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Kulmbach

Millionen für marode Schwimmbäder

Der Freistaat will den Kommunen dabei helfen, die Freizeiteinrichtungen zu sanieren. Noch ist unklar, ob die Freibäder im Kulmbacher Land von der Förderung profitieren.



Im Thurnauer Freibad müssten die technischen Anlagen erneuert werden. Die Marktgemeinde hofft wie viele weitere Kommunen auf Zuschüsse aus dem neuen bayerischen Förderprogramm. Fotos: Nils Katzenstein
Im Thurnauer Freibad müssten die technischen Anlagen erneuert werden. Die Marktgemeinde hofft wie viele weitere Kommunen auf Zuschüsse aus dem neuen bayerischen Förderprogramm. Fotos: Nils Katzenstein   » zu den Bildern

Himmelkron/Thurnau - Die Besucher erleben den ungetrübten Badespaß. Pünktlich zum Sommeranfang steigen die Temperaturen und es herrscht Hochbetrieb in den Freibädern der Region. Doch bei vielen Gemeinden hält sich die Freude über die Schwimmbadsaison in Grenzen. Denn die Freizeiteinrichtungen sind dringend sanierungsbedürftig. In gut der Hälfe der 860 kommunalen Hallenbäder und Freibäder soll es teils gravierende Mängel geben. Der Freistaat will die nötigen Investitionen ermöglichen und den Kommunen finanziell unter die Arme greifen. Ob Geld aus München auch im Kulmbacher Land ankommen wird, ist noch nicht geklärt.

Risse und Wasserverlust: Allein die Gemeinde Himmelkron müsste mehrere Millionen Euro investieren, um das aus den 1960er-Jahren stammende Becken endlich auf den neuesten Stand zu bringen. Die Risse werden größer, der Wasserverlust sei enorm. "Das bayerische Förderprogramm ist begrüßenswert", sagt Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) im Gespräch mit der Frankenpost. Es sei positiv, dass der Freistaat handelt. Aber Schneider ist skeptisch. "Das Geld wird leider nicht reichen", glaubt er. Denn sowohl die Förderquoten als auch die Gesamtsummen seien zu niedrig bemessen. Nur wenn sie aufgestockt werden und entsprechend der Eigenanteil der Kommunen sinkt, werde das Programm attraktiv.

Der Betrieb des Freibades ist eine freiwillige Leistung, erklärt Gerhard Schneider. Jährlich werden in Himmelkron mehrere Tausend Euro ins Freibad gesteckt, damit der Betrieb weiterlaufen kann. Die nötige Großinvestition sei auch mit der geplanten bayerischen Förderung nicht möglich. In erster Linie müsse die Gemeinde ihren Pflichtaufgaben nachkommen und beispielsweise eine neue Kindertagesstätte für drei Millionen Euro bauen.

120 Millionen Euro in sechs Jahren: Bayerns Bauminister Hans Reichhart (CSU) und der Kronacher CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner haben vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass der Freistaat das Sanierungsprogramm für Schwimmbäder auflegen wird. 120 Millionen Euro stelle die Staatsregierung dazu bereit. Die Förderung läuft über sechs Jahre, heißt es in den Mitteilungen. Hintergrund ist, dass es Kindern auch in Zukunft ermöglicht werden soll, wohnortnah das Schwimmen zu lernen. "Deswegen unterstützen wir die Kommunen jetzt freiwillig mit einem wuchtigen Förderprogramm für Freibäder", teilt der Bauminister mit.

Eigentlich seien die kommunalen Schwimmbäder eine Aufgabe der jeweiligen Gemeinden und Städte, erklärt Baumgärtner. Der Freistaat übernehme nun aber bis zu 55 Prozent der Sanierungskosten von Schwimmbecken, Umkleiden und Technikbereichen. Interkommunale Lösungen sollen dabei besonders berücksichtigt werden. In Bayern gebe es rund 860 kommunale Hallenbäder und Freibäder. Der Mittelbedarf für die Sanierung von Freibädern betrage derzeit etwa 480 Millionen Euro, der durchschnittliche Fördersatz werde entsprechend der individuellen Leistungsfähigkeit der Kommunen bei 25 Prozent liegen. Nicht förderfähig seien Sauna- oder Spaßbadbereiche wie Sprungbecken und Wellenbecken.

