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Kulmbach

Omas und Opas greifen ein

Dass so wenige Schüler an der Klima-Demo in Kulmbach teilgenommen hatten, zeigt jetzt Nachwehen. Die ältere Generation greift die Schulleitungen an. Die wehren sich.



Bei der FFF-Demo am Freitag auf dem Kulmbacher Marktplatz war es noch ein stiller Protest der älteren Generation. Doch inzwischen regen sich etliche Omas und Opas über Sanktionen auf, die von Schulen gegen ihre Enkel verhängt worden sind, weil sie sich an der Demo beteiligt hatten. Foto: Gabriele Fölsche
Bei der FFF-Demo am Freitag auf dem Kulmbacher Marktplatz war es noch ein stiller Protest der älteren Generation. Doch inzwischen regen sich etliche Omas und Opas über Sanktionen auf, die von Schulen gegen ihre Enkel verhängt worden sind, weil sie sich an der Demo beteiligt hatten. Foto: Gabriele Fölsche  

Kulmbach - Die Demonstration im Rahmen der Fridays for Future-Bewegung (FFF) am vergangenen Freitag war mit einigen Hundert Teilnehmern auf dem Kulmbacher Marktplatz gut besucht und verlief, wie alle Veranstaltungen zu diesem Thema: Ruhig und friedlich. Davon kann jetzt kaum mehr die Rede sein. Die Wellen schlagen hoch. Auf der einen Seite gibt es massive Vorwürfe, dass die weiterführenden Schulen in Kulmbach ihren Schülern die Teilnahme an der Demo nicht erlaubt hatten. Auf der anderen Seite weisen die Schulleiter diese Angriffe zurück. Horst Pfadenhauer, Direktor des Kulmbacher Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums spricht gar von einer "Hexenjagd" und von Diffamierung. "Hier werden Linien klar überschritten."

Minister und Gewerkschaft nicht auf einer Linie

Die Botschaft von Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gegenüber den Medien war klar: Politisches Engagement während der Unterrichtszeit, speziell die Teilnahme an Kundgebungen der Fridays for Future-Bewegung, kann Folgen haben. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk wies der Minister darauf hin, dass Schüler nach dem Unterricht demonstrieren können. Die Bewegung Fridays for Future (FFF) habe etwas bewirkt, räumte Piazolo ein. Es gebe aber keine Notwendigkeit für Demonstrationen während der Unterrichtszeit. Berichte, er habe Schülern mit Sanktionen und Strafen gedroht, wies Piazolo allerdings zurück. Er habe lediglich auf Rechtsvorschriften verwiesen, die den Schulleitungen zur Verfügung stehen. Der Minister sprach davon, dass versäumter Unterricht nachgeholt werde oder Verweise ausgesprochen werden könnten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hingegen begrüßt die Demonstrationen von FFF. Die soziale Bewegung Fridays for Future trage die Bedrohung der Welt durch den Klimawandel seit Ende 2018 erfolgreich in das öffentliche Bewusstsein und fordere die Politik zu entschlossenem Handeln auf, erklärte der Geschäftsführende Vorstand der GEW.


Verschiedene Briefe mit kritischem Inhalt zum Verhalten der Schulen sind derzeit im Umlauf. Cosima und Johannes Asen haben sich schriftlich an die Verantwortlichen des MGF, des CVG und der FOS/BOS gewendet. Die Familie Asen spricht davon, sie fühle sich als Eltern ehemaliger Schüler des MGF und der FOS unangenehm berührt von den Strafandrohungen gegenüber FFF-Demonstranten aus den Reihen der Schüler. "Und wir sind sehr enttäuscht gewesen, dass Sie und ihre Kollegen nicht wenigstens für einige Minuten und Worte solidarisch mit den Ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen auf dem Kulmbacher Marktplatz erschienen sind." Das Ehepaar Asen schreibt weiter: "Natürlich können Sie sich auf Schulordnung und ministerielle Anweisung berufen." Die Anweisung eines Kultusministers allerdings, der den FFF-Demonstranten bescheinige, jetzt genug an Aufmerksamkeit in den Medien erreicht zu haben. Eines Ministers, der nun selbst daran mitwirken wolle, die Klima- und Umweltprobleme zu verwalten, statt sie zu vermeiden, zu verändern und dabei auch auf die Jugend zu setzen.

