch wird am Mittwoch, 1. April, 18.30 Uhr im MUPÄZ in der Koch- und Backschule Kulmbacher Mönchshof geboten. Rund vier Stunden dauert die Veranstaltung, in der die Teilnehmer theoretisch und praktisch lernen, "echte" Klöße zu machen. Die Kursteilnehmer lernen, wie "richtige" Semmelknödel, Hefeklöße, sogenannte einfache oder "Wochentagsklöße" aus Kartoffeln und die echten "Thüringer Klöße" gemacht werden. Nach getaner Arbeit setzen sich alle Teilnehmer an den Tisch und verkosten die Ergebnisse gemeinsam: Die Kloßexpertin Kerstin Rentsch bringt Sauerbraten vom Hochlandrind mit der entsprechenden Soße mit. Anmeldungen sind unter 09221/805-14 oder per Mail, info@kulmbacher-moenchshof.de, möglich.

 

Kerstin Rentsch hat viel mit alten Frauen gesprochen und ihre Rezepte gesammelt. Nach diesen alten Rezepten richtet sie sich auch: "Ich zeige, wie ich es von diesen alten Frauen gelernt habe, und wie es hier Tradition ist." Dass die Thüringer Klöße in all ihren Kochkursen dabei sind, hat nicht nur mit Kerstin Rentschs eigenem Geschmack zu tun. "Wer diese Thüringer Klöße kochen kann, kann Klöße kochen", betont sie.

 

Ein Drittel zu einem feinen Brei gekochte und zwei Drittel geriebene rohe Kartoffeln stecken in Kerstin Rentschs Lieblingsklößen. Die rohen Kartoffeln werden nach dem Reiben mit dem Kartoffelbrei gebrüht. "Die Kunst ist es, den richtigen Strärkegehalt zu erkennen." Nicht alle Kartoffeln haben genug Stärke. Wenn das der Fall ist, muss Stärke zugefügt werden. Für die erfahrene Köchin ist das "einfach". Wer sich noch nie an diese doch recht aufwendige Kloßzubereitung gewagt hat, kann durchaus auch Schiffbruch erleiden, wenn es keine gute Anleitung gibt. Auch das "Kartoffelsäckle" kommt ins Spiel. Mit dem werden die rohen Kartoffeln ausgepresst.

Die Grünen Klöße, die im Kulmbacher Land früher in den meisten Familien sonntags auf den Tisch kamen, seien am nächsten dran an den Thüringern, die für Kerstin Rentsch die "Ur-Klöße" sind. Und doch ist diese Variante anders. Halb-Halb werden gekochte und rohe Kartoffeln verarbeitet. Sogar ein anderes Reibeisen werde für diese Variante gebraucht.

Für wen sich die Thüringer oder auch die Grünen Klöße zu aufwendig anhören, der kann in dem Kochkurz dennoch auf seine Kosten kommen. Kerstin Rentsch hat auch noch eine weitere Variante dabei: Die "Faule Weiber Kließ". "Wenn jemand sagt, das ist mir zu aufwendig, das trau ich mich noch nicht, möchte aber Kartoffelklöße kochen, dann sind die genau das richtige." Die "Faulen Weiber Kließ" gehen schnell. Jeder bringt das hin, ist sich Kerstin Rentsch sicher. Und trotzdem schmecke man als Laie nicht sofort, dass das keine "richtigen" Thüringer sind. Die schnelle Variante kommt ausschließlich mit gekochten Kartoffeln aus. Da kommt das Reiben und Brühen nicht vor. Das macht die Zubereitung deutlich einfacher.

Kartoffeln zu verarbeiten findet die Expertin aus dem hohen Frankenwald richtig spannend. "Ich kenne viele Kartoffelrezepte." Dieses Wissen hatten vor Jahren noch die meisten Frauen. "Früher haben die Leute alle ein paar Kartoffeln angebaut und auch wenn nicht, war es günstig, sie zu kaufen." Das habe die Kartoffel zum Grundnahrungsmittel gemacht, mit dem man sich auch über schlechte Zeiten hinwegretten konnte. "Kartoffeln haben die Menschen in der Kriegszeit vor dem Verhungern gerettet. Aus Kartoffeln hat man alles gemacht. Man hat Kuchen damit gebacken, Torten, auch Süßspeisen." Dieses Wissen sei aber leider weitgehend verlorengegangen. Kerstin Rentsch bietet deshalb für diese Variante, mit Kartoffeln zu kochen, besondere Kurse an. Die Not habe erfinderisch gemacht. Viele leckere Gerichte seien dabei kreiert worden. Sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist Kerstin Rentsch ein Anliegen.

Nicht nur die Rezepte, auch die unterschiedlichen Kartoffelsorten sind ausgesprochen zahlreich. Kerstin Rentsch arbeitet am liebsten mit den alten Sorten. "Die neuen, wo alles mögliche weggezüchtet ist, sind für mich ein leeres Produkt. Ich verarbeite nur Sorten, die schon immer bei uns angebaut wurden." Die Tettauerin kauft am liebsten direkt beim Bauern und in Bio-Qualität. Ihr Stammlieferant kultiviert die Kartoffeln selbst, düngt nur mit Pferdemist. Sich schon mit der Herkunft der Kartoffeln zu befassen, findet die Expertin ratsam: "Ich sage den Leuten immer, geht zu euren Bauern und fragt nach. Schaut nicht nach den Sorten mit den schönen Namen. Die sind alle irgendwie behandelt." Zum Beispiel würden Veränderungen an den Knollen vorgenommen, damit sie möglichst nicht keimen. Auch die Beschaffenheit der Schalen sei verändert worden. Für Kerstin Rentsch ist deshalb klar: "Das ist nicht mehr viel Kartoffel." Jedenfalls nicht die, die ein echter Feinschmecker mit Traditionsbewusstsein essen mag.

