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Kulmbach

Offizieller Start für das Millionenprojekt

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat gemeinsam mit den örtlichen Politikern den ersten Spatenstich für die Stadtsteinacher Ortsumgehung vollzogen. Bei der Feierstunde gab es aber auch Proteste.



Die Arbeiten haben längst begonnen, doch gestern gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit dem ersten Spatenstich den offiziellen Startschuss für den Bau der Ortsumfahrung Stadtsteinach.
Die Arbeiten haben längst begonnen, doch gestern gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit dem ersten Spatenstich den offiziellen Startschuss für den Bau der Ortsumfahrung Stadtsteinach.   » zu den Bildern

Stadtsteinach - "Historisch" - dieser Begriff trifft wohl das, was am gestrigen Freitag in Stadtsteinach passierte: Nach jahrzehntelangen Diskussionen, Absichtserklärungen und Bemühungen, hoffnungsvollen Erwartungen, aber auch Rückschlägen und Verzögerungen gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nun auch offiziell den Startschuss für den Bau der Ortsumgehung Stadtsteinach. Für rund 22 Millionen Euro entsteht eine 3,5 Kilometer lange Umfahrung, die den Stadtkern entlasten, die Lebensqualität steigern und die Gefahren des innerörtlichen Straßenverkehrs deutlich mindern wird. Die eigentlichen Bauarbeiten hatten bereits vor Wochen begonnen - die Frankenpost berichtete.

Zahlen und Fakten

Der Baulastträger ist die Bundesrepublik Deutschland.

Die Gesamtbaulänge beträgt zirka 3,5 Kilometer.

Die aktuelle Kostenberechnung für die Maßnahme beläuft sich auf 22 Millionen Euro.

Das durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen (DTV) 2015 im Bereich der B 303 in Stadtsteinach beträgt rund 8000 Fahrzeuge.

Der Planfeststellungsbeschluss vom 19. Juni 2017 ist seit 19. Oktober des gleichen Jahres rechtskräftig.

Die Zustimmung zum Baubeginn vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur erfolgte am 23. Oktober 2017.

Die Strecke beinhaltet drei Anschlussstellen, davon einen Kreisverkehr.

Die Strecke beinhaltet sechs Brückenbauwerke und je eine Stütz- und Lärmschutzwand.

Es gibt auf dem Streckenabschnitt zwei Regenrückhaltebecken.

Die Maßnahme startet mit dem Bau von Brücken ab dem 21. März 2019

Offizieller erster Spatenstich am 4. Mai 2019

Die Verkehrsfreigabe der Ortsumgehung ist für Ende 2021 geplant.

Zahlreiche Redner würdigten die Vorteile der Maßnahme, die in zwei Jahren abgeschlossen sein soll. Obgleich nicht öffentlich bekannt gegeben, versammelten sich viele Stadtsteinacher beim ersten Spatenstich, um damit ihre Dankbarkeit für die Umsetzung der Maßnahme zu bekunden. Doch es gab auch Proteste: Ein kleines Häuflein von Aktivisten protestierte mit Plakaten und Transparenten gegen das Millionenprojekt. Dass der Protest gegen das Straßenbauprojekt so überschaubar ausfallen sollte, war nicht abzuschätzen. Denn schon im Vorfeld hatten die Gegner des Vorhabens dazu aufgerufen, auf die Barrikaden zu gehen. In öffentlichen Posts im Internet riefen sie zu einer Demonstration auf. Die hatte mit gerade mal rund einem Dutzend Teilnehmern sehr geringe Resonanz. "Ihr zerstört unsere Natur" oder "Den Landverbrauch stoppen" stand auf ihren Tafeln, die sie an der Brücke beim Hochofen festbanden.

