Lade Login-Box.
Topthemen: KinderfilmfestAutonomes Fahren in OberfrankenBilder vom WochenendeBlitzerwarner

Kulmbach

Mauerwerk voller Geschichten

Vor über 500 Jahren hat Markgraf Friedrich der Ältere einen Wachturm auf dem Rehberg errichten lassen. Heute ist er ein beliebtes Ausflugsziel.



Heute hat der Rehturm eine Höhe von 30 Metern. Fotos: Erich Olbrich
Heute hat der Rehturm eine Höhe von 30 Metern. Fotos: Erich Olbrich   » zu den Bildern

Kulmbach - Wenn Steine reden könnten, würden sie am Rehturm vermutlich tagelang nicht mehr verstummen, denn sein Mauerwerk könnte mit seinen Geschichten ganze Bücher füllen. Schlachten und schreckliche Begebenheiten könnte es schildern, aber auch die idyllische Natur preisen, fröhliche Kinderspiele beschreiben und bestimmt auch die eine oder andere Liebesgeschichte erzählen.

Der Rehturm war Mittelpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen, Schauplatz von Belagerungen, wichtiges Medium im Mittelalter und der frühen Neuzeit, aber auch ein Platz der Ruhe in der Natur. So gut wie jeder Kulmbacher Schüler ist während seiner Schulzeit schon hierher gewandert, und auch als Sonntagsausflugsziel erfreut er sich noch heute großer Beliebtheit.

Zwar braucht man nicht mehr befürchten, dass der Aussichtsturm wegen seiner strategischen Lage erneut zerstört werden könnte, doch an die Stelle der kriegerischen Ausschreitungen von einst ist heute leider der Vandalismus mancher Zeitgenossen getreten. Dank der Bemühungen der Stadt Kulmbach und vieler engagierter Mitbürger trotzt der Rehturm dennoch auch heute noch jeglichen Angriffen.

Besucher des Turms können bei genauerer Betrachtung des Mauerwerks verschiedene Jahreszahlen entdecken. Über dem Zugang zum Turm befindet sich das Kulmbacher Stadtwappen; links die Schwarz-Weiß-Vierung der Hohenzollern, oben rechts der meranische Adler und darunter der staufische Löwe, der durch die Verbindungen der Herzöge von Andechs-Meranien mit den Hohenstaufen hinzukam. Dieses Wappen in der heutigen Form ist nachweisbar bis zurück in das Jahr 1420. Darunter sind die Jahreszahlen 1498 sowie 1889/90 zu erkennen.

1498: In diesem Jahr ließ Markgraf Friedrich der Ältere den Rehturm als Wachturm in der Kette der markgräflichen Signaltürme errichten. Damit konnte das Land oberhalb des Gebirges bei Gefahr sehr rasch gewarnt werden, indem Feuer entzündet, Fackeln ausgehängt oder Rauchzeichen gegeben wurden.

Anschlusstürme waren im Südosten die Hohe Warte bei Bayreuth, die Burg Zwernitz in Sanspareil im Südwesten, der Magnusturm bei Kasendorf im Südwesten, der Culmberg und der Sophienberg im Süden, sowie im Osten der Schneeberg und der Weißenstein.

1889/90: Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Kulmbach bemüht sich um die Wiederinstandsetzung und Erhöhung des baufälligen Turmes. Am 5. Juni 1889 erteilt der Magistrat dem "Rehturmbau-Comites" die Erlaubnis, den Rehturm mit einer Höhe von 30 Metern höher als bisher aufzubauen und das nötige Material an Sand und Steinen unentgeltlich aus dem Stadtwald zu entnehmen. Große Verdienste um den Rehturm erwarb sich der Gastwirt Conrad Nützel. Ein kleiner Bericht aus der Chronik: "Am 28. Juni 1890 übergab das Rehthurm-Baukomite den aus seinen Trümmern zu einer schönen, äußerst lohnenden Aussichtswarte wieder aufgebauten alten Signalthurm - Rehthurm genannt - der Öffentlichkeit zur Benutzung."

In der Zeit des Wiederaufbaus des Turms hat sich in Kulmbach auch sonst einiges getan: Unter der Führung von Bürgermeister Rosenkrantz hat die Stadt, nicht zuletzt durch den Eisenbahnbau, einen unglaublich starken wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Hier nur einige Beispiele: Der Exportbierbrauer Lorenz Sandler eröffnet im Kressenstein das Restaurant "Wolfsschlucht", und schräg gegenüber macht der Gasthof "Goldener Löwe" auf. Gebaut wird das Kontor der Petzbrauerei und nicht weit davon entfernt die Herberge "Zur Heimat". Die Innenstadt wird gepflastert und das Waisenhaus neu gebaut.

An der Außenseite des Turms findet sich auch die Inschrift "1889 Turn-Verein". Mit dieser Inschrift wird auf eine Anzahl junger Turner aus Kulmbach hingewiesen, die sich weit über ihr gestecktes Ziel hinaus, nämlich die Ideen Friedrich Ludwig Jahns in die Tat umzusetzen, am öffentlichen Leben beteiligten. Die Vereins-Mitglieder arbeiteten in großem Umfang am Wiederaufbau des Rehturmes mit. Der Turn-Verein hatte sehr bald in Kulmbach Anerkennung gefunden und bekam den ,,Platz hinter der Vogelstange", auf der Draht, als Turnplatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Diesen 1861 gegründeten Turnverein gibt es auch heute noch. Es ist der ATS Kulmbach.

