Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Kulmbach

Mehr Tomaten, auch im Winter

Scherzer & Boss Fruchtgemüse baut ein zweites Gewächshaus in Feulersdorf. Künftig wird auf 15 Hektar angebaut.



Dank moderner Klimaführung wachsen die Pflanzen optimal.
Dank moderner Klimaführung wachsen die Pflanzen optimal.   » zu den Bildern

Feulerdorf - Insgesamt 1500 weiß lackierte Metallsäulen stehen Spalier in der riesigen Halle. Vom Himmel trennt sie das Glasdach, dessen Elemente von 40 Lastwagen herangeschafft wurden. Der Rohbau für das neue Gewächshaus der Scherzer & Boss Fruchtgemüse GmbH in Feulersdorf sieht futuristisch aus. Lediglich am Boden erkennt man noch immer das Ackerland, das die Grundfläche liefert. Traktoren und Planiermaschinen tuckern durch die 150 Meter langen Gänge, in denen später Tomaten und Gurken wachsen werden. Sie bändigen das Erdreich, denn es muss vollständig plan sein. Nur so können die Erntemaschinen auf dem Gewächshausboden fahren. Die störrische Juraerde war für die beiden Geschäftsführer, die Cousins Stefan Scherzer und Fritz Boss, bereits im ersten Bauabschnitt, von April bis September 2017, eine Herausforderung. Um das 25-Millionen-Euro-Projekt auf den Weg zu bringen, mussten zunächst die Felsen im Boden beseitigt werden. Fritz Boss, einer der beiden Geschäftsführer, bestätigt: "Dass der Boden so felsig ist, haben die Bodensondierungen nicht gezeigt. Das war für uns eine ziemliche Überraschung." Im Vergleich dazu seien die vier Wochen, in denen dieses Jahr gefräst und planiert wurde, eine Kleinigkeit gewesen.

Gut zu wissen

Scherzer & Boss ist eine Neugründung aus den beiden Nürnberger Familienbetrieben Scherzer Gemüse und Gemüse-Fritz Boss. Spatenstich für den ersten Bauabschnitt in Feulersdorf war im April 2017. Im September nahmen die ersten Gewächshäuser ihren Betrieb auf.

 

Regelmäßig finden Führungen für Gruppen statt. Anfragen kann man direkt beim Betrieb in Feulersdorf stellen unter info@scherzer-boss.de

 

Mitte Mai hat der zweite und letzte Bauabschnitt begonnen, den die Gemeinde Wonsees bereits 2017 im Rahmen des Bauantrags genehmigt hatte. Zu den bestehenden neun Hektar Gewächshausfläche kommen nun noch einmal sechs Hektar dazu. Die Produktion soll nächstes Jahr von hundert Tonnen Fruchtgemüse - verschiedene Sorten Tomaten, Gurken, Paprika und Peperoni - pro Woche auf 150 Tonnen steigen. "Die Nachfrage ist groß", bestätigt Betriebsführer Michael Kießling aus Feulersdorf.

 

Die Scherzer & Boss Fruchtgemüse GmbH liefert bayernweit an den Lebensmittel Groß- und Einzelhandel. "Was wir heute ernten, muss morgen in der Theke liegen", betont Kießling. Lieber seien die Tomaten einen Tag länger an der Pflanze, als einen Tag länger im Kühlhaus. Vor allem das Wintergeschäft wird sich mit dem zweiten Gewächshaus mehr als verdoppeln. Zusätzlich zu aktuell 2,2 Hektar im alten, werden im neuen Gewächshaus drei Hektar der Fläche belichtet sein. So bekommen Strauch-, Cocktail-, Eier- und Naschtomaten auch an Regentagen 18 Stunden Tageslicht ab. "3600 Lampen sorgen für ausreichende Belichtung", erklärt Kießling. Die Außenwelt wird davon aber nichts mitbekommen, denn ferngesteuerte Verdunklungsschirme schlucken 99,9 Prozent des Gewächshauslichts.

Die Gewächshäuser gehören zu den modernsten in ganz Deutschland, besonders was die Klimaführung betrifft. "Für die Gesundheit der Pflanzen ist sie das A und O", so Fritz Boss. Innovativ sei vor allem das Air & Energy Klimasystem der niederländischen Firma Ammerlaan Construction. Während in herkömmlichen Gewächshäusern die Luft durch Heizen und Lüften entfeuchtet und erwärmt wird, übertragen beim Air & Energy Klimasystem Plattenwärmetauscher Abluftwärme auf Frischluft und sparen so Energie. Die erzeugen die Feulersdorfer Gewächshäuser ab Januar selbst, mittels zweier Erdgas betriebener Blockheizkraftwerke, die von Oktober bis November installiert werden. Jedes stellt pro Stunde 1,5 Megawatt Strom und 1,7 Megawatt thermische Energie für den Gewächshausbetrieb zur Verfügung. Die Abgase werden via Katalysator gereinigt und das so gewonnene Kohlendioxid als Düngegas im Gewächshaus recycelt. Pflanzen benötigen Kohlendioxid dringend für ihren Stoffwechsel. Durch Photosynthese produzieren sie daraus Zucker. Im Gewächshaus wird die Kohlendioxidkonzentration über dem normalen Wert in der Luft gehalten. Der Mensch merkt das beim Atmen nicht, doch die Pflanzen wachsen um 15 Prozent besser.

