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Kulmbach

Mit der Leidenschaft im Bein

Im Jahr 1989 erlebte der FC Ludwigschorgast sein Fußballmärchen: den Aufstieg in die Bezirksoberliga. Die Helden von damals schwelgen noch heute in Erinnerungen.



Die letzte "goldene Generation" des FC Ludwigschorgast. Unser Bild zeigt (hinten von links) Uwe Rothert, Joachim Schwieder, Michael Dworeck, Peter Haas, Karl-Heinz Schmitt, Alexander Eber, Martin Bastobbe, Uwe Wittmann, Winfried Haas und den damaligen sportlichen Leiter Harald Trahorsch; vorne (von links) Ralf Förtsch, Udo Laaber, Werner Günther, Reinhard Hildner, Stefan Biener, Jürgen Braunersreuther, Rudi Günther, Thomas Ströhlein und Stefan Buß.	Foto: Tobias Braunersreuther
Die letzte "goldene Generation" des FC Ludwigschorgast. Unser Bild zeigt (hinten von links) Uwe Rothert, Joachim Schwieder, Michael Dworeck, Peter Haas, Karl-Heinz Schmitt, Alexander Eber, Martin Bastobbe, Uwe Wittmann, Winfried Haas und den damaligen sportlichen Leiter Harald Trahorsch; vorne (von links) Ralf Förtsch, Udo Laaber, Werner Günther, Reinhard Hildner, Stefan Biener, Jürgen Braunersreuther, Rudi Günther, Thomas Ströhlein und Stefan Buß. Foto: Tobias Braunersreuther  

Ludwigschorgast - Ludwigschorgast stand Kopf, als der FC am 28. Mai 1989 die Meisterschaft in der Fußball-Bezirksliga Ost feierte. Ein unvergessener und legendärer Aufstieg in die Bezirksoberliga war perfekt. Die Spieler badeten im Dorfbrunnen. An diesem Tag verlor der FC gegen den SSV Kasendorf vor 700 Zuschauern zwar mit 2:4, hatte sich aber schon vorzeitig den Titel gesichert. Zweifellos erlebten die Fußballer des FC ihre Blütezeit Ende der 1980er-Jahre.

Mit Begeisterung statt Geld: Was selbst kühnste Optimisten nicht für möglich gehalten hatten: Die Bezirksliga, in die man 1988 aufgestiegen war, blieb nur eine Durchgangsstation. Der große Coup gelang eine Saison später mit dem Sprung in die Bezirksoberliga. Ein Ereignis, das als "Sportmärchen des FC Ludwigschorgast" in die Vereinsgeschichte einging. Drei Jahre mischte der kleine Provinzclub im Konzert vieler oberfränkischer Großvereine wie FC Bamberg, VfB Coburg, FC Lichtenfels und BSV Bayreuth mit. Das Erfolgsrezept der FC-Mannschaft, die sich zum Großteil aus Spielern zusammensetzte, die ihrem Verein schon seit der Schülerzeit verbunden waren, lag an ihrer Verschworenheit, Konditionsstärke und ihrem gesunden Selbstvertrauen. Sie spielte nicht für Geld, sondern mit Herz und Begeisterung. "Und wenn es einmal eine Punkteprämie gab", so ein Spieler, "dann wurde sie wieder im Sportheim gelassen". Es herrschte ein Geben und Nehmen. Seinen Anteil am Erfolg hatte natürlich auch Spielertrainer Klaus Hain, der Halt und Vorbild einer jungen, ehrgeizigen Truppe war.

Der Kapitän geht voran: Werner Günther, der das Treffen organisiert hatte, war ein echtes Ludwigschorgaster Eigengewächs. Seit seinem siebten Lebensjahr schnürte er die Fußballstiefel für den FCL. Den Sprung in die erste Mannschaft schaffte er auf Anhieb. Seither führte der Weg in seiner sportlichen Laufbahn stets nach oben: von der damaligen B-Klasse bis in die BOL. Kampfmoral und Wendigkeit waren seine Markenzeichen. Als Kapitän ging er immer voran.

