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Kulmbach

Neue Trasse nimmt Fahrt auf

Die Ortsumgehung für Fassoldshof, Rothwind und Mainroth wird konkreter. Bis Sommer will das Staatliche Bauamt die fertigen Pläne für die B 289 vorlegen.



9000 Autos und Lastwagen fahren jeden Tag durch Mainroth und die Nachbarortschaften Rothwind und Fassoldshof. Eine neue Umgehung soll die Ortskerne ruhiger machen. Fotos: Stefan Linß
9000 Autos und Lastwagen fahren jeden Tag durch Mainroth und die Nachbarortschaften Rothwind und Fassoldshof. Eine neue Umgehung soll die Ortskerne ruhiger machen. Fotos: Stefan Linß   » zu den Bildern

Rothwind/Mainroth - Der Auftakt ist gemacht. Die neue Ortsumgehung für Fassoldshof, Rothwind und Mainroth ist ein Stückchen näher an ihre Umsetzung herangerückt. Emmi Zeulner hatte zur Informationsveranstaltung die Anwohner und das Staatliche Bauamt nach Mainroth eingeladen. Die CSU-Bundestagsabgeordnete wollte wissen, wann der Bau der neuen Bundesstraßen-Trasse beginnen kann und das 22,3-Millionen-Euro-Projekt Fahrt aufnimmt. Den Schätzungen zufolge könnten im Maintal frühestens in zweieinhalb Jahren die ersten Bagger loslegen. Doch es gibt noch eine Reihe von Unwägbarkeiten und planerischen Herausforderungen.


9000 Fahrzeuge pro Tag: Gut 50 Bürger informierten sich aus erster Hand über den Stand der Planungen. Die B289 erfülle eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen Coburg, Kulmbach und Bayreuth, erklärte Kurt Schnabel, der Leiter des Staatlichen Bauamtes in Bayreuth. "Entsprechend hoch ist die Verkehrsbelastung." Es sei nicht verwunderlich, dass in den Orten der Wunsch nach einer Verlagerung der Straße aufgekommen ist. 9000 Fahrzeuge durchqueren pro Tag Mainroth. Damit liege das Aufkommen auf der Bundesstraße über dem oberfränkischen und leicht unter dem bayernweiten Durchschnitt. "Maßgeblich ist die Dringlichkeitseinstufung", sagte Kurt Schnabel. Schon im Jahr 2003 sei die Ortsumfahrung von Fassoldshof, Rothwind und Mainroth als Straße des vordringlichen Bedarfs eingeschätzt worden. Danach habe die Behörde mit der Planung begonnen.

Die Suche nach einer Trasse sei abgeschlossen. Favorisiert werde die Südlinie. Die neue B289 beginnt in Richtung Lichtenfels nach dem Ortsausgang von Schwarzach, verläuft dann am Fußballplatz in Fassoldshof vorbei an Rothwind durch das Maintal südlich der Bahnlinie, bis sie hinter Mainroth wieder auf den alten Verlauf schwenkt und bis zum Bahnübergang bei Mainklein führt. Die Strecke ist 4,7 Kilometer lang.


22,3 Millionen Euro: Für das Projekt sind im Jahr 2015 Baukosten in Höhe von 22,3 Millionen Euro veranschlagt worden. Das Bundesverkehrsministerium hat 2016 den Neubau haushaltsrechtlich genehmigt. "Der Nutzen des Projekts ist sechsfach höher als die Kosten. Man kann also von einer hohen Bauwürdigkeit sprechen", sagte Kurt Schnabel.

Das Staatliche Bauamt erstellt aktuell die Planfeststellungsunterlagen. Bis zum Sommer soll der Bauantrag gestellt werden. Weil die neue Trasse im Bereich der Stadt Burgkunstadt und des Marktes Mainleus verlaufen soll und damit die Landkreise Lichtenfels und Kulmbach zuständig sind, komme es zu einem höheren Abstimmungsbedarf.


Mehr Sicherheit und Ruhe: Jörg Panzer, Planer im Staatlichen Bauamt, informierte die Bürger über die Details. Allein die unübersichtliche Kuppe in der Mainrother Ortsdurchfahrt zeige, dass die Verkehrsführung der Bundesstraße nicht mehr zeitgemäß ist. Auf der derzeitigen Strecke befinden sich insgesamt 18 Ein- und Ausfahrten und Abbiegemöglichkeiten. Auf der neuen Trasse sind nur noch zwei vorgesehen. "Dadurch wird die Zahl der Gefahrenstellen reduziert. Es erhöht sich die Sicherheit und es verbessert sich der Verkehrsfluss", sagte Jörg Panzer.