Der Feulersdorfer Gemüsebaubetrieb arbeitet nicht nur effizient bei der Einsparung von Treibhausgas, sondern auch bei der Bewässerung. Zwei Regenwasserauffangbecken mit 20 000 und 60 000 Kubikmetern Kapazität, sorgen dafür, dass der Regen auf den riesigen Dachflächen nicht vergeudet wird. Vermischt mit fünf Prozent Brunnenwasser gelangt es in den Gewächshauskreislauf. Jede einzelne der Pflanzen hat über ein Schlauchsystem ihre eigene Wasser-und-Mineralstoff-Versorgung. Auch das Kondenswasser, das im Inneren anfällt, wird über ein aufwendiges Rezirkulationssystem wieder in den Kreislauf eingespeist. "Dieses Jahr haben wir noch kein Leitungswasser gebraucht", erklärt Kießling.

Der Rohbau des neuen Gewächshauses steht, zwei Wochen früher als im Zeitplan vorgesehen. Im Moment werden letzte Planierungsarbeiten durchgeführt, die Glasscheiben gereinigt und die Rohre für das Heizsystem verlegt. Das derzeit 75-Kopf starke Personal wird um weitere 50 aufgestockt. Dafür werden derzeit auf dem Firmengelände auch neue Mitarbeiterunterkünfte gebaut. Zur letzten Bauphase wird das Walzen der maßgeschneiderten Kulturrinnen gehören. In der Woche vor Weihnachten sollen darin 78 000 neue Tomaten- und Gurkensetzlinge angepflanzt werden. Bei Scherzer & Boss stehen die Wurzeln der Pflanzen in einem Substrat aus Kokosfasern. Im Gegensatz zu Erde, sind diese frei von Bakterien und Pilzen, die Pflanzen leiden seltener unter Krankheiten. So spart sich die Firma aufwendigen Pflanzenschutz. Für den Fall, dass doch der eine oder andere Schädling auftaucht, wird eine Armada natürlicher Fressfeinde ausgesetzt, etwa Raubmilben, Florfliegen oder Schlupfwespen. Hummeln, die in speziellen Behältern im Gewächshaus leben, bestäuben die Tomatenblüten.

Wenn der zweite Bauabschnitt abgeschlossen ist, wird die Gewächshausfläche in Feulersdorf insgesamt 15 Hektar betragen. Zum Ausgleich für das bebaute Land legte der Betrieb diesen Sommer acht Hektar Naturbiotope rund um das Firmengelände an, von Bienenweiden und Lurchteichen über Rebhuhnhecken bis hin zu Eidechsenhängen.

Autor

Adriane Lochner
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
16:56 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bewässerung Fruchtgemüse Gemüse Katalysatoren Pflanzen und Pflanzenwelt Pflanzenschutz Photosynthese Stoffwechsel Sträucher Treibhausgase
Feulerdorf
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Im Melkendorfer Schulgarten sind die Peperoni und Tomaten reif.

15.10.2019

Anpacken im grünen Klassenzimmer

Die Gartengruppe der Theodor-Heublein-Schule fährt ihre Ernte ein. Die Arbeit mit der Natur bringt den Mädchen und Buben wertvolle Erkenntnisse und leckeres Essen. » mehr

Schüler der Grundschule Mainleus läuteten auf dem neuen Feld des Bauern Hermann Bayer in Schwarzach die Erdbeer-Saison ein. Foto: Kristina Kobl

06.06.2019

Vom Strauch in den Mund

Kulmbach startete gestern in die Erdbeer-Saison: Erdbeer-Bauer Hermann Bayer eröffnete ein neues Feld in Schwarzach bei Mainleus - und eine ganze Schulklasse pflückte mit. » mehr

Wilfried Löwinger repräsentiert im Bayerischen Bauernverband die Kulmbacher Landwirte. Er sieht besonders die Wohlstandsgesellschaft in der Verantwortung für den Klimaschutz. Foto: Rebecca Ricker

24.09.2019

"Wir müssen Kompromisse treffen"

Wie passen Klimaschutz und Landwirtschaft unter einen Hut? Der Kulmbacher Landwirt Wilfried Löwinger fordert weltweite Lösungen. » mehr

Die Feuerwanzen paaren sich teilweise mehrere Tage lang. Gefährlich sind sie nicht.	Foto: Gabriele Fölsche

17.05.2019

Feuerwanze ist kein Schädling

Im Frühling tauchen sie in Scharen auf: Feuerwanzen. Mit ihrer rotschwarzen Färbung und ihrer Zeichnung fallen sie sofort auf - und viele fragen sich, ob man sie bekämpfen sollte. » mehr

Der Gartenbeauftragte des Verkehrs- und Ortsverschönerungsvereins der Gemeinde Marktschorgast, Rudi Kurz, freut sich auf den Tag der offenen Gartentür am Sonntag. Foto: Bruno Preißinger

19.06.2019

Wunder der Natur in Marktschorgast

Acht Marktschorgaster Familien laden am Sonntag auf ihre Anwesen ein. Zuvor findet ein ökumenischer Gottesdienst statt. » mehr

Bürgermeister Hermann Anselstetter (links) sprach von einer mustergültigen Umweltaktion: "Wir Wirsberger sind dafür dankbar und glücklich."

17.05.2019

Mit jungen Bäumchen für den Klimaschutz

Die Umweltaktionstage an der Realschule stehen ganz im Zeichen des Waldumbaus. Schüler pflanzen nahe Neufang 600 Gehölzsetzlinge. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Turbine leuchtet in Kulmbach Kulmbach

Kulmbacher Turbinenhaus | 16.11.2019 Kulmbach
» 17 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor

Adriane Lochner

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 10. 2019
16:56 Uhr



^