Zusammen mit seinem Bruder Rudi, den seine besondere Kopfballstärke auszeichnete, bildete er ein erfolgreiches Tandem, das den gegnerischen Stürmern das Leben schwer machte. "Zwischen den Jahren von 1959 und 1969 gab es gute Jahrgänge mit vielen Talenten, die auch menschlich zusammenpassten." Noch heute erinnert er sich genau an die harten Vorbereitungszeiten unter Klaus Hain mit dreimaligem Training in der Woche und ein, zwei Spielen am Wochenende. Unvergessen blieben Werner Günther die kräftezehrenden Laufeinheiten. Zum Beispiel ging es auf der steilen Bergstraße im Ort oft rauf und runter. "Das Training von damals ist mit dem heute nicht mehr zu vergleichen. Das würde jetzt keiner mehr mitmachen. Aber jeder Spieler hat voll mitgezogen, keiner wollte zurückbleiben. Schließlich wollte man am Spieltag auf dem Platz stehen und nicht auf der Bank sitzen." Eine besondere Erinnerung hat er noch an seinem Doppeleinsatz: vormittags als Feuerwehrmann bei einem Brand in Hegnabrunn, und am Nachmittag als Fußballer in Waldsassen. Nicht unerwähnt ließ er auch den Zusammenhalt mit der Reservemannschaft und die Unterstützung des Frauen-Fan-Clubs. Und: "Ob bei Sieg oder Niederlage, nach jedem Spiel wurde im Sportheim eingekehrt, auch beim Gegner. Das war für uns eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn es auf dem Platz manchmal zur Sache ging, danach war alles vergessen."

Rekordspieler mit 1200 Einsätzen: Wie kein anderer hat Jürgen Braunersreuther, ein weiteres FC-Urgestein, die Höhen und Tiefen des Vereins erlebt. Der Rekordspieler mit über 1200 Einsätzen erhielt mit 17 Jahren die Spielberechtigung für die erste Mannschaft. Seitdem hatte der offensive Mittelfeldspieler nicht nur einen Stammplatz, sondern führte der Weg in seiner Laufbahn stets nach oben - bis zur Bezirksoberliga. Von dort "durchlief" er als Einziger wieder alle Klassen bis runter zur B-Klasse heute. Denn "Brauni" ist noch immer aktiv, jetzt in der B-Klasse. Und das mit 56 Jahren. Warum? "Mir macht der Fußball noch Spaß, ich fühle mich fit, und gebe meine Erfahrungen gerne an die Jüngeren weiter." Klaus Hain nannte er einen "ausgefuchsten" Trainer, der schon beim FC Bayern Hof in der Bayernliga gespielt hatte. Hain hatte schnell erkannt, dass er eine pflegeleichte Truppe übernommen hat, in der Potenzial steckt. Hervorzuheben ist bei Jürgen Braunersreuther seine unglaubliche Vereinstreue. Denn er hatte durchaus Angebote von höherklassigen Vereinen.

Doch er entschied sich für Ludwigschorgast und seine gewohnte Umgebung. "Das Schöne an der Meisterschaft in der Bezirksliga war, dass uns niemand auf dem Schirm hatte und wir uns klammheimlich an die Tabellenspitze setzten."

Wie eine Familie: Die weiteste Anreise hatte Peter Haas, der jetzt in Murnau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wohnt. Vor allem für den Angriff war der ballgewandte und antrittsschnelle Dribbler wie sein Bruder Winfried im Mittelfeld ein wertvoller Spieler. Wenn Peter Haas in den gegnerischen Strafraum drang, deutete der Schiedsrichter nicht selten auf den Elfmeterpunkt. Gerne erinnert sich der Linksfüßler an die Auswärtsspiele mit dem Bus. "Der war voll besetzt, weil viele Fans mitfuhren. Heimwärts herrschte oft eine tolle Stimmung. Selbst als wir beim FC Bamberg 0:4 verloren hatten, wurde ein Bier aufgemacht und gesungen. Nur einer schüttelte mit dem Kopf: Klaus Hain. Wir waren wie eine richtige Familie."