Cosima und Johannes Asen üben heftige Kritik: "Kadavergehorsam und Mangel an Zivilcourage - ist es das, wozu wir, Sie und die Minister die nachkommenden Generationen erziehen wollen/sollen? Verwalten ist natürlich bequemer als verantwortungsvolles Lehren. Als Großeltern künftiger Schüler im Kulmbacher Land sind wir ratlos, zu welcher weiterführenden Schule wir hier raten sollen."

Indiskutabel sei dieser Brief, findet MGF-Direktor Horst Pfadenhauer. Er verweist darauf, dass es zwischen den Schulen und den Schülern eine klare Abmachung gegeben habe. Bei der ersten FFF-Demo in Kulmbach seien alle Schüler vom Unterricht befreit worden. Man habe aber damals unmissverständlich klar gemacht, dass es sich dabei um eine einmalige Sache handle. Acht Schüler des MGF haben laut Pfadenhauer am Freitag den Unterricht verlassen. Mit allen habe er ein langes Gespräch geführt und dann mit einem Verweis den Verstoß gegen eine klare Abmachung "geahndet". "Das war unerlaubtes Entfernen während des Unterrichts."

Pfadenhauer reagiert sichtlich verärgert. "Vor einem halben Jahr hat man uns geprügelt, weil unsere Biologie-Fachschaft sich offen für das Volksbegehren Artenvielfalt ausgesprochen hatte. Ich ziehe mir den Schuh, ich sei ein Hardliner, nicht an." Gerade am MGF werde im Unterricht unheimlich viel zum Thema Umwelt getan. Die Schule sei für ihre Aktivitäten mehrfach ausgezeichnet worden, macht der Direktor deutlich. "Wir machen Umwelterziehung, Projekte, haben eine starke Umweltgruppe. Wir legen Blühstreifen an. Und dann muss man sich so etwas vorwerfen lassen? Ich bin sprachlos."

Als Leiter des MGF habe er Regularien und Termine zu beachten, die er einhalten müsse. Den Unterricht unerlaubt zu verlassen sei ein klarer Verstoß gegen die Schulordnung. "Ich habe nicht vor, mich weiter zu dieser Revolverpistole zu äußern, die vor Unwahrheiten nur so strotzt und verwehre mich gegen diese Hexenjagd, die hier gegen die Schulen stattfindet."

An der FOS/BOS in Kulmbach habe nur eine Schülerin wegen der FFF-Demo am vergangenen Freitag im Unterricht gefehlt. Dabei handle es sich um eine Schülerin, die die Demo in Kronach mit organisiert hat. "Sie bekommt einen Verweis, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe das nicht hochgekocht", sagt Schulleiter Alexander Battistella. Die Kritik, die unter anderem das Ehepaar Asen an den Kulmbacher Schulleitern geübt hat, weist auch Alexander Battistella zurück. Er will das Gespräch mit den Asens suchen. "Wir sind UNESCO-Projektschule und jetzt auch Fair-Trade-Schule. Nachhaltigkeit ist genau unser Thema." Der Schulleiter findet es wichtiger, in der Schule Projekte zu machen. Er legt Wert auf die Feststellung: "Wir befassen uns sehr stark mit diesem Thema."

Er habe seinen Schülern gesagt, dass sie sich genauso auch nach dem Unterricht ab 13 Uhr treffen könnten. Das Argument, dass es dann für die Demos keine mediale Aufmerksamkeit mehr gebe, kann Battistella nicht nachvollziehen. Wenn 300 Leute um 13 Uhr auf dem Kulmbacher Marktplatz stehen, werde das von der Öffentlichkeit genauso wahrgenommen. Und auf noch einen weiteren Aspekt macht der Chef der FOS/BOS aufmerksam: Es gehe bei FFF doch um Inhalte, nicht um Befreiungen vom Unterricht oder die Schulpflicht. Battistella wundert sich noch über etwas anderes: "Was ist das überhaupt für ein Schulstreik, wenn die Leute zuvor nach einer Unterrichtsbefreiung fragen. Dann ist das doch kein Streik."

Ulrike Endres, die Direktorin des Kulmbacher CVG, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber Endres hatte bereits vor der Freitags-Demo klargemacht, dass auch ihre Schule unerlaubtes Entfernen vom Unterricht nicht hinnehmen, aber auch nicht die Keule herausholen werde.

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
17:46 Uhr

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Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2019
17:46 Uhr



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