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Kulmbach

Mit Pauken und Trompeten

Die Kulturinitiative Trebgast beweist ein glückliches Händchen. Bavarian Brass gefällt beim Gastspiel in der Johanneskirche.



Bavarian Brass im Altarraum der Johanneskirche (von links): Benjamin Sebald, Dominik Ring, Christoph Günther, Florian Zeh, Volker Hemedinger, Georg Schäffner. Im Vordergrund das imposante Marimbaphon.	Fotos: Dieter Hübner
Bavarian Brass im Altarraum der Johanneskirche (von links): Benjamin Sebald, Dominik Ring, Christoph Günther, Florian Zeh, Volker Hemedinger, Georg Schäffner. Im Vordergrund das imposante Marimbaphon. Fotos: Dieter Hübner   » zu den Bildern

Trebgast - 25 Jahre gibt es die Gruppe Bavarian Brass nun schon. Beim Konzert in Trebgast wusste sie zu überzeugen. Nach der Begrüßung von Vorsitzendem Hans-Jürgen Moos, der das Ziel des Vereins darin sieht, die Kultur in Trebgast hoch zu halten, bot das Sextett in den barocken Mauern der Markgrafenkirche ein Klangerlebnis, das die Seele berührte - Unterhaltung, und doch angemessene Kirchenmusik.

Die Vollblutmusiker bestätigten ihre exzellente Ausbildung und ihr Können gleich zu Beginn mit "Pastime with good Company", dem bekanntesten Lied, das der englische König Heinrich VIII (1491 bis 1547) schrieb und das von den Freuden der Jagd, des Tanzes und des Gesangs erzählt.

Schon gleich danach füllten die vier Trompeter Benjamin Sebald, Florian Zeh, Volker Hemedinger und Dominik Ring, mit den "schmetternden Tönen der munt’ren Trompeten" (Bachkantate) die ganze Länge des Kirchenschiffs. Der berühmte Choral "Jesus bleibet meine Freude", gehört zu den meistarrangierten Bachstücken. Das "Ave Maria", mit der Vertonung Giulio Romano Caccinis arrangiert, strahlte eine immense, andächtige und feierliche Faszination aus.

Es folgte das erste Orgelsolo: "Toccata und Fuge in D-Moll, das wohl mit Abstand bekannteste Orgelwerk europäischer Kunstmusik. Präludium (Vorspiel), Fuge, und der als "Recitativo" bezeichnete Schlussabschnitt - alle Teile harmonisch miteinander verbunden und überzeugend gespielt von Regionalkantor Georg Schäffner aus Gößweinstein. Dieses viel gespielte Stück so fulminant zu präsentieren, war für die zahlreichen Zuhörer Musikspaß pur.

Dass Christoph Günther nicht nur durch sein filigranes Spiel an den Pauken besticht, bewies er bei seinen Soloauftritten am Marimbaphon. Dieses imposante Instrument, ursprünglich aus Afrika stammend, kam mit dem Sklavenhandel nach Zentralamerika, wurde in Nordamerika durch industrielle Fertigung mit Klangeigenschaften ausgestattet, die den Ansprüchen heutiger Musikinterpretation genügen, und erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts nach Europa gebracht. Es war mucksmäuschenstill im Kirchenoval, als Christoph Günther mit vier Schlegeln gleichzeitig "A little prayer" von Evelyn Glennie und "Dr. Gradus ad Parnassum" von Claude Debussy intonierte, nein - zelebrierte, sehr einfühlsam, unter die Haut gehend. Einer der Höhepunkte dieses Abends.

Nach "En Aranjuez, con tu amor" (In Aranjuez, mit dir, meine Liebe), einem Liebeslied von Joaquin Rodrigo, des mit fünf Jahren erblindeten Altmeisters der spanischen Neoromantik, erklangen - jetzt von der Empore aus - mit "Palladio", "Benedictus" und "Adiemus" drei Stücke von Karl William Jenkins. Dann - wieder im Altarraum - leichter Trommelwirbel, Gesang der vier Trompeter, nach und nach Einsatz der Trompeten, Flügelhörner und des Corno da Caccia, einem Waldhorn: Die berühmte Bolero-Variation von "Conquest of Paradise" des griechischen Komponisten Vangelis - ein Feuerwerk aus bombastischer Bläsermusik, gepaart mit Orgel- und Schlagwerkklängen. Das bekannte zeitgenössische Werk "Highland Cathedral" beendete den offiziellen Teil eines Konzerts, das mit Leidenschaft und Herzblut von hochklassigen, sympathischen Virtuosen präsentiert wurde. Herz und Seele des Ensembles ist ihr Leiter Benjamin Sebald, aus dessen Feder auch der Großteil der Arrangements stammt.

Zwei Zugaben waren das i-Tüpfelchen eines bemerkenswerten Abends. Georges Bizets "Habanera" aus "Carmen" auf dem Marimbaphon und die Fanfaren des Präludiums aus dem "TeDeum" von Marc-Antoine Charpentier, bekannt als die Eurovisions-Melodie.

Ein außergewöhnliches Konzert in lockerer Atmosphäre, mit einem abwechslungsreichen Programm, das nicht nur wegen des hohen künstlerischen Anspruchs seinesgleichen sucht. Das 25., und damit letzte Konzert im Jubiläumsjahr findet am 28. Dezember in der Pfarrkirche St. Magdalena in Geisfeld bei Bamberg statt.

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Dieter Hübner
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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
17:10 Uhr

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Autor

Dieter Hübner

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2019
17:10 Uhr



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