Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Kulmbach

Neustart mit 52 Jahren

Ihr Leben lang hat die Kulmbacherin Beate Sandler als Friseurin gearbeitet. Vor zwei Jahren entschloss sie sich, in die Pflege zu gehen. Es war der richtige Schritt, sagt sie heute.



An ihrem Arbeitsplatz am Kulmbacher Klinikum fühlt sich Beate Sandler rundum wohl.	Foto: Kristina Kobl
An ihrem Arbeitsplatz am Kulmbacher Klinikum fühlt sich Beate Sandler rundum wohl. Foto: Kristina Kobl  

Kulmbach - Blutzuckermessgerät statt Schere: Beate Sandler war fast 52 Jahre alt, als sie sich entschloss, ihr Arbeitsgerät, das sie seit ihrer Lehrzeit zur Friseurin ein Leben lang begleitet hatte, an den Nagel zu hängen. "Ich hatte einfach nochmal Lust, etwas Neues zu machen", stellt sie fest. Und: "Ich habe es nicht bereut."

Mit Unterstützung der Arbeitsagentur in den Pflegeberuf

Um Fachkräfte für den boomenden Markt der Pflegeberufe zu gewinnen, gibt es Unterstützung von der Arbeitsagentur. Aktuell sind in der Kranken- und Altenpflege im Agenturbezirk Bayreuth-Hof rund 10 750 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 1200 mehr als vor vier Jahren.

Angesichts des fast flächendeckenden Fachkräfteengpasses in Pflegeberufen setzen Arbeitsagenturen und Jobcenter auf die berufliche Weiterbildung. So haben in den letzten drei Jahren 220 Teilnehmer eine Qualifizierung zur examinierten Altenpflegefachkraft begonnen.

Dabei hilft auch, dass Arbeitsagenturen und Jobcenter im Rahmen der "Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege" die Weiterbildung wie bisher für die gesamten 3 Jahre fördern können. Die für das dritte Ausbildungsjahr sonst erforderliche Kofinanzierung durch Dritte ist hier nicht erforderlich.

Die Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof kann im Jahr 2019 über das bekannte Förderprogramm für Beschäftigte ein besonderes Angebot machen: Für die Dauer der einjährigen Ausbildung als Pflegefachhelfer/in kann die Agentur für Arbeit dem Arbeitgeber einen besonders hohen Arbeitsentgeltzuschuss von 75 Prozent des Arbeitgeber-Bruttolohnes als Lohnersatz anbieten.

Für alle Fragen rund um die Förderung diverser Weiterbildungen berät der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur individuell und unverbindlich. Erste Ansprechpartnerin ist Brigitte Hennig, Telefon 09287/9911 32.


Die Schere wird auch an ihrem neuen Arbeitsplatz in leicht abgewandelter Form gebraucht. Allerdings von anderen, den Operateuren im OP-Saal. Beate Sandler arbeitet auf der Station für Orthopädie und Unfallchirurgie am Kulmbacher Klinikum. Vor zwei Jahren hat die Kulmbacherin am Klinikum eine sechswöchige Ausbildung zur Krankenpflegehelferin absolviert. Seitdem übt sie diesen Beruf dort aus - bis vor Kurzem in Vollzeit und jetzt, aus privaten Gründen, mit 30 Stunden in der Woche. Die Tätigkeit ist in zwei Schichten unterteilt. Die Frühschicht dauert von 6 bis 14 Uhr, die Spätschicht von 13.30 bis 21.30 Uhr. Auch das hat Beate Sandler nicht abgeschreckt. "Man weiß ja, auf was man sich einlässt."

Sie sei immer gerne Friseurin gewesen, sagt Beate Sandler. "Aber ich wollte mich einfach nochmal verändern." Außerdem habe sie sich irgendwann zu alt dafür gefühlt, jedem neuen Frisurentrend hinterherlaufen zu müssen. "Den Umgang mit anderen Menschen, den ich als Friseurin ja täglich hatte, den mag ich aber. Das ist auch meine Stärke." Also sollte es wieder ein Beruf sein, in dem die heute 54-Jährige viel Kontakt zu anderen Menschen hat.

Dass Kräfte für die Pflege gebraucht werden, wusste die Kulmbacherin. Also informierte sie sich genauer und absolvierte probeweise ein Kurzpraktikum in einem Altenheim. "Das hat mir schon sehr gefallen." Doch dann las sie in der Zeitung, dass das Klinikum Kulmbach einen Lehrgang zur Krankenpflegehelferin anbietet und die ausgebildeten Kräfte anschließend übernimmt. "Das hat mich sofort angesprochen. Ich habe mich beworben und wurde genommen."

Es folgten vier Wochen Schule und zwei Wochen praktische Ausbildung - und dann ging es schon in die Vollen. Seitdem hilft Beate Sandler den Patienten auf der orthopädischen Station beim Waschen und beim Anziehen, macht die Betten, misst ihren Zucker oder hängt Infusionen ab. "Wir Pflegehelfer unterstützen eben die Schwestern, damit sie mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit haben."

Dass der Beruf durchaus anstrengend ist, stört die humorvolle und zupackende Mittfünfzigerin nicht. "Man bekommt so viel zurück", stellt sie fest. Sie sei ja auf einer Station, in der es eher selten vorkomme, dass sie es mit todkranken Patienten zu tun habe. Sie geht Menschen zur Hand, die nach einem Unfall gesund gepflegt werden oder nach einer orthopädischen Operation - etwas am Knie- oder Hüftgelenk - wieder aufgebaut werden. "Mitzuerleben, wie es den Leuten dann Zug um Zug wieder besser geht, das ist schon ein schönes Gefühl."

