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Kulmbach

Neues Zuhause: Hund entdeckt Eichhörnchen-Kinder

Drei verwaiste Eichhörnchen aus Stadtsteinach haben eine neue Heimat gefunden. Entdeckt hat die possierlichen Tierchen Australian Shepherd Maja.



Mit der Zieh-Mutter kann man auch Spaß haben: Sie ist nicht nur Futterquelle, sondern eignet sich auch für kleinere Kletter-Touren. Fotos: Klaus Rössner
Mit der Zieh-Mutter kann man auch Spaß haben: Sie ist nicht nur Futterquelle, sondern eignet sich auch für kleinere Kletter-Touren. Fotos: Klaus Rössner   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Den halben Tag verpennen, gut futtern und immer wieder "nen Drink, dazu noch mächtig Spaß haben: Es gibt Lebensentwürfe, die deutlich unbequemer sind. Aber wieso Stress haben, wenn’s auch viel entspannter geht? Die gepflegte Form des Dolce Vita zelebrieren drei Geschwister, die neuerdings bei Laura Schramm eingezogen sind. Die Stadtsteinacherin päppelt Eichhörnchen auf, die sie als Vollwaisen in ihrem Garten fand.

Steckbrief

Eichhörnchen - in der Fachsprache als Sciurus vulgaris und regional unter anderem als Eichkätzchen oder Eichkater, Katteker und Eichkatzerl bekannt - bewohnen neben Wäldern und Parkanlagen hin und wieder auch private Gärten. Futter, Sicherheit und ausreichend hohe Bäume sind nötig, damit sich die Eichhörnchen hier wohlfühlen und zu häufigen Gästen werden. Gartenbesitzer können einiges dafür unternehmen, das eigene Grün entsprechend tierfreundlich zu gestalten. Der Lohn für die Mühe sind putzige Baumbewohner, auf deren Speiseplan auch einige Schädlinge und deren Larven stehen.

 

Eichhörnchen werden zwischen 20 und 25 Zentimeter groß und haben einen 15 bis 20 Zentimeter langen Schwanz. 200 bis 400 Gramm bringen die kleinen Tiere auf die Waage. Das Fell kann am Körper hellbeige bis schwarz sein, Bauch und Rücken sind meist deutlich heller. Die Hörnchen können ein Alter von bis zu zwölf Jahren erreichen, schaffen dies in freier Wildbahn aber nur selten. Der lange Schwanz der tagaktiven Tiere wird zum Balancehalten und als steuerndes Ruder bei weiten Sprüngen verwendet. Außerhalb der Paarungszeiten sind die Eichhörnchen in der Regel Einzelgänger, leben gelegentlich aber auch in Gruppe. Männchen und Weibchen sind weder an Größe, noch Gewicht oder Fellfarbe zu unterscheiden. Quelle: Gartenfreund

 

Ohne Hündin Maja wären die Eichhörnchen Laura Schramm vielleicht gar nicht aufgefallen. Ihr Australian Shepherd stand wie versteinert vor einer großen Tanne im Garten. Vor Maja ein Eichhörnchen, das keinerlei Fluchtverhalten zeigte. Schnell war klar: Das Jungtier ist verwaist, von der Mutter keine Spur.

Damit nicht genug: Nach und nach regte sich im Baum weiteres Leben, und zwei Geschwister des Findlings kletterten den Baum herunter. "Es war schon irgendwie verrückt: Die sind richtig auf mich zugekommen und mir nachgelaufen", erinnert sich Laura an die außergewöhnliche Begegnung am Freitag vorletzter Woche. Schnell war klar, dass sich die kleinen Gesellen in einer Notlage befinden. Ohne Hilfe wären sie dem Tod geweiht gewesen.

Doch nicht bei Laura Schramm. Die Stadtsteinacherin hat ein großes Herz, wenn es um Tiere geht. Junge Vögel, Igel und einiges mehr: All das hat sie schon gerettet und aufgepäppelt. Aber Eichhörnchen? Damit hat die 31-Jährige keinerlei Erfahrung.

Was also tun? Hilfe nahte in Gestalt von Jens Pöhner. Das Stadtsteinacher Original - ein ausgewiesener Tier-Fan mit großer Erfahrung - hat Laura alle Tipps und Tricks vermittelt, die es bei der Aufzucht der wenige Wochen alten Knirpse zu beachten gibt. "Ohne ihn hätte ich das sicher nicht geschafft."

