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Kulmbach

Mit einem Lächeln in die zweite Reihe

Stefan Schaffranek war zwölf Jahre Stellvertreter des OB. Jetzt gibt der 62-Jährige sein Amt als Bürgermeister in jüngere Hände. Ganz aufgeben wird er die Politik nicht.



Mit der Plassenburg und dem Bierstadel im Hintergrund verabschiedet sich Stefan Schaffranek (links) von seinem Amt als Stellvertreter des Oberbürgermeisters. WGK-Vorsitzender Dr. Ralf Hartnack ist Schaffraneks Wunschkandidat als sein Nachfolger. Am Donnerstag bereits wird Hartnack sehr wahrscheinlich zum neuen Bürgermeister gewählt. Foto: Melitta Burger
Mit der Plassenburg und dem Bierstadel im Hintergrund verabschiedet sich Stefan Schaffranek (links) von seinem Amt als Stellvertreter des Oberbürgermeisters. WGK-Vorsitzender Dr. Ralf Hartnack ist Schaffraneks Wunschkandidat als sein Nachfolger. Am Donnerstag bereits wird Hartnack sehr wahrscheinlich zum neuen Bürgermeister gewählt. Foto: Melitta Burger  

Kulmbach - Mehr als 34 Jahre ist Stefan Schaffranek im Stadtrat und im Kreistag. 20 Jahre war er Vorsitzender der WGK-Stadtratsfraktion und nahezu zwölf Jahre war er der zweite Bürgermeister von Kulmbach und Stellvertreter von OB Henry Schramm. Jetzt, sagt der 62-Jährige, sei es an der Zeit, einen Schritt zurückzutreten. Seine Mandate im Stadtrat und im Kreistag wird Schaffranek behalten. Sein Bürgermeisteramt gibt er aber mit sofortiger Wirkung auf. Nicht etwa aus Verärgerung, sondern weil er der Meinung ist, dass nach so vielen Jahren ganz vorne ein Platz in der zweiten Reihe auch nicht schlecht ist. Bereits am kommenden Donnerstag wird mit hoher Wahrscheinlichkeit WGK-Vorsitzender Dr. Ralf Hartnack als Schaffraneks Nachfolger ins Bürgermeisteramt gewählt.

Stefan Schaffranek ist nachdenklich, als er vor den Medien seinen Rücktritt bekanntgibt. Aber er lächelt auch sehr viel. Etwa, wenn er davon erzählt, was sein größter Tag in seiner politischen Laufbahn gewesen ist: Der 20. Juni 2017, als das bayerische Kabinett in Kulmbach bekanntgab, dass die Stadt als Sitz der siebten Fakultät der Uni Bayreuth ausgewählt wurde. "Über so viele Jahre haben wir uns bemüht. Henry Schramm hat mit einem Riesenelan dafür gearbeitet. Das war eine historische Entscheidung für Kulmbach. Wenn es so kommt, sichert dieser Beschluss der Stadt den Rohstoff Geist für viele Jahrzehnte." Von ähnlich großer Bedeutung, erzählt der 62-Jährige, sei vor etwa hundert Jahren der Stadtratsbeschluss gewesen, die Quellgebiete bei Marktschorgast zu kaufen. "Das sichert uns bis heute unser Wasser und hat die große Industrieansiedlung überhaupt erst möglich gemacht."

Gerade 28 Jahre alt war Stefan Schaffranek, als er über die WGK-Liste in den Stadtrat gewählt wurde. Auf Platz 15 sei er angetreten, in dem sicheren Glauben, nicht gewählt zu werden. Es sollte anders kommen. Schaffranek zog auf Anhieb nicht nur in den Stadtrat, sondern auch in den Kreistag ein und blieb dort bis heute. Viermal war er Spitzenkandidat der WGK. Mit drei Oberbürgermeistern hat er zusammengearbeitet: Dr. Erich Stammberger, Inge Aures und in den vergangenen knapp zwölf Jahren Henry Schramm.

