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Kulmbach

Mann und Frau stürzen 7,5 Meter in den Burggraben

In der Dunkelheit fanden sie den richtigen Weg nicht mehr und stürzten in die Tiefe: Ein abendlicher Ausflug auf die Kulmbacher Plassenburg endete mit einem Großeinsatz für die Rettungskräfte - und für einen Mann und seine Freundin im Krankenhaus.



Unglaubliches Glück im Unglück hatten die jungen Leute. Sie fielen von der Burgmauer genau in den schmalen Freiraum zwischen einem Radlader und einem Sandsteinhaufen. Ein in der Mauer gewachsener Baum (siehe Markierung und eingerücktes Bild) bremste den Sturz, bevor er brach. Fotos: Melitta Burger
Unglaubliches Glück im Unglück hatten die jungen Leute. Sie fielen von der Burgmauer genau in den schmalen Freiraum zwischen einem Radlader und einem Sandsteinhaufen. Ein in der Mauer gewachsener Baum (siehe Markierung und eingerücktes Bild) bremste den Sturz, bevor er brach. Fotos: Melitta Burger  

Kastellan Harald Stark spricht von "einem ganzen Schwarm Schutzengel", die bei diesem Unglück im Spiel gewesen sind. Wer die Unfallstelle gesehen hat, an der in der Nacht zum Freitag zwei junge Menschen von einer Mauer der Plassenburg gestürzt sind, weiß, wovon Harald Stark spricht. Die beiden Verunglückten stürzten nicht nur knapp acht Meter in die Tiefe und hatten dabei Glück, dass Büsche und weiches Erdreich ihren Fall bremsten. Sie kamen auch noch genau in einem sehr schmalen Zwischenraum zwischen einem mächtigen Haufen mit Sandsteinquadern und einem an der Mauer geparkten Radlader auf. Nur wenige Zentimeter nach rechts oder links, und der Sturz wäre wahrscheinlich ganz anders ausgegangen.

Auf welchem Weg die jungen Leute auf die Mauer der "langen Batterie" gelangt sind, weiß man noch nicht. Sicher ist: Auf der Mauer hatten sie nichts zu suchen. Als sie kurz vor 23 Uhr offenbar wieder zurück wollten, haben sie sich für einen anderen Weg entschieden. "Der junge Mann wollte etwas anderes ausprobieren und schlug vor, über die Mauer zurückzugehen", berichtet Harald Hübner, der Leiter der Kulmbacher Polizeiinspektion. Die beiden jungen Frauen in seiner Begleitung seien ihm gefolgt. Möglicherweise habe die Gruppe auch die Orientierung verloren. Plötzlich sei der 26-jährige Kulmbacher ins Leere getreten und abgestürzt, sagt Hübner. Seine 21-jährige Freundin habe im Dunkeln Panik bekommen, nicht überrissen, was gerade passiert war und stürzte ebenfalls in die Tiefe. Nur die dritte aus der Gruppe verunglückte nicht. Irgendwie muss es ihr gelungen sein, im Dunkeln bis in den Burghof zu gelangen. Von dort aus rief sie Hilfe für ihre Freunde.

Auch die Polizei und die Rettungsdienste bestätigen, welch unglaubliches Glück die beiden jungen Leute im Unglück hatten. Büsche und ein noch junger Baum, der in der Mauer gewachsen war, bremsten den Sturz von der mächtigen Festungsmauer in einen privat genutzten Garten, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. Die Retter hatten es nicht einfach, zu den Verunglückten zu gelangen. Die Feuerwehr musste ein Schloss an einem Metalltor aufbrechen.

Nach Angaben des Kulmbacher Polizeichefs hat der 26-jährige Mann einen Oberschenkelbruch erlitten. Seine Freundin brach sich das Fußgelenk und zog sich außerdem eine Kopfplatzwunde zu. Zu keinem Zeitpunkt seien die Unfallopfer in Lebensgefahr gewesen, zeigt sich Peter Hübner erleichtert. Wie viele andere Retter denkt sicher auch er an das schreckliche Unglück, als 2015 zwei junge Männer vom Sprungturm im Kulmbacher Freibad in den Tod gesprungen waren.

Diesmal ging es weitaus glimpflicher ab. Peter Hübner mahnt trotzdem: "Wenn man an so einem Ort ist, muss man ganz genau schauen, wo man hintritt, vor allem wenn man weiß, dass man sich in luftiger Höhe bewegt. Am besten geht man erst gar nicht an solche Orte, und wenn dann ohne Alkohol." Ob die Gruppe unter Alkoholeinfluss gestanden war, wollte Peter Hübner weder bestätigen noch dementieren. Retter sprachen allerdings davon, dass die drei jungen Leute "Flaschen" dabeigehabt hatten.

Der Aufwand, den die Rettungsdienste mit der Bergung und Versorgung der Verletzten hatten, war immens. 20 Kräfte der Kulmbacher Feuerwehr waren angerückt, dazu acht Helfer von der Bergwacht, Notärzte und die Sanitäter des BRK. Um überhaupt zu den beiden Verletzten zu kommen, musste ein Metalltor zum sogenannten "Flohgraben" aufgebrochen werden, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hat. Die Feuerwehr musste die Einsatzstelle ausleuchten, damit eine Versorgung der Verletzten erfolgen konnte. Mitglieder der Bergwacht brachten einen der beiden mit Hilfe einer Gebirgstrage zum Rettungswagen. Die Feuerwehr transportierte die zweite Person in der Schleifkorbtrage.

Sebastian Kuhn war der Einsatzleiter der Bergwacht bei diesem nächtlichen Einsatz auf der Plassenburg. Er kann den nächtlichen "Ausflug" nicht verstehen: "Es sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass man so etwas nicht macht. Die Leute sind schon auch ein Stück für sich selbst verantwortlich. Das ist gefährlich!"

Das sieht auch Kastellan Harald Stark nicht anders. Er hat schon öfter vor allem junge Leute, die in einem abgeschiedenen Winkel der Burg feiern oder "chillen" wollten, verjagt. Es gibt Plätze auf der Burg, wo immer wieder Gruppen angetroffen werden, die da nicht hingehören. "Ich würde mir wirklich wünschen, dass da keiner drauf geht", sagt Harald Stark. Insgesamt handle es sich bei der langen Batterie um einen abgesperrten Bereich. "Man muss Gittertüren öffnen oder an Mauern nach oben klettern, um dorthin zu kommen." Geschlossene Tore oder Hinweisschilder, die das Betreten bestimmter Bereiche verbieten, werden nicht zum Spaß aufgestellt.

Maximilian Türk vom BRK ist als Einsatzleiter immer wieder dabei, wenn es gilt, Menschen nach einem Unfall zu versorgen. Auch er weiß, dass viele Unfälle vermieden werden könnten, wenn sich alle an die Regeln halten. Viele Risiken könnten vermieden werden, sagt Max Türk, wenn alle auf den befestigten Wegen blieben und Warn- und Sperrschildern beachteten. "Gerade in der Dunkelheit sollte man sich in solchen Bereichen wie diesem gar nicht bewegen, vor allem wenn man weiß, dass es auf der Plassenburg viele teilweise sehr große Höhenunterschiede gibt."

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
08:30 Uhr

Aktualisiert am:
03. 05. 2019
14:01 Uhr

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