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Kulmbach

Nachbarskrieg um Pferdeäpfel

Ein Landwirtsehepaar macht Pferde scheu, obwohl zwei Reiterinnen darauf sitzen. Jetzt stand das Ehepaar aus dem Landkreis Kulmbach vor Gericht.



Nachbarskrieg um Pferdeäpfel
Nachbarskrieg um Pferdeäpfel  

Bayreuth - Sie haben vermutlich genug Mist geschippt im Leben: Ein Landwirtsehepaar will nicht ständig auch noch den Pferdemist der neu zugezogenen Nachbarn wegschaffen. Der Ärger darüber kocht derart hoch, dass die beiden mit Lärm die Pferde scheu machen. Eine Straftat, für die das Ehepaar nun vor Gericht landete.

Zum Glück für den 66-jährigen Landwirt und seine 61-jährige Frau lautet der Anklagevorwurf "nur" auf "versuchter gefährlicher Eingriff in der Straßenverkehr". Die Einschränkung "versuchter" beschreibt, dass das strafbare Handeln der Angeklagten zwar gefährlich war, jedoch folgenlos blieb: Die Frau mit Doktortitel, die im August 2016 zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter am Anwesen der Angeklagten im Landkreis Kulmbach vorbeiritt, ist eine erfahrene Reiterin. So erfahren, dass sie nicht nur ihr eigenes Pferd, sondern auch das ihres Kindes zügeln konnte.

Nicht zügeln wollte die Reiterin sich in ihrem Ärger über die Angeklagten, benannte einen nachfolgenden und einen entgegenkommenden Autofahrer als Zeugen und zeigte das Ehepaar an. Wer sich mit Pferden auskennt weiß, wie gefährlich es ist, sie scheu zu machen: Pferde sind klassische Fluchttiere, sie können aus dem Stand rasant beschleunigen.

Der Fall sollte zunächst per Strafbefehl abgehandelt werden, jedoch legten die Angeklagten Einspruch ein, so dass es im Mai 2017 zu einem erstinstanzlichen Prozess beim Amtsgericht in Kulmbach kam. Dort wurden die Angeklagten zu Geldstrafen verurteilt. Die legten Berufung ein - der Streit um die Pferdeäpfel kam nun vor das Landgericht in Bayreuth.

In der Berufungsverhandlung unter Vorsitz von Werner Kahler legten die Eheleute Geständnisse ab: Sie hätten sich geärgert, dass die Pferde der Nachbarin immer wieder vor ihr Haus gesch... hätten. Und damals absichtlich Lärm gemacht, um die Pferde auf die andere Straßenseite zu vertreiben: Mit lautem Rufen, in die Hände klatschen und mit einem über einen steinernen Terrassenboden gezogenen Metallstuhl. Ihr Verteidiger Werner Brandl erklärte, dass der Streit mit den Nachbarn seither beendet sei.

Die Reiterin mit dem Doktortitel und ihre Familie waren zwei Jahre vor dem Vorfall aufs Land gezogen, jedoch war das Idyll anfangs durch Streitigkeiten mit den Angeklagten gestört - immer ging es um die Pferde. Richter Werner Kahler erklärte, er habe sich vor der Berufungsverhandlung bei der Polizei in Kulmbach erkundigt: Er habe die Auskunft bekommen, dass der Nachbarschaftskrieg tatsächlich ruhe.

Rechtsanwalt Brandl erläuterte dann das Ziel der Berufung: "Muss es sein, dass die Angeklagten verurteilt werden? Oder reicht vielleicht eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage?"

Staatsanwältin Eva Heßler erteilte ihre Zustimmung unter der Bedingung, dass die Angeklagten Geldauflagen bezahlen. Die Angeklagten waren mit der Zahlung von insgesamt 1200 Euro einverstanden. Die Berufungskammer stellte das Verfahren ein und der Vorsitzende Kahler ermahnte die beiden: "Stellen sie sich vor, das Kind wäre vom Pferd gestürzt. Dann wären sie wegen ganz anderer Vorwürfe vor Gericht gekommen."

Autor

Manfred Scherer
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Veröffentlicht am:
25. 01. 2019
20:34 Uhr

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Manfred Scherer

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25. 01. 2019
20:34 Uhr



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