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Kulmbach

Mit Risiko und Herzblut zum Erfolg

Birgit Rodler hat vor zehn Jahren die Fahnenfabrik Meinel in Marktleugast gekauft. Jetzt ist sie für den Unternehmerinnen-Award der Mittelstandsvereinigung nominiert.



Schon im Juni beginnt in Birgit Rodlers AFW Creativ-Stickerei die Faschingssaison. Die meisten der Karnevalsmützen werden nach Köln geliefert. Seit 2018 ist die Marktleugaster Firma offizieller Partner des Deutschen Fußball-Bundes. Alle Wimpel der Nationalmannschaft stammen von AFW. Foto: Lena Buckreus
Schon im Juni beginnt in Birgit Rodlers AFW Creativ-Stickerei die Faschingssaison. Die meisten der Karnevalsmützen werden nach Köln geliefert. Seit 2018 ist die Marktleugaster Firma offizieller Partner des Deutschen Fußball-Bundes. Alle Wimpel der Nationalmannschaft stammen von AFW. Foto: Lena Buckreus  

Marktleugast/Bayreuth - Birgit Rodler strahlt über das ganze Gesicht, als sie den Besprechungsraum der AFW Creativ-Stickerei in Marktleugast betritt. Die 58-Jährige ist voller Lebensfreude und hat immer einen passenden Spruch parat, der ihr Gegenüber zum Schmunzeln bringt. Als sie beginnt, von der Geschichte ihres Unternehmens zu erzählen, verblasst das Strahlen etwas, die offene Art aber bleibt. Seit zehn Jahren führt sie jetzt die Stickerei.

Der Herzenspreis

Der Unternehmerinnen-Award 2019 Oberfranken der Mittelstandsvereinigung BVMW wird am Dienstag, 29. Oktober, im Bayreuther "Liebesbier" verliehen. Geehrt werden die Damen in verschiedenen Kategorien: Unternehmerin des Jahres 2019, Start-up-Unternehmerin des Jahres 2019 und dem "Herzenspreis - die Frau im Unternehmen 2019". Als Laudatoren für die Preisverleihung treten unter anderen die CSU-Bundestagsabgeordnete Silke Launert und Sissy Thammer an. Für die Auszeichnung vorgeschlagen wurden Unternehmerinnen aus ganz Oberfranken. Auch die Awards selbst werden von Firmen aus der Region hergestellt. Weitere Infos gibt es unter www.bvmw.de

nehmerinnen-award.


Im April 2009 beschließt Rodler kurzerhand, die insolvente Firma Meinel aufzukaufen, holt sich ihre Schwestern, ihre Cousine und den Berater Bernhard Schubert von den Aktivsenioren Bayern ins Boot. Damit hat die Stickerei fünf Gesellschafter. "Das Aus der Firma Meinel ist mitten in die Zeit der Finanzkrise hineingefallen. Geld von den Banken haben wir 2009 nicht bekommen, deshalb mussten wir unsere Privatvermögen einbringen. Das war schon ein großes Risiko", erzählt Rodler.

Vor der Insolvenz der Fahnenfabrik Meinel war Birgit Rodler dort jahrelang als Maschinenstickerin tätig, hatte einen guten Draht zur Seniorchefin Eleonore Meinel. Diese war es auch, die Rodler dazu riet, den Mut zu fassen und die Firma zu übernehmen. Am Anfang der Selbstständigkeit mussten die vier Frauen improvisieren, erinnert sich Rodler zurück. Das Wohnzimmer musste als Büro und eine Garage als Näherei herhalten. Bis AFW - was für Abzeichen, Fahnen, Wimpel steht - in eine ehemalige Kfz-Werkstatt in Mannsflur zog. "Mit sieben Mitarbeitern haben wir angefangen, heute sind wir eine 30-köpfige Belegschaft", sagt Rodler. Vor zwei Jahren hat sich die Firma deshalb auch räumlich vergrößert. Der neue Sitz ist in der Kulmbacher Straße in Marktleugast, in einer ehemaligen Bekleidungsfabrik. Sechs Stickmaschinen wurden in den vergangenen zehn Jahren angeschafft.

"Wir haben es uns hier schön gemacht, die Wände sind alle bunt, so wie es sich für eine Stickerei gehört", sagt die quirlige Firmenleiterin bei der kleinen Führung durch die Produktion. "Das geht aber nur, weil alle zusammenhalten. Das Firmengelände halten wir selbst in Schuss, auch der Rasen wird von uns selbst gemäht." Im Besprechungszimmer zeigt die Unternehmerin als Erstes auf die großen Wimpel, die AFW seit einigen Jahren für den Deutschen Fußball-Bund näht. Seit 2018 ist die Firma offizieller Partner des DFB. Alle Wimpel, die bei Länderspielen und Europa- sowie Weltmeisterschaften vom Mannschaftskapitän übergeben werden, stammen aus Marktleugast. "Wir haben die Nationalmannschaft sozusagen zum Weltmeister genäht", sagt Rodler und lacht, als sie gerade ein schwarz-rot-goldenes Exemplar zeigt. Die Firma näht außerdem Wimpel für Bundesliga-Mannschaften, stickt für einen deutschen Sportartikelhersteller, stellt Vereinsfahnen, Abzeichen und natürlich Karnevalsmützen her. Für Letztere ist gerade Hochsaison: "Ab Juni geht bei uns der Karneval los. 80 Prozent der Mützen gehen nach Köln, aber wir haben auch Kunden in Holland, Belgien und der Region", erklärt die 58-Jährige.

Birgit Rodler beschreibt sich selbst als Familienmensch. In ihrer Freizeit unternimmt sie, so oft es geht, etwas mit ihren beiden Enkelkindern. Und sie hat bis vor zwei Jahren in der Grafengehaiger Theatergruppe mitgespielt. "Da habe ich meistens Rollen wie die Magd oder die strenge Hausfrau gehabt", sagt sie lachend.

Auch Firmenberater Bernhard Schubert kann ein paar typische Züge an Birgit Rodler finden: "Sie ist mit Herzblut bei der Sache und auf sie ist zu 100 Prozent Verlass. Sonst hätte sie es mit ihrer Firma nicht so weit gebracht."

Genau deswegen hat der ehrenamtliche Berater Birgit Rodler für den Unternehmerinnen-Award "Herzenspreis - die Frau im Unternehmen" vorgeschlagen. Der Award wäre nicht die erste Auszeichnung für die aufgeschlossene Stickerei-Leiterin: Unter anderem erhielt sie 2016 für ihren unternehmerischen Mut den Bayerischen Verdienstorden, wurde 2011 Unternehmerfrau im Handwerk. Im Jahr 2012 hat Rodler die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft erhalten und 2013 folgte für die AFW Creativ-Stickerei der Große Preis des Mittelstandes.

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Lena Buckreus
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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
20:54 Uhr

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Lena Buckreus

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Veröffentlicht am:
23. 08. 2019
20:54 Uhr



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