Und immer wieder gibt es für Beate Sandler ein Dankeschön von ihren Patienten. "Auch das Umgekehrte kommt natürlich manchmal vor, aber auch das gehört zum Leben dazu", stellt sie lakonisch fest. Am häufigsten bekommt sie das zu hören, was früher oft schon ihre Kunden im Friseursalon zu ihr gesagt haben: "Sie haben so ein ansteckendes Lachen, da muss man einfach mitlachen."

Ab und zu ist dieses Lachen auch noch an ihrer alten Wirkungsstätte, dem Friseursalon H2O im Kulmbacher Hirschengässchen, zu vernehmen. Denn dem ist sie zumindest als Kundin treu geblieben. Und wenn sie sich dann die Haare schneiden und in Form bringen lässt, wird natürlich wieder wie früher mit den Kolleginnen gescherzt und viel gelacht.

Den Kontakt zu ihnen hat die Kulmbacherin nie abreißen lassen, jetzt ist er eben privater Natur. Der Jobwechsel, so sagt sie, war für sie die richtige Entscheidung. "Ich würde es auf jeden Fall noch einmal machen. Und wenn ich vor zwei Jahren zehn Jahre jünger gewesen wäre, hätte ich die komplette dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Aber mit 52 habe ich mir gesagt, lohnt sich das nicht mehr."

Sie ermuntert andere Menschen dazu, die damit liebäugeln, den Beruf zu wechseln, auch im gesetzteren Alter nicht nur darüber nachzudenken, sondern das auch zu tun. "Ich denke sowieso, dass es heute nicht mehr die Regel ist, dass man den Beruf, den man mal gelernt hat, sein Leben lang ausübt."

Sie kenne da viele Beispiele in ihrem Bekanntenkreis, sagt Beate Sandler. Und während sie nach Gründen dafür sucht, wird sie nachdenklich: "Vielleicht liegt es ja daran, dass sich die Gesellschaft im Moment grundlegend in einem Wandel befindet."

Autor
Sabine Emich

Sabine Emich

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
16:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsagenturen Beruf und Karriere Fachkräfte Friseure Jobcenter Klinikum Kulmbach Krankenhäuser und Kliniken Orthopädie Pflegeberufe Seniorenheime Seniorenpflege
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Fachkräfte bleiben Mangelware

29.05.2019

Fachkräfte bleiben Mangelware

Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis Kulmbach erneut zurückgegangen. Besonders Kliniken und Altenheime suchen nach Mitarbeitern. » mehr

Interview: mit Jürgen Dippold, BRK-Kreisgeschäftsführer

16.06.2019

"Wir sind da wirklich in einem Dilemma"

In der Altenpflege fehlt es an Personal. Manche Heimplätze können nicht mehr besetzt werden. Die Politik muss das lösen, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold. » mehr

Der Neubau am Klinikum Kulmbach kommt voran und liegt im Plan. Bis Ende des Jahres soll der aktuelle Abschnitt fertig sein. Der Zweckverband hat nun die Bauarbeiten für die nächsten Erweiterungen vergeben. Foto: Stefan Linß

05.08.2019

Klinikum legt kräftig zu

Der nächste Bauabschnitt für das Kulmbacher Krankenhausgebäude kann kommen. Die Zahl der Mitarbeiter und Patienten soll weiter steigen. » mehr

Mehr als hunderttausend Besucher feierten auch in diesem Jahr mit viel Spaß und friedlich die Kulmbacher Bierwoche. Einige wenige schauen dabei aber viel zu tief ins Glas und werden aggressiv. Das ruft immer wieder die Polizei auf den Plan und macht den Beamten viel Arbeit. Foto: Stadt Kulmbach

04.08.2019

Bierwoche: In der Nacht fliegen Fäuste und Krüge

Auch am letzten Bierfest-Wochenende haben meist betrunkene Störenfriede der Polizei wieder viel Arbeit gemacht. Die Arrestzellen waren nach Mitternacht gut gefüllt. » mehr

Der Operateur arbeitet mit starker optischer Vergrößerung, wenn er den Zungennerv freilegt. Dr. Andreas Keller ist mit den Ergebnissen der ersten Operationen, die er in Kulmbach durchgeführt hat, zufrieden. Die Resonanz von den ersten beiden Patienten ist sehr gut.

11.07.2019

Eine Operation für gesunden Schlaf

Wer unter Schlafapnoe leidet, ist in ernster Gefahr, seine Gesundheit zu riskieren. Masken helfen vielen, aber nicht allen Patienten. Unterm Messer kann sich jedoch eine Lösung finden. » mehr

Mehr als nur Grundversorgung: Pflegerin und Sozialdienst-Mitarbeiterin Pia Pollach nimmt sich Zeit für die Bewohner. Fotos: Kristina Kobl

31.05.2019

Das Altern angenehmer machen

Das Evangelische Wohnstift in Kulmbach feiert 50-jähriges Bestehen. Im vergangenen halben Jahrhundert hat sich in der Altenpflege viel verändert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ehrung Landkreis Wunsiedel

Ehrung Landkreis Wunsiedel | 21.08.2019 Wunsiedel
» 14 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor
Sabine Emich

Sabine Emich

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 06. 2019
16:32 Uhr



^