Der Alte und der Youngster: Ralf Förtsch kam in der Winterpause der Bezirksligasaison 1988 vom ATS Kulmbach nach Ludwigschorgast. Der "Alte" war mit seinen Torjägerqualitäten eine echte Verstärkung. So gingen viele Treffer auf sein Konto. Er war ein sicherer Elfmeterschütze. Ein kurioses Tor erzielte er in Ebern. "Der Torwart ließ den Ball fallen, weil er an ein Foul geglaubt hatte. Da reagierte ich blitzschnell und schob das Leder ins Tor."

Der Youngster im Team war Stefan Buß. Der defensive Mittelfeldspieler entstammt einer echten Tannenwirtshauser Fußballerfamilie. Sein Vater Siegfried spielte in der legendären Buß-Elf. Das Talent wurde "freigemacht". Der Wechsel von der Jugend in die erste Mannschaft war allerdings nicht leicht, weshalb er zunächst noch des Öfteren die Bank drücken musste. Doch schaffte er bald den Durchbruch und wurde als Libero zu einem Leistungsträger. Das entging auch höherklassigen Vereinen nicht. "Ein Tages stand Picco Schütz vor meiner Tür und verpflichtete mich zum SC Weismain. Damit lief Buß wie sein Kumpel Alexander Kritzenthaler ein Jahr zuvor für den Landesligisten auf. "Mein schönstes und erstes Tor in der erstes Mannschaft des FC hatte ich in Warmensteinach geschossen, als ich einen Freistoßball aus 30 Metern in die Maschen setzte."

Das Zusammengehörigkeitsgefühl als Erfolgsrezept: Beim damaligen C-Klassisten SV Cottenau spielte Uwe Rothert, bevor er sich dem FC anschloss. Auch er kletterte die Erfolgsleiter hoch, von der B-Klasse bis zur Bezirksoberliga. Leider zog sich der zuverlässige Vorstopper im zweiten Heimspiel in der Bezirksoberliga gegen den ATS Kulmbach vor 800 Zuschauern einen Bänderriss zu. "Seitdem konnte ich nicht mehr spielen." Es war ein Derby, das es vorher noch nie gab und 1:4 endete.

Für Stefan Biener, den Freistoßspezialisten, war das Kollektiv der entscheidende Faktor für den Erfolg. "Ob Mannschaft, Umfeld oder Publikum, da hat alles gepasst. Dieses Erlebnis wird mir keiner mehr nehmen. Das wird mir immer bleiben."

Immer wieder wurde von allen Spielern das Wir-Gefühl und die Kameradschaft betont. Torhüter Karl-Heinz Schmitt, Nachfolger von Martin Bastobbe, bezeichnete die Kameradschaft als "unübertrefflich". Als Kupferberger hat er in Ludwigschorgast "seine schönste Zeit als Fußballer erlebt und viele Freunde gefunden."

Vom Wunder zurück auf dem Boden der Tatsachen: Ein denkwürdiges Spiel in der Domstadt, über das man im Ort noch heute spricht, ging in die Vereinsgeschichte ein. So fand der 2:0-Sieg gegen das damalige Starensemble des SC 08 Bamberg Beachtung in den Gazetten mit Schlagzeilen wie "Fußballwunder ersten Ranges" oder "Ludwigschorgast sorgt für Sensation". Torschützen waren Klaus Hain und Udo Laaber.

Leider sind die glorreichen Jahre beim FC Ludwigschorgast längst vorbei. Heute kann der Verein nicht einmal mehr eine eigene Herrenmannschaft stellen. Wegen Personalnot wurde in der Winterpause die Reserve zurückgezogen und bei der "Ersten" zu Saisonbeginn eine Spielgemeinschaft mit dem FC Kupferberg gebildet. So ändern sich die Zeiten.

Autor

Tobias Braunersreuther
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 08. 2019
17:26 Uhr

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Tobias Braunersreuther

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Veröffentlicht am:
28. 08. 2019
17:26 Uhr



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