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Kulmbach

Mosaikjungfer ist Gartentier des Jahres

Die Libelle ist ein faszinierender Flugkünstler, der bereits seit Millionen Jahren auf der Erde ist. Ihren 30 000 Augen entgeht nichts.



Die blasse Junglibelle muss nach dem Schlüpfen noch ein bis zwei Stunden in der Sonne ruhen. Erst dann sind die Flügel soweit erhärtet, dass sie ihren ersten Flug wagen kann. Fotos: Gabriele Fölsche
Die blasse Junglibelle muss nach dem Schlüpfen noch ein bis zwei Stunden in der Sonne ruhen. Erst dann sind die Flügel soweit erhärtet, dass sie ihren ersten Flug wagen kann. Fotos: Gabriele Fölsche   » zu den Bildern

Kulmbach - Das Gartentier des Jahres gehört zur Familie der Edellibellen. Es ist die Blaugrüne Mosaikjungfer. Mit einer Körperlänge von bis zu acht Zentimetern und einer Flügelspannweite von bis zu elf Zentimetern gehört sie zu den größten ihrer Art.

"Von den 79 heimischen Libellenarten werden 35 Spezies auf der Roten Liste der gefährdeten Insekten aufgeführt", weiß Alexander Kusche von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Und auch, dass die Blaugrüne Mosaikjungfer noch nicht als gefährdet gilt. Denn das Gartentier des Jahres 2019 ist eher genügsam. "Den Großteil ihres Lebens verbringt sie nicht als Fluginsekt. Die Larven leben bis zu drei Jahre lang im Wasser, bevor sie sich in die schillernde Libellen verwandeln. Sie tolerieren Sauerstoffmangel und Frost. Die Ansprüche an die Gewässerqualität und -struktur sind nicht sehr hoch ", sagt Kusche.

Mitte Juni dann sehen die Larven einer ausgewachsenen Libelle schon recht ähnlich. Nun kriechen die Larven an einem Pflanzenstängel aus dem Wasser empor. Unter der äußeren Larvenhaut verbirgt sich bereits die fertige Libelle. Die Larvenhaut platzt auf dem Rücken mit einem Längsriss auf. Aus diesem Riss schieben sich zunächst Brust und Flügel, dann Kopf, Beine und Hinterleib heraus. Zurück bleibt die leere Larvenhaut, Exuvie genannt.

Die blasse Junglibelle muss nun noch ein bis zwei Stunden in der Sonne ruhen. Erst dann sind die Flügel soweit erhärtet, dass sie ihren ersten Flug wagen kann. Mit dem ersten Flug beginnt für die junge Mosaikjungfer eine Zeit der Wanderschaft. Diese Phase wird auch Reifungsflug genannt. In dieser Zeit nimmt die Mosaikjungfer stark an Gewicht zu und bildet ihre typische Färbung aus. Nach drei bis sechs Wochen ist die Libelle geschlechtsreif und kehrt an ihr Gewässer zurück. Libellen sind echte Urviecher. Die ältesten Vorfahren der heutigen Arten umschwirrten schon im Karbon vor 358 bis 298 Millionen Jahren die Sumpfwälder, die heute als Steinkohle abgebaut werden. Diese Libellen waren aber deutlich größer. "Fossilien belegen eine Flügelspannweite bis zu 72 Zentimetern. Der Körperbau und die Lebensweise der Libellen haben sich jedoch in den letzten 150 Millionen Jahren kaum noch verändert. Sie sind eine Erfolgsgeschichte der Evolution", sagt Kusche.

Die Evolution hat den Luftakrobaten gleich mehrere erstaunliche Fähigkeiten mit auf den Weg gegeben: Die großen Facettenaugen bestehen aus bis zu 30 000 Einzelaugen. Auf der Kopfoberseite liegen zusätzlich drei kleine Punktaugen, die als Gleichgewichtsorgan schnelle Flugbewegungen koordinieren können. Ins Schwärmen kommt Alexander Kusche, wenn er von der Flugfähigkeit der Libellen erzählt: "Sie sind im Flug grandiose Insektenjäger. Können abrupte Wendemanöver einleiten, in der Luft stehen bleiben und sogar auf Grund ihrer unabhängigen Anordnung der vier Flügel, rückwärts fliegen. Während der Paarungszeit patrouillieren die Männchen entlang des Gewässers. Sie bleiben häufig im Flug in der Luft stehen, um nach Weibchen Ausschau zu halten. Dabei kommen sie manchmal den Menschen recht nahe: "Einige Arten sind recht neugierig und umkreisen Menschen oder Objekte, um sie von allen Seiten betrachten zu können.

"Hartnäckig hält sich das Gerücht, Libellen würden stechen. Sie sind aber völlig harmlos und besitzen keinen Stachel", weiß Alexander Kusche. Während die Naturfreunde der Heinz-Sielmann-Stiftung die Blaugrüne Mosaikjungfer unter weiteren fünf Teichbewohnern als Botschafter für ihre gefährdeten Artgenossen wählten, haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen die Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae) zur "Libelle des Jahres 2019" gekürt.

"Sie gilt bereits als gefährdet", sagt Alexander Kusche. "Im Landkreis Kulmbach gibt es nur zwei Fundpunkte, wo die Heidelibelle nachgewiesen wurde. Und zwar im Frankenwald." Denn im Gegensatz zur Mosaikjungfer ist diese Art auf Nieder-Moorbereiche und flaches, stehendes Gewässer angewiesen. Wer die Libellen schützen will, hält in seinem Gartenteich keine Fische: "Goldfische fressen die Larven, aber auch den Nachwuchs des Molches", sagt der Fachmann.

Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist gut an den ovalen, grün gefärbten Flecken auf dem Rücken zu erkennen. Auf dem schwarzen Hinterleib der Männchen sind oben grüne oder blaue Flecken sehr charakteristisch angeordnet. Bei den Weibchen sind alle Flecken braunschwarz-grün.

Autor

Gabriele Fölsche
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Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
17:12 Uhr

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Autor

Gabriele Fölsche

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Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
17:12 Uhr



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