An der Innentreppe ist an der 17. Stufe zudem die Markierung "500 m" eingezeichnet. Das heißt nichts anderes, als dass man sich auf einer Höhe von 500 Metern über dem Meeresspiegel befindet. Das Kulmbacher Rathaus liegt 308,82 Meter hoch.

Im Jahr 1972 musste der Rehturm wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Aber 1976 konnte die einsturzgefährdete Anlage dank einer erfolgreichen Spendenaktion der Kulmbacher Bürgerschaft und dank Zuschüssen der Stadt Kulmbach und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege restauriert und am 27. September 1977 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Heute bietet sich von der Plattform aus ein herrlicher Blick auf die Plassenburg und das Kulmbacher Land. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Henry Schramm wurde auf der Plattform eine Stele mit einem Kompass errichtet. Dort wird der Besucher nicht nur mit einem großartigen Ausblick belohnt, sondern erhält auch weitere Erklärungen, was sich im Umland der Stadt Kulmbach befindet.

Autor

Erich, Marcus Olbrich
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
17:28 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeiner Turn- und Sportverein Kulmbach 1861 e.V. Aussichtstürme Burg Zwernitz Denkmalpflege Eisenbahnbau Friedrich Ludwig Gastwirte Henkeltöpfchen Henry Schramm Krawalle Plassenburg Stadt Kulmbach Städte Trümmerteile Türme
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Freude der Wickenreuther ist groß, dass das alte Backhaus aus dem 19. Jahrhundert originalgetreu wieder aufgebaut werden konnte.

30.10.2019

Altes Backhaus erstrahlt in neuem Glanz

Das Breitäcker Backhaus in Wickenreuth stammt aus dem 19. Jahrhundert. In den vergangenen Monaten wurde es für 130 000 Euro orginalgetreu wieder aufgebaut. » mehr

Vom 1. Dezember an gilt ein neues Stadtbus-Konzept, das viele Verbesserungen mit sich bringt. Verkehrsplaner Volker Griesbach (von links) erläuterte die Neuerungen mit Oberbürgermeister Henry Schramm und Michael Beck vom Kulmbacher Landratsamt. Foto: Melitta Burger

25.11.2019

Stadtbus besser im Takt

Stadtteile sind besser eingebunden, die Stadthalle wird wieder angefahren, und es gibt neue Haltestellen: Vom 1. Dezember an ist der Stadtbusverkehr in Kulmbach viel attraktiver. » mehr

Sie sind seit 25 beziehungsweise 40 Jahren beim ATS Mitglied: in der hinteren Reihe (von links) Oliver Lange und Karl Heinz Weber und vorne von links Monika Hildner, Vorstandsvorsitzende Heidesuse Wagner, Simone Linser und Martin Zech.	Fotos: Werner Reißaus

09.12.2019

Dem ATS seit Jahrzehnten treu

Der größte Verein der Stadt Kulmbach kann sich auf seine langjährigen Mitglieder verlassen. Und die Sportler haben in diesem Jahr wieder zahlreiche Erfolge erzielt. » mehr

Große Sprünge machten bei der Sportlergala der Stadt Kulmbach die Mädels der 1. Kulmbacher Showtanzgarde.

03.11.2019

Ein Treff der fittesten Kulmbacher

Mehr als nur ein Ehrungsabend: Bei der Sportlergala der Stadt nehmen Kulmbachs Spitzensportler Auszeichnungen entgegen. Und es gibt reihenweise sehenswerte Showeinlagen. » mehr

OB Henry Schramm hatte die Idee, Stadtförsterin Carmen Hombach hat sich um die Umsetzung gekümmert. Die Stadt Kulmbach wird bald 1000 Setzlinge heimischer Laubbäume an Grundstücksbesitzer verschenken. Die Stadt, hofft Schramm, könne damit noch grüner werden und erhielt dafür Lob von Volker Wack.

25.10.2019

Stadt verschenkt 1000 Bäume

OB Henry Schramm kündigt bei der Bürgerversammlung in Kulmbach an: Die Stadt wird 1000 heimische Laubbäume an Gartenbesitzer verschenken. Volker Wack gefällt diese Idee. » mehr

Ursula Bock

14.10.2019

Nährboden für die Kunst

Das Künstlersymposium mit 19 Kunstschaffenden auf der Plassenburg war einmal mehr ein Erfolg. Die Ergebnisse sind seit Samstag in der Großen Hofstube zu sehen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auftaktveranstaltung zum Klimaschutz

Klimaschutz-Auftakt | 22.01.2020 Hof
» 36 Bilder ansehen

Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas Marktredwitz

Gala-Abend Faschingsgilde in Marktredwitz | 18.01.2020 Marktredwitz
» 37 Bilder ansehen

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 Lindau

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 | 19.01.2020 Lindau
» 42 Bilder ansehen

Autor

Erich, Marcus Olbrich

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 11. 2019
17:28 Uhr



^