In den nächsten Wochen werde das Programm mit den kommunalen Spitzenverbänden endgültig abgestimmt. Damit soll die neue Richtlinie möglichst bald in Kraft treten und die Förderung beginnen.

Katastrophaler Zustand: Vor knapp einem Jahr ist bekannt geworden, dass sich viele Bäder in Bayern in einem katastrophalen baulichen Zustand befinden. Die Städte und Gemeinden schätzten die Sanierungskosten für ihre Bäder damals auf über eine Milliarde Euro. Das ging aus einer Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Adelt hervor. Fraktionskollegin Inge Aures aus Kulmbach sprach von einem Skandal.

Im Landkreis Kulmbach galten die Freibäder in Wirsberg und Stadtsteinach sowie der Naturbadeweiher in Rugendorf als sanierungsbedürftig. Von der Schließung bedroht war das Schwimmbad in Himmelkron. An dem Zustand hat sich bis heute wenig bis gar nichts verändert.

Auch die Thurnauer könnten eine Finanzspritze für ihre Freizeiteinrichtung gut brauchen. "Es wäre eine Erneuerung der technischen Anlagen notwendig", sagt Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU). Aber die finanziellen Dimensionen seien zu groß. Sie gehen in den siebenstelligen Bereich. "Wir haben schon beim Bund einen Förderantrag gestellt, sind aber leider nicht zum Zuge gekommen", sagt Bernreuther. Womöglich wird sich Thurnau nun für das neue bayerische Förderprogramm bewerben. Zunächst will die Marktgemeinde aber prüfen, wie das Programm konkret ausgestattet ist.

Chance nutzen: Ganz ähnlich sieht es in Mainleus aus. "Wenn es für uns eine Chance gibt, dann wollen wir sie nutzen", kündigt Bürgermeister Robert Bosch (CSU) an. Der Markt Mainleus wird sich die Möglichkeiten genau anschauen. Große Investitionen seien im Freibad aber eigentlich nicht nötig. Der Zustand des Hornschuchbades sei gut. Nur das Kinderbecken könnte irgendwann eine Sanierung vertragen.

Kulmbach will Förderprogramm prüfen: Die Stadtwerke Kulmbach wollen in Abstimmung mit Oberbürgermeister Henry Schramm ebenfalls das neue Förderprogramm prüfen. Wenn der Freistaat die Mittel aus seinem neuen Finanztopf bereitstellen kann, dann werde in Kulmbach sofort ein Förderantrag gestellt, um Zuschüsse für die geplante weitere Sanierung des Kulmbacher Freibades zu erhalten. Frühestens für die Freibadsaison 2020 sei dann mit dem möglichen Geld aus München zu rechnen, heißt es bei den Stadtwerken.

Für Ausgaben im Spaßbereich des Bades ist die neue bayerische Förderung nicht gedacht. Im aktuellen Jahr investiert Kulmbach in sein Freibad bereits rund 1,8 Millionen Euro. Davon sind allein 1,4 Millionen Euro für die neue Sprunganlage mit Kletterwand reserviert. Die neuen Attraktionen stehen schon, sind aber noch nicht freigegeben. Derzeit läuft noch die Gestaltung der Außenanlagen.

Die Diskussionen über die Sanierung der Schwimmbäder geht weiter. Die Kommunen überlegen in den kommenden Wochen und Monaten, ob sie das Geld aus München verwenden können und wollen. Die Entscheidungen fallen, sobald die genauen Förderrichtlinien vorliegen, heißt es in den Rathäusern.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
21. 06. 2019
17:26 Uhr

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Stefan Linß

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21. 06. 2019
17:26 Uhr



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