 

Die in ihrer Zahl deutlich überwiegenden Befürworter gaben sich introvertierter. Schilder waren nicht zu sehen. Nur die Familie Kraus nutzte den Buggy ihrer Tochter Lina als rollenden Plakatständer, auf dem das Wort "Danke" prangte. Einige der Festredner zeigten zwar Verständnis für die Haltung der Projektgegner, wiesen aber auf die weit überwiegenden Vorteile der Maßnahme hin. "Wir haben das Für und Wider gut abgewogen, auch wenn nicht alle Bürger mit der Maßnahme einverstanden sind", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Er verwies auf die drangvolle Enge an einigen Stellen der Ortsdurchfahrt und die daraus resultierenden Gefahren für die Verkehrsteilnehmer. Zudem seien Lärm und Abgase eine große Belastung für die Bewohner. 6730 Fahrzeuge passieren nach der neuesten Verkehrszählung täglich die Stadt, acht Prozent davon entfallen auf den Schwerlastverkehr. Die Fertigstellung der Umgehung in zwei Jahren werde ein Riesengewinn für die Stadt werden und der Schlusspunkt eines Jahrzehnte währenden Vorgangs, prophezeite der Redner.

1993 war das Vorhaben erstmals im Bedarfsplan für den Bundesfernstraßenbau eingestellt, ein zweites Mal 2004. Acht Jahre später teilte man das Projekt, indem man das Verfahren teilte und die Umgehung Zaubach nicht weiter verfolgte, weil es als weniger dringlich eingestuft wird.

Scheuer verwies auf einige andere angestrebte oder sich schon in der Umsetzungen befindliche Straßenbauprojekte wie die Umgehung Zeyern, die B 173 zwischen Michelau und Zettlitz, und die Umgehung Untersteinach und Kauerndorf. Mit letzterer stehe die Maßnahme Stadtsteinach im engen Zusammenhang. In Anbetracht der Fülle der landesweiten Maßnahmen sprach der Bundesverkehrsminister von einem "Investitionshochlauf". Heuer würden zwei Milliarden Euro in den Bundesfernstraßen- und Autobahnbau in Bayern investiert, vor zehn Jahren seien es noch 1,2 Milliarden gewesen.

Zuvor hatte der Leiter des Staatlichen Bauamts Bayreuth, Kurt Schnabel, die Gäste begrüßt. Wie er verdeutlichte, hat die Behörde sich stark mit der Materie befasst und für kritische Punkte an der Streckenführung, etwa bei der Bruderschaft Salem, "gute Lösungen" gefunden. Laut Helmut Schütz entlastet die neue Ortsumgehung den Stadtkern um drei Viertel des Durchgangsverkehrs. Für den Chef des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr bindet sie das Mittelzentrum Kronach und den Kreis Kulmbach an die Autobahn A9 an. Seit 2017 besteht für sie ein bestandskräftiges Baurecht. Die Eingriffe in die Natur werden laut Schütz minimiert, und es gibt Querungshilfen für Fledermäuse und Uhus, Blühstreifen und eine Obstbaumwiese. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind auf einer Fläche von 5,3 Hektar vorgesehen.

Auf das Ende der 1940er-Jahre datierte Landrat Klaus Peter Söllner die ersten Überlegungen zu einer Ortsumfahrung in Stadtsteinach. Größere Diskussionen wurden in den 70er- und 80er-Jahren geführt, die Pläne aber nicht weiterverfolgt (Mitte der 80er-Jahre lehnte der Stadtrat den Bau einer Umgehung mehrheitlich ab; Anmerkung der Redaktion). Vor diesem Hintergrund sprach der Landrat von einem "historischen Tag für Stadtsteinach", wenn nun das Projekt angepackt wird.

"Das Thema ist älter als ich selbst", betonte auch Bürgermeister Roland Wolfrum. Er betonte, dass nach der Realisierung der Maßnahme die Innenstadt nicht "zu Tode beruhigt" werden solle. Ein neu angelegtes Städtebauprogramm soll Stadtsteinachs Mitte aufhübschen und besser geeignet machen fürs "Wohnen und Flanieren". Er prognostizierte für die Stadt eine positive Entwicklung. Red.

Autor

Klaus Rössner
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Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
17:22 Uhr

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Klaus Rössner

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Veröffentlicht am:
03. 05. 2019
17:22 Uhr



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