Von Anfang an war Schaffranek Bürgermeister und Stellvertreter des OB. Ganz an der Spitze eng eingebunden zu sein habe ihm gefallen, räumt Schaffranek ein. Unzählige Beschlüsse, vom Bau der Mainbrücke über neue Wohnbaugebiete bis hin zur Gestaltung des EKU-Platzes hat Schaffranek mitgestaltet. Nachhaltigkeit, sagt er, sei für ihn wie auch für Henry Schramm stets im Vordergrund gestanden. Wie sie sich positionieren, das haben die beiden Männer oft auch bei Spaziergängen mit ihren Hunden besprochen. Dabei sei durchaus hart gerungen worden, aber immer mit einem positiven Ergebnis. "Die Stellvertreterposition ist nicht einfach. Man muss hohes Vertrauen zueinander haben, sonst gibt es Ärger. Auch wenn wir uns zuweilen massiv auseinandergesetzt haben, war das gemeinsame Ziel immer, was gut für Kulmbach ist." Menschlich wertvoll und inhaltlich zielführend sei die Zusammenarbeit immer gewesen.

Kommunalpolitik, sagt Schaffranek, macht Spaß. Viel Kontakt mit Menschen zu pflegen, viele Erfahrungen sammeln und etwas bewegen zu können, habe ihm immer gefallen. "Wo ich auch war, bin ich freundlich und respektvoll aufgenommen worden. Es ist eine sehr schöne Aufgabe, eine Stadt zu repräsentieren." Das Ehrenamt sei für ihn sehr wichtig, betont der scheidende Bürgermeister. "Es ist toll, wie sich so viele Menschen in Kulmbach einbringen. Was da geleistet wird, ist enorm."

Kein Wunder, wenn Schaffranek nun sagt, die vergangenen zwölf Jahre als Bürgermeister der Stadt seien die schönsten seiner politischen Laufbahn gewesen. Die enge Zusammenarbeit mit dem OB habe er sehr geschätzt, auch die noch größere Verantwortung und das tiefe Eintauchen in Themen. Dennoch sei es jetzt Zeit für ihn. "Ich will nicht bis zum Schluss an einem Amt kleben und möchte die Dinge gut und geregelt übergeben."

Den Entschluss, das Bürgermeisteramt aufzugeben, habe er schon Weihnachten 2017 getroffen und dann mit seiner Familie besprochen. "Meine Frau und meine Töchter haben das all die Jahre mitgetragen." Jetzt, sagt Stefan Schaffranek, will er seine frei werdende Zeit nutzen, um den Töchtern im Reisebüro zu helfen, das Unternehmen noch besser aufzustellen. Und ganz offen räumt er auch ein: "Nach so langer Zeit in der Verantwortung bin ich auch ein bisschen 'verbraucht'". In erster Linie sei er immer noch Unternehmer. "Ich habe sehr viel Zeit in die Kommunalpolitik investiert. Man muss einen Zeitpunkt finden, wo man sagt, es hat Spaß gemacht, aber beides zusammen wird schwierig."

Sondierungsgespräche für seinen Wunsch-Nachfolger hat Schaffranek bereits geführt. OB Schramm habe seine Unterstützung bereits zugesagt. Mit Dr. Ralf Hartnack verbinde ihn nach 17 Jahren nicht nur eine politische, sondern auch eine persönliche Freundschaft, sagt der scheidende Bürgermeister. Der 43-Jährige, Chef eines Bauingenieurbüros, ist seit 2004 Vorsitzender der WGK, seit vier Jahren im Stadtrat und Fraktionsvorsitzender. Über sich und seine Ziele will der Mann, der wohl am Donnerstag neuer Bürgermeister von Kulmbach wird, noch nicht ausführlich sprechen. Erst einmal, sagt er, müsse er gewählt sein.

Die Verdienste Stefan Schaffraneks zu würdigen, hielt Hartnack zu diesem Zeitpunkt für wichtiger als sich selbst darzustellen. "Die WGK ist eigentlich Stefan Schaffranek. Es gibt bei uns nur ganz wenige Einzelpersonen, die unseren politischen Verein so vorangebracht haben wie er." Aber auch die Bürger, sagt Hartnack, haben immer gewusst, dass sie sich auf Stefan Schaffranek verlassen können. "Er hat in dieser Zeit Tausende kleinster Anfragen von Bürgern bearbeitet, die sich immer darauf verlassen konnten, dass er sich wirklich kümmert."

Das schaffe Vertrauen, und das habe sich auch in den Wahlergebnissen der WGK niedergeschlagen. Stefan Schaffranek habe die WGK zu ihren besten Wahlergebnissen geführt. "So etwas kann man nur machen, wenn man Politik lebt, sich selbst hinten anstellt und die Stadt in den Vordergrund hebt."

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
17:42 Uhr

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12. 07. 2018
17:42 Uhr



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