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Kulmbach

Neue Sorgen um die Amsel

Kulmbachs häufigster Gartenvogel aus dem Jahr 2017 rutscht bei der 2019er-Zählung auf Platz sechs ab. Das Usutu-Virus dezimiert auch in Franken die Populationen.



Amseln sind vom Usutu-Virus bedroht. Im Kreis Kulmbach gab es mehrere Verdachtsfälle. Foto: Tim Brakemeier/dpa
Amseln sind vom Usutu-Virus bedroht. Im Kreis Kulmbach gab es mehrere Verdachtsfälle. Foto: Tim Brakemeier/dpa  

Kulmbach - Die Amsel ist im Sinkflug. Der als Schwarzdrossel bekannte Vogel wird nun auch im Landkreis Kulmbach seltener. Die Bestände sind nach 2017 eingebrochen. Zu diesem Resultat kommt die Zählaktion "Stunde der Wintervögel". Ob für den Rückgang das tödliche Usutu-Virus verantwortlich ist, dafür gibt es bislang keinen zweifelsfreien Beweis. Allerdings breitet sich der aus den Tropen stammende Erreger, der durch Stechmücken übertragen wird, in der Region aus. Vor wenigen Monaten ist er bereits im Raum Nürnberg bei toten Amseln nachgewiesen worden.

Das Ergebnis

Die Zählaktion "Stunde der Wintervögel" ist vorüber. Die letzten Nachmeldungen sind am Dienstag eingegangen. Im Landkreis Kulmbach haben sich 182 Vogelfreunde beteiligt. Sie haben in 102 Gärten insgesamt 4214 Vögel gesichtet.

Auf der Liste der häufigsten Vögel des Kulmbacher Landes liegt heuer genauso wie im Vorjahr die Kohlmeise ganz vorne. Dahinter haben Feldsperling und Blaumeise die Plätze getauscht. Der Erlenzeisig hat einen großen Sprung auf Rang vier gemacht. In Klammer finden sich die jeweiligen Vorjahresplatzierungen:

1. (1.) Kohlmeise

2. (3.) Feldsperling

3. (2.) Blaumeise

4. (15.) Erlenzeisig

5. (4.) Haussperling

6. (5.) Amsel

7. (10.) Elster

8. (6.) Grünfink

9. (12.) Rotkehlchen

10. (13.) Buchfink


Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hatten erneut zu ihrer bundesweiten Mitmachaktion aufgerufen. Für die aktuelle Zählung gibt es nun die ersten Ergebnisse. Das Resultat kann sich noch geringfügig verändern. Denn einige Zählungen sind erst kurz vor Meldeschluss am Dienstag eingegangen.

Sechs Meisen pro Garten: Im Landkreis beteiligten sich heuer 182 Vogelfreunde. In 102 Gärten haben sie insgesamt 4214 Vögel gezählt. Die häufigste Art im Raum Kulmbach ist demnach die Kohlmeise. Die am weitesten verbreitete Meisenart Europas kommt in 92 Prozent aller Kulmbacher Gärten vor. Durchschnittlich leben in jedem Garten sechs Kohlmeisen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang um zwei Prozent. Trotzdem hat es erneut für Platz eins gereicht. Auch 2018 war die Kohlmeise bei der "Stunde der Wintervögel" im Landkreis ganz vorne.

Virus-Verdachtsfälle: Sorgen bereitet den Vogelschützern die Amsel. Als häufigster Gartenvögel kam sie vor zwei Jahren in Kulmbach noch auf den ersten Platz. Damals war sie in 97 Prozent aller Gärten verbreitet. Die Gesamtzahl der Amseln lag bei 1262. Das war der bislang höchste Wert. In jeden Garten lebten 2017 rechnerisch 6,37 Amseln.

Damals haben sich die Vogelschützer gewundert. Denn schon 2017 grassierte das tropische Usutu-Virus in Deutschland. Bayern ist von dem Amsel-Sterben aber noch verschont geblieben.

Mittlerweile hat das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg das Virus auch bei Amseln in Franken nachgewiesen. Betroffen ist der Raum Nürnberg. Hauptverbreitungsgebiete sind der Norden, Westen und Südwesten Deutschlands. Im Landkreis Kulmbach gab es 2018 vereinzelte Usutu-Verdachtsfälle. Wie sich herausstellte, waren die vom Institut untersuchten Amseln aber nicht von dem Virus befallen.

Schlechtestes Ergebnis: Die Bestände der Amsel sind seit dem Ausbruch der Seuche in ganz Deutschland zurückgegangen. Mit bundesweit nur 2,75 Amseln je Garten und einem Verlust von zwölf Prozent fährt die Art bei der aktuellen Zählung ihr mit Abstand schlechtestes Winterergebnis ein, teilt der Nabu mit. "Sicherlich war der trockene Juli schlecht für das Überleben der Jungvögel, die so in der für sie wichtigsten Zeit keine Regenwürmer finden konnten", heißt es. Doch die Usutu-Epidemie sei offenbar der Hauptgrund für den Rückgang.

Nur noch 331 Amseln: Im Landkreis Kulmbach hat sich die Amselpopulation nach dem Rekordjahr 2017 ebenfalls stark dezimiert. Die "Stunde der Wintervögel" zeigt, dass die Gesamtzahl von 1262 auf 639 im Jahr 2018 gesunken ist. Bei der aktuellen Zählung waren es nur noch 331 Amseln. Von den im Schnitt 6,37 Amseln, die 2017 in jedem Kulmbacher Garten lebten, sind 2018 rechnerisch 3,67 übrig geblieben. 2019 sind es 3,25. Von ehemals 97 Prozent ist die Amsel heute nur noch in 90 Prozent der Gärten gesehen worden.

Vorsichtige Entwarnung: Es sei aber nicht zu befürchten, dass das Usutu-Virus zu bedrohlichen Bestandsveränderungen in unserer Vogelwelt führt, gibt der LBV eine vorsichtige Entwarnung. Populationsgefährdend seien die Einbrüche sicher nicht. Wissenschaftler haben für andere Vogelarten überhaupt keinen Einfluss des Usutu-Virus auf die Bestände ermitteln können. "Selbst bei der Amsel ist davon auszugehen, dass mit der sich innerhalb der Population ausbildenden individuellen Immunität und nach dem daraus resultierenden Ende des Seuchenzugs auch wieder eine Bestandserholung einsetzt", teilt der LBV mit.

Erlenzeisig die Überraschung: Wie die "Stunde der Wintervögel" weiter zeigt, sind die Bestände vieler anderer Arten stabiler. Im Raum Kulmbach liegen hinter der bestplatzierten Kohlmeise bei der diesjährigen Zählung Feldsperling und Blaumeise. Der Erlenzeisig ist die große Überraschung. Er kommt aktuell im Kulmbacher Land auf Rang vier. Im Vergleich zu 2018 ist er elf Plätze nach vorn geflattert. Durchschnittlich 4,15 Erlenzeisige sind pro Garten gezählt worden. Im vergangenen Jahr lag die Zahl noch bei 0,82.

Star, Gimpel und Eichelhäher, die im Vorjahr auf den Plätzen sieben, acht beziehungsweise neun lagen, haben es nicht unter die zehn häufigsten Vogelarten geschafft. Der Gimpel ist auf Platz 15 zurückgefallen, der Eichelhäher auf Platz 16. Und der Star rutscht auf Rang 27 ab.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
15. 01. 2019
17:56 Uhr

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15. 01. 2019
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