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Kulmbach

Lkw-Fahrer vorerst unersetzbar

Wie schaut die Mobilität der Zukunft aus? Bei uns wird es so schnell keine autonomen Autos geben, sagt Michael Möschel von der Verkehrsakademie-Gruppe Kulmbach.



Die Lastwagen werden so schnell nicht ganz ohne Fahrer auskommen. Technisch wäre das autonome Fahren aber heute schon machbar. Foto: Stefan Linß
Die Lastwagen werden so schnell nicht ganz ohne Fahrer auskommen. Technisch wäre das autonome Fahren aber heute schon machbar. Foto: Stefan Linß  

Kulmbach - Flugtaxis befördern in der Stadt die Passagiere durch die Luft, auf den Straßen sind selbstfahrende Autos und Lastwagen ohne Lenkrad unterwegs und statt der Verbrennungsmotoren gibt es umweltfreundliche Alternativen. Szenarien, die sich nach Science-Fiction anhören, werden Realität. Wie verändern sich unsere Fortbewegungsmittel in Kulmbach und Oberfranken?

Autonomes Fahren

Autonomen Fahrzeugen könnte die Zukunft gehören, sagt der ADAC. Die Experten des Autoclubs unterscheiden folgende Betriebsmodi:

Unterstütztes Fahren: Der Fahrer ist für das Fahren zuständig und wird von Fahrassistenten unterstützt.

Automatisiertes Fahren: Der Fahrer darf sich von der Fahraufgabe und dem Verkehrsgeschehen abwenden, muss aber wahrnehmungsbereit bleiben und das Steuer nach Aufforderung wieder übernehmen.

Autonomes Fahren: Der Fahrer kann die Fahrzeugführung komplett abgeben, er wird zum Passagier.

 

Michael Möschel gehört zum Jahrgang 1967. Er hat in seinen Kinderbüchern schon Bilder von der Mobilität der Zukunft gesehen. Das autonome Fahren und fliegende Taxis kamen darin vor. "Die Idee ist nicht neu", sagt der Geschäftsführer und Inhaber der Verkehrsakademie-Gruppe in Kulmbach. "Neu ist, dass wir die Träume mittlerweile technisch umsetzen können." Ob sich tatsächlich alle Möglichkeiten im Alltag etablieren werden, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

 

Michael Möschel bleibt Realist. Nicht alles Machbare werde auch gemacht. Beispiel Flugtaxi. Die Gesetze verbieten es heute jedem gut ausgebildeten Piloten, vom Kulmbacher Flugplatz aus in niedriger Höhe über die Stadt zu fliegen. Aber bei einem Flugtaxi oder einer Drohne sei das nicht so schlimm und soll sogar in Großstädten erlaubt sein? Die gesetzlichen Vorgaben könnten zu einem entscheidenden Stolperstein für viele Innovationen werden.

Bis ein neues Flugzeug für den Transport von Menschen zugelassen wird, dauert es heute zehn Jahre. Und jetzt soll ein Flugkopter mit Passagieren in München am Stachus abheben und zum Olympiastadion fliegen? Wenn dieser politische Wille Realität wird, dann sei wohl alles möglich und die Politik unberechenbar geworden, kritisiert Möschel.

"Ich bin in einer Gesellschaft groß geworden, in der Rechtsgleichheit für das Demokratieverständnis ein entscheidender Wert ist. Das kann ich nicht einfach über Bord werfen und so tun, als gäbe es das nicht." Mit welcher Begründung sollte es erlaubt werden, mit einer Flugdrohne über ein privates Grundstück zu fliegen und es dabei zu filmen?

Das technisch Mögliche sei nicht immer das gesellschaftlich Erwünschte. Das sei im Bereich des autonomen Fahrens nicht anders. Braucht es überhaupt noch Fahrschulen und Lkw-Fahrer, wenn die Autos dank ausgeklügelter Sensoren alleine fahren können? "Beides beantworte ich mit Ja", sagt Möschel. "Wir werden auch in 15 Jahren noch eine Fahrschule brauchen und es wird in Deutschland Berufskraftfahrer geben. Auch Kinder, die heute geboren werden, machen in Zukunft noch den Führerschein."

Wenn das autonome Fahren irgendwann kommt, werde der Führerschein so schnell nicht überflüssig. "Wir wären bereits seit ein bis zwei Jahren locker in der Lage, Lkw alleine fahren zu lassen", sagt der Geschäftsführer der Verkehrsakademie-Gruppe. Für die selbstfahrenden Lastwagen würde ein Überholverbot gelten, damit sie sich hintereinander in engem Abstand sortieren können. Einen gut ausgebildeten Lkw-Fahrer brauche es trotzdem noch. Denn auf den Autobahnen und Bundesstraßen sei das Lkw-Fahren keine Kunst. Der Fahrer werde dort gebraucht, wo es schwierig wird. Und das sei auf engeren Staatsstraßen und in Ortschaften. Das 5G-Mobilfunknetz, das das autonome Fahren ermöglichen soll, sei nämlich nur für Autobahnen und Bundesstraßen geplant.

Die Technologie entwickelt sich rapide weiter. "Das betrifft nicht nur die Mobilität, sondern auch viele andere Dinge. Wir sollten differenzieren zwischen dem Selbstzweck einer neuen Funktion und dem tatsächlichen Nutzen", fordert Möschel.

Experten sagen, dass das autonome Fahren einen größeren Nutzen bringt, weil eine höhere Sicherheit im Straßenverkehr damit einhergeht. Michael Möschel ist skeptisch. "Man muss den Menschen reinen Wein einschenken. Wenn das autonome Fahren Realität wird, dann ist für den Schadensersatz nach einem Verkehrsunfall die Schuldfrage nicht mehr relevant. Jeder zahlt die Hälfte." Aber wer muss ins Gefängnis, wenn das autonome Auto einen Fußgänger überfährt? Die Zusammenhänge seien komplex. Allein die Schuldfrage beim autonomen Fahren ziehe eine Ethikdiskussion nach sich.

Es habe Jahrzehnte gedauert, ehe der Genehmigungsbescheid für die Ortsumfahrung Untersteinach vorlag. "Bis bei uns das autonome Fahren erlaubt ist, braucht es bestimmt drei Mal so lang", wagt Möschel eine Prognose. "An vielen Orten auf der Welt sind selbstfahrende Autos und Flugtaxis vorstellbar. In Deutschland und der Europäischen Union sind wir gesellschaftlich und juristisch Lichtjahre davon entfernt, diese Sachen umzusetzen."

—————

Mit unserer Frankenpost -Serie "Mobilität der Zukunft" stellen wir die Frage, wie wir künftig unterwegs sein werden. Technische Innovationen verändern unsere Fortbewegungsmittel. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es neue Ideen. Welche Chancen und Risiken ergeben sich für die Mobilität der Menschen in unserer Region?

Autor

Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
23. 05. 2019
17:50 Uhr

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Stefan Linß

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23. 05. 2019
17:50 Uhr



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