Dann musste es flott gehen: Das Trio zieht erst mal ein in eine geräumige Behausung, die eigentlich für Hunde gedacht ist. Eine Heizdecke, Socken und alte Pullover sorgen für ein angenehmes, wohnliches Ambiente, in dem es sich gut pofen lässt. "Die mögen Wärme und kuscheln sich ganz eng aneinander", weiß die Zieh-Mutter zu berichten. "Die meiste Zeit verschlafen sie".

Unterbrochen werden die ausgedehnten Ruhezeiten nur fürs Futtern. Wenn angerichtet ist, bekommen die rot-braunen Knirpse Katzen-Aufzucht-Milch, die sie sich genüsslich munden lassen. Da wird schon mal kräftig geschmatzt, wenn die Pipette mit dem nahrhaften Inhalt gereicht wird.

Je älter die Findel-Kinder werden, desto häufiger variiert das Menue. Walnüsse, Apfelstückchen oder auch Sonnenblumen-Kerne bereichern die Tafel. Die ist häufig gedeckt: In frühester Jugend brauchen die putzigen Gesellen alle vier Stunden Nachschub. Die Nachtruhe ist damit hinüber. "Das soll man sich nicht zu leicht vorstellen. Es kann ganz schön stressig werden" , sagt die Kauffrau, die im elterlichen Betrieb arbeitet. Aber ihre Mutter hat Verständnis für die Tierliebe ihrer Tochter und erlaubt es ihr, die Arbeit fürs Füttern zu unterbrechen.

Unterstützung bekommt Laura zusätzlich von Andreas Sartison, mit dem sie befreundet ist. Er war von der ersten Minute an beim Eichkatzen-Projekt dabei und hat auch seine Freude an den possierlichen Bengeln. Mit Füttern allein ist das Werk noch nicht vollbracht. Laura reibt vorsichtig die Bäuchlein ihrer Zieh-Babys. Das muss sein, um die Verdauung zu stimulieren. Mit vollem Magen und bei dieser angenehmen Behandlung kann es leicht sein, dass die kleinen Gesellen schon mal einnicken auf Lauras Arm. Gegen ein Verdauungsschläfchen in Ehren ist doch nichts einzuwenden, oder?

So lebt es sich recht kommod, was man den Dreikäsehochs auch ansieht. Binnen einer Woche hat das Trio um 50 Prozent zugelegt. Jetzt bringt jeder der Youngsters stolze 90 Gramm auf die Waage. Doch nicht nur das Gewicht nimmt zu, sondern auch die Agilität. Halbstarke Eichhörnchen entwickeln sich zu richtigen Rabauken. Vor ihnen ist dann nichts mehr sicher.

Daher muss Laura ihre Untermieter bald umsiedeln: Im Wohnzimmer können sie nicht bleiben. Eine neue Bleibe ist schon im Bau. Draußen, auf der überdachten Terrasse, wird ein Gehege ähnlich einer Voliere errichtet. Schließlich will man ja, dass es den Kids gut geht. Auf diese Weise ist vorgesorgt für eine weitere, unbeschwerte Jugend. Die aber bald schon vorbei sein wird. Im Alter von zwölf Wochen werden Eichhörnchen erwachsen. Dann bricht für sie ein neuer Lebensabschnitt an. Denn Laura will die Kleinen keinesfalls behalten. Sie werden ausgewildert, sollen zurück in ihren Lebensraum. "Es sind Wildtiere. Ich entlasse sie in die Freiheit. Eingesperrt sein, das ist nichts für sie", ist Laura überzeugt.

Freilich hofft sie, dass ihre Ziehkinder sich nicht allzu weit entfernen und in den nahen Bäumen ein Quartier beziehen. Und sollte es ihnen dort zu langweilig werden, können sie jederzeit wieder vorbeischauen im Gehege, dessen Tür immer offen sein wird. Und das weiterhin bestückt sein wird mit schmackhaften Leckereien. "Nüsse to go" wird es immer für sie geben, im Hotel "Laura".

Autor

Klaus Rössner
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Veröffentlicht am:
22. 05. 2020
16:00 Uhr

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Klaus Rössner

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22. 05. 2020
16:00 Uhr



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