Wer sich so mit Kartoffeln versorgen will, muss einen höheren Aufwand betreiben. Entweder direkt zum Bauern gehen oder im Herbst Bauernmärkte besuchen und sich auch mit den eigenen Erwartungen auseinandersetzen. Wer die Möglichkeit hat und über einen möglichst kühlen und dunklen Keller verfügt, dem rät die Kochexpertin aus dem Frankenwald, Kartoffeln einzulagern. Egal wie: Kontakt mit den unmittelbaren Erzeugern ist für Kerstin Rentsch immer ratsam: "Dort kann man alle Fragen stellen, dort erfährt man, was es mit den Sorten auf sich hat und wie sie sich unterscheiden. "

Festkochende oder überwiegend festkochende Kartoffeln, wie es sie heute in jedem Supermarkt gibt und wie sie inzwischen auch überwiegend von Verbrauchern gekauft werden, gab es übrigens früher nicht, weiß Kerstin Rentsch. "Früher waren die Kartoffeln viel mehliger als jetzt. Früher hatte die Kartoffel viel mehr Stärke." Damit wären wir wieder beim Thema der Thüringer oder auch der Grünen Klöße. Bei ihnen spielt der Stärkegehalt eine ganz wesentliche Rolle, wenn der Kloß am Ende die richtige Konsistenz haben und appetitlich aussehen soll. Wer beim Bauern kauft, erfahre, wie viel Stärke in den Kartoffeln ist, erhalte gute Tipps in Sachen Lagerung.

Kartoffeln sind eine Wissenschaft. Die Witterung spielt eine Rolle, der Boden auch. Deshalb gebe sie auch keine Empfehlung für bestimmte Sorten. Denn die Qualität falle jedes Jahr anders aus. Dass sich viele Menschen wieder auf die alten Rezepte besinnen, findet Kerstin Rentsch gut. Das, sagt sie, fördert nicht nur das Wissen, sondern auch die Nachhaltigkeit in der Ernährung.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 03. 2020
17:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauernmärkte Feinschmecker Kartoffeln Kartoffelsorten Kochbuchautorinnen und Kochbuchautoren Kochbücher Köche Saucen Süßspeisen Weiber
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kloßexpertin: Kerstin Rentsch.

04.10.2019

Ein Abend voller Klöße

Kerstin Rentsch bietet im Mönchshof einen neuen Kochkurs an. Am 22. Oktober geht es darum, wie man Klöße richtig zubereitet. » mehr

Er weiß, was gut ist: Seit fast fünf Jahren ist René Heinrich der Küchenchef im Schlosshotel. Er kocht für die Restaurantgäste in der "Sattlerei" im Schloss Thurnau wie auch für Tagungsteilnehmer und Hochzeiten. Foto: Ralf Münch

30.01.2020

Mit Gelassenheit am Werk

René Heinrich, Chef der Schlossküche in Thurnau, gehört zu den Köchen, die für den 8. Februar eine Köche-Gala organisieren. Er lässt sich auch selbst gerne mal bekochen. » mehr

...unterstützt wird sie von Promiköchin Maria Groß aus Thüringen.

16.10.2019

Auf Tuchfühlung mit den Star-Köchen

Die Weismainerin Susanne Klippstein kocht in der SAT1-Sendung "The Taste". Die Teilnahme war für die Hobbyköchin ein emotionaler Parforceritt. » mehr

Den Blick schweifen lassen: Nicht nur die Autoren des Gourmet-Magazins Der Feinschmecker  finden die Aussicht von den Terrassengärten des Schlosses Neudrossenfeld bemerkenswert. Auch Restaurant-Chef Heinrich Schöpf erfreut sich an der Schönheit der barocken Anlage.

09.01.2020

Oberfranken

Abschied von Neudrossenfeld: Sternekoch eröffnet Weinbar

Zwischen Bayreuth und Kulmbach und in Neudrossenfeld selbst war er eine Institution: Heinrich "Heini" Schöpf, der exquisite Küche in seinem Restaurant im Schloss Neudrossenfeld bot. Jetzt erfindet er sich noch einmal ne... » mehr

Am Sonntag ging auf dem EKU-Platz einiges über den "Ladentisch".

01.03.2020

Erlebnis für die ganze Familie

In aller Ruhe bummeln und Schnäppchen ergattern. Das konnten die Besucher aus nah und fern gestern beim verkaufsoffenen Sonntag in Kulmbach. » mehr

Tobias Bätz hat mit dem Alexander Herrmann’s Restaurant in den Bewertungen in diesem Jahr einen Lauf.

18.10.2019

Kulmbacher Köche eine Klasse für sich

Dass man in der Genussregion gut essen kann, ist klar. Doch zwei Restaurants im Landkreis wurden jetzt durch eine Fachzeitschrift für ihre herausragende Küche ausgezeichnet. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Feuer in der Ireks

Feuer in der Ireks | 31.03.2020 Kulmbach
» 8 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor

Melitta Burger

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 03. 2020
17:32 Uhr



^