Eine Studie besage, dass die Ortschaften durch die Umgehung massiv entlastet und beruhigt werden. 90 Prozent des Schwerlastverkehrs würden von der Ortsdurchfahrt auf die neue Trasse verlagert. Eine Maßgabe ist, dass so wenig Land wie möglich verbraucht wird, betonte der Planer. Auch eine nachträgliche Elektrifizierung der Bahnstrecke wäre möglich, weil die Straßenbrücken hoch genug seien.


Geschützte Zauneidechse: Die Planungen sind zeitlich ein wenig zurückgeworfen worden, weil sich herausgestellt hat, dass in dem Bereich die in ihrem Bestand gefährdete Zauneidechse lebt. Entsprechend der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie weicht die Straßentrasse um zwei Meter von ihrem ursprünglich angedachten Verlauf ab. Zudem werden Ersatz-Habitate und weitere Ausgleichsflächen geschaffen.

Das neue Bauprojekt sieht vor, parallel zur Bundesstraße ein Wegesystem für die Landwirtschaft zu errichten. Der Mainradweg soll im Großen und Ganzen in seinem bisherigen Verlauf beibehalten werden.

Einige Schwierigkeiten bringt das Gelände mit sich. Die neue Trasse verläuft in einem Überschwemmungsgebiet. Sie soll künftig auch einem 100-jährlichen Hochwasser Stand halten können. Darüber hinaus werde geprüft, welcher Schallschutz nötig ist, damit Anwohner nicht unter dem Verkehrslärm leiden. Die Öffentlichkeit soll weiter informiert und in die Planung mit einbezogen werden, betonte das Staatliche Bauamt.


Die Zeitplanung: "Wann die ersten Bagger rollen, dafür lässt sich noch kein konkreter Termin nennen", sagte Jörg Panzer. Es sei beispielsweise möglich, dass gegen das Projekt geklagt wird. Mehrere Jahre werden noch vergehen. Vergleichbare Bauvorhaben lagen aufgrund von Klagen sieben Jahre auf Eis.

Bauamtsleiter Schnabel wurde auf Nachfrage von Emmi Zeulner konkreter. Wenn im Sommer das Planfeststellungsverfahren beginnen kann, dauere es in der Regel noch bis zu zwei Jahre. Liegt dann der Planfeststellungsbeschluss vor, könne somit im schnellsten Fall in rund zweieinhalb Jahren mit dem Bau begonnen werden.

Dass es bei den veranschlagten 22,3 Millionen Euro bleibt, gilt als unrealistisch. Die Baupreise unterliegen derzeit einer dynamischen Steigerung von jährlich etwa zehn Prozent, erklärte Projektplaner Panzer.
Ein Standortfaktor: Zusätzlich zu Melkendorf, Untersteinach, Kauerndorf und Stadtsteinach könnte im Landkreis Kulmbach damit in den kommenden Jahren die nächste große Ortsumgehung vor der Verwirklichung stehen. "Wir bauen die Straßen nicht aus Prinzip", stellte Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner klar. Die neuen Verkehrswege seien ein wichtiger Standortfaktor für die Unternehmen. Sie ermöglichen es, schneller von Ort zu Ort zu kommen, sie erhalten deshalb die Arbeitsplätze in der Region und halten somit Familienverbunde zusammen.

"Wir brauchen jetzt Klarheit und müssen wissen, ob wir es machen wollen", sagte Emmi Zeulner. Die Politik könne nicht über Jahre hinweg Dinge versprechen, die dann nicht eingehalten werden. Die Chance für die Ortschaften sei jetzt da. Von Chancen spricht auch der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch. Rothwind und Fassoldshof erhalten die Möglichkeit, dass der größte Teil des Schwerlastverkehrs aus dem Ort verschwindet und die Dorfkerne aufgewertet werden, sagte er.

Mainleus hat seine Umgehung 1992 erhalten. "Wir haben uns daran gewöhnt, dass es ruhiger ist und können uns nicht mehr vorstellen, dass wir den ganzen Verkehr im Ort haben", sagte Robert Bosch. Zumal abzusehen sei, dass der Güterverkehr noch zunehmen wird. In den Gesprächen mit den Bürgern aus den Ortsteilen Fassoldshof und Rothwind sei aber auch klar geworden, dass nicht alle hinter der neuen Umgehung stehen. "Es gibt Stimmen, die sagen, dass es ein großer Flächenverbrauch ist", sagte der Bürgermeister. Zudem entlaste die neue Trasse zwar die Anwohner an der Ortsdurchfahrt. Jedoch schaffe sie auch neue Betroffenheiten. Diese Bedenken müssen aufgenommen und bewertet werden, forderte Robert Bosch.

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Stefan Linß
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Veröffentlicht am:
13. 01. 2019
16:02 Uhr

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Stefan Linß

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