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Kulmbach

Oper ist überall

Die Pocket Opera Company aus Nürnberg beehrt Kulmbach. Ihm Rahmen des Spinnalto-Events gibt sie zusammen mit anderen Künstlern im "Fritz" eine Glanzvorstellung.



Das Orchester unter der Leitung von Franz Killer präsentierte sich in einem ungewöhnlichen Outfit. Fotos: Rainer Unger
Das Orchester unter der Leitung von Franz Killer präsentierte sich in einem ungewöhnlichen Outfit. Fotos: Rainer Unger   » zu den Bildern

Kulmbach - So faszinierend und in den Bann ziehend, zugleich so schräg und außergewöhnlich bekommt man Oper höchst selten kredenzt. Die Pocket Opera Company aus Nürnberg bereitete ihren Besuchern mit ihrer Silvestival-Neuproduktion "Coup de Coeur" am späten Samstagnachmittag im Einkaufszentrum "Fritz" mit einer akustischen und visuellen Glanzvorstellung ein prächtiges Erlebnis. Das Kulturevent Spinnalto von Initiator Rüdiger Baumann wartete damit mit einem weiteren Höhepunkt auf.

"Der Zopf ist ab"

Der Abschluss der diesjährigen Spinnalto-Veranstaltungen findet am 30. September um 18 Uhr statt. In der Baumwollhalle der Spinnerei Mainleus heißt es mit der Künstlerin Edina Thern "Der Zopf ist ab."


Im Jahr 1974 wurde die Pocket Opera Company gegründet und sie stellt damit Deutschlands ältestes freies und mobiles Musiktheater dar. Schon nach wenigen Jahren wurde die ironische Brechung in Dramaturgie und Regie der Oper des 19. Jahrhunderts ein Markenzeichen der Vereinigung. Mit ihren ungewöhnlichen und unorthodoxen Inszenierungen und Auftritten heimste die Pocket Opera Company bis heute zahlreiche Preise ein und feierte europaweit Erfolge. Dies lag nicht zuletzt daran, dass sie für ihre Darbietungen immer wieder außergewöhnliche Spielorte aussuchte wie beispielsweise das Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn in Nürnberg oder eine Schwelbrandanlage zur Müllentsorgung.

2014 machte die Pocket Opera Company "Opera is everywhere!" (Oper ist überall) zu ihrem Motto. Schirmherren des Musiktheaters sind unter anderem Renate Schmidt und Günther Beckstein.

In Kulmbach gastierten die Künstler mit ihrer Silvestival-Neuproduktion, die sie in Nürnberg im Café Opera bei der Lorenzkirche fünfmal aufgeführt hatten. Die bunte Mischung bekannter Arien hatten sie fürs "Fritz" extra neu arrangiert, an die räumlichen Verhältnisse angepasst und in mehreren Proben einstudiert. Schon nach wenigen Sekunden war den Besuchern klar, das wird keine normale Darbietung. Das Orchester - Heymo Hirschmann (Sopransaxofon), Sandra Engel (Altsaxofon), Stefan Frank (Tenorsaxofon) und Dominik Landmann (Baritonsaxofon) - trat aus dem Aufzug in einem Outfit, der eher an Astronauten erinnerte als an ein Opernensemble, vollführte eine Ehrenrunde auf den beiden Rolltreppen und nahm danach seinen Platz unmittelbar daneben im Erdgeschoss ein, um unter der Leitung von Franz Killer alsbald aufzuspielen.

Die nächste Überraschung stellte der Auftritt des Gesangs-Duos dar. Während Sopranistin Gertrud Demmler-Schwab im Frack und mit Zylinder die männliche Rolle übernahm, agierte Bariton Robert Eller als verführerische Diva zunächst in einem Kleidchen, bei dem weiß-rosa Töne vorherrschten, bevor im nächsten rot-schwarze Komponenten zum Tragen kamen.

Die ausgeklügelt inszenierte schauspielerische Darbietung, bei der der Humor nicht zu kurz kam, bestach ebenso wie das gesanglich gebotene. Die "Barcarole" aus der Fantastischen Oper "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach gab es ebenso zu hören wie Arien aus diversen musikalischen Werken, so aus "Die Fledermaus" von Johann Strauss, "Die Walküre" von Richard Wagner, "Der Vampyr" von Heinrich Marschner und andere.

Zum zweiten Teil ging es anschließend ins Parkdeck, wo eine Bühne für Corinna Ruba aufgebaut worden war, die im vergangenen Jahr mit Rüdiger Baumann in Nürnberg auch Theater gespielt hatte, in einem Krimi-Dinner. Zu Ehren von Center-Managerin Anja Curioso Naiaretti gab es zunächst die weltbekannte Titelmelodie aus "Der Pate" von Francis Ford Coppola, komponiert von Nino Rota. Es folgte die Arie "Nessun dorma" aus der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini und teils eigene Kompositionen der Berlinerin.

Man wolle den Menschen mit dieser Art der Darbietung die Scheu vor klassischer Musik nehmen und die dafür begeistern, die sonst keinen Zugang zu ihr finden, führte sie in einem Gespräch mit der Frankenpost anschließend aus. Mit den ungewöhnlichen Aufführungsorten wird die Musik quasi "auf die Straße gebracht." Bei allen mitwirkenden Künstlern kommt die Musik von Herzen und sie sind auch mit dem Herzen bei der Sache. Bei ihrem eigenen Auftritt verbinde sie Komponenten aus Film, Oper und der Show-Welt, erläuterte Corinna Ruba. Schon als kleines Kind war sie Fan von Queen und Freddie Mercury und auch von klassischer Musik. So hatte ihr Großvater eine Schallplatte mit der Oper "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart, bei der sie immer mitsang, verriet sie. Schade findet sie es, dass sich in Deutschland nur wenige so etwas trauen wie die Pocket Opera Company. Andere Länder sind da innovativer, hat sie die Erfahrung gemacht.

Autor

Rainer Unger
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Veröffentlicht am:
13. 09. 2020
16:20 Uhr

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Autor

Rainer Unger

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2020
16:20 Uhr



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