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Kulmbach

Osterbrunnen - jetzt erst recht

Von "Plastikeiern", kommunaler Neutralitätspflicht und einem Verwaltungsakt: In Untersteinach ist das Schmücken des Osterbrunnens zum Politikum geworden.



Und auch der Bauhof war - mit Genehmigung des Gemeinderats - wieder dabei: In Untersteinach haben 15 Frauen einen Osterbrunnen geschmückt.	Foto:kdk
Und auch der Bauhof war - mit Genehmigung des Gemeinderats - wieder dabei: In Untersteinach haben 15 Frauen einen Osterbrunnen geschmückt. Foto:kdk  

Untersteinach - Wenn eine Gemeinde und ihre Bürger zusammenhelfen, um einen Osterbrunnen zu schmücken, ist das meist Grund zu einhelliger Freude. Konfliktpotenzial birgt allenfalls die Farbe der Eier. Anders in Untersteinach. Dort hat es im vergangenen Jahr unter anderem auf Facebook massive Kritik gegeben, weil der kommunale Bauhof den "Schmückerinnen" etwas unter die Arme gegriffen hat. Die 15 Frauen haben es aber in diesem Jahr trotzdem wieder gewagt. Die Frankenpost hat sie bei diesem Tun begleitet. Im Folgenden ein nicht immer ernst gemeinter Bericht, in dem sich Satire und Realsatire, Realität und Fiktion sowie Beobachtungen der Gegenwart mit Exkursen in die Vergangenheit und Zukunft mischen.

Die Aktion startet erneut: "Auf keinen Fall aufs Foto!" Die Frauen am Untersteinacher Bahnhofsplatz huschen hinter den Osterbrunnen, dem sie gerade den letzten Schliff geben. An drei Tagen haben sie das Wesentliche auf dem Gelände des Bauhofs gleich hinter der Bahnschiene vorbereitet, Fichtenreißer ans Grundgerüst und Schleifen gebunden, Eiergirlanden entwirrt und weitere bemalte Eier in Kartons für die große Reise verstaut: Keine hundert Meter zum Bahnhofsplatz zum dortigen Brunnen. Sie - die Namen der Betroffenen seien hier und im Weiteren aus Gleichbehandlungsgründen nicht genannt - machen das seit 30 Jahren im Frühjahr. "Aber wir wollen uns deswegen nicht wieder komisch anreden lassen", erklären sie ihre Scheu, abgelichtet zu werden. "Wir sind eine Gruppe von 15 Frauen, haben weder mit Kirche noch mit irgend einer Partei etwas zu tun. Wir machen das, erstens weil es uns Spaß macht, zweitens weil uns das gefällt und drittens, weil das eine gute alte Tradition ist."

Die Vorgeschichte und deren Auswirkungen auf die Untersteinacher Osterbrunnenaktion in diesem Jahr erinnern irgendwie an das Königlich Bayerische Amtsgericht: Den Transport der Zweige über hundert Meter übernahm der Bauhof - und zwar mit ausdrücklicher Genehmigung und nach Beschluss des hochlöbliches Rats der Gemeinde Untersteinach, der zudem dem Bauhof der Kommune ausdrücklich erlaubt hatte, zum Behufe der Errichtung eines Osterbrunnens gespendete Fichten von einem privaten Grund zu holen, davon die Reißer abzumachen, welchnämliche besagte Frauen zu einer Osterkrone zu binden sich anerboten haben. Zynisch angemerkt: Eine Erlaubnis zur Nutzung eines gemeindlichen Eigentums in Form eines Brunnen zu erteilen wurde allerdings verabsäumt. Das wäre dem Gemeinderat selbst möglicherweise dann doch zu viel der obrigkeitlichen Sachwaltung gewesen.

Was in anderen Gemeinden selbstverständlich ist und weder eines Gemeinderatsbeschlusses noch eines behördlichen Verwaltungsaktes bedarf, da es der ehrenamtlichen Verschönerung des Ortes mithin dem allgemeinen Interesse dient, hat in Untersteinach eben jene Vorgeschichte: Im vergangenen Jahr gab es Beschwerden, als Bauhofmitarbeiter auf privatem Grund bei gärtnerischen Tätigkeiten nebst Nutzung eines gemeindeeigenen Fahrzeugs beobachtet worden waren. Dass dieses Walten dem Gewinnen von Zweiglein für den Osterbrunnen diente, konnte der Beschwerdeführer allerdings bei bloßem Augenschein nicht wahrnehmen. Die Angelegenheit konnte allerdings öffentlich aufgeklärt und kundgegeben werden. Ein zweiter Bauhofskandal in der Ansiedlung um die Untere Steinach ward abgewendet.

Über Kritik verärgert: Nicht ganz so freundlich blieben allerdings Anmerkungen des Kritikers zur Dekoration: Plastikeier! Das hat die Damen geärgert. Hätten sie "richtige Eier" verwendet, wäre ihnen wohl Verschwendung von Lebensmitteln vorgeworfen worden. Hätten sie "ausgeblasene" Eier aufgehängt, wären die schnell Opfer des ersten Windhauchs und ihre Arbeit vielleicht als Schrottbrunnen beschimpft worden.

Bevor wieder herumgenörgelt wird, soll es dieses Jahr keinen Osterbrunnen geben, hatte die Frauengruppe überlegt. Auch an dessen Stelle Protestplakate aufzustellen, war ein Gedanke. Inzwischen ist ein Jahr vergangen, der Ärger war verflogen und eine neue Brunnendekoration schmückt inzwischen den Untersteinacher Bahnhofsplatz; übrigens eine weitere den Brunnen hinter dem Rathaus. Und der Bürgermeister ist davon angetan, dass "sein" Dorf, wie die anderen auch, geschmückt ist.

Äpfel mit Birnen verglichen: Nicht ganz so einwandfrei ist das Gedankenexperiment in der weiteren Kritik am "Oster"-Brunnen im öffentlichen Raum, nämlich dass (am Beispiel Untersteinach) die politische Gemeinde im säkularen Staat ihre Neutralitätspflicht verletze, wenn sie Osterbrunnen erlaube und damit religiöse Vereinigungen durch finanzielle oder anderweitige Unterstützung bevorzuge, wie es in Facebook verbreitet wurde. Denn: Zum einen ist bei der Untersteinacher Brunnendekoration keine religiöse Gruppe zugange. Und zum andern hat ein sogenannter Osterbrunnen nichts mit Religion zu tun. Bei der christlichen Ostergeschichte geht es doch weder um Eier, noch darum, sie bunt anzumalen. Eier sind seit jeher Symbol für Fruchtbarkeit und Wieder (auf)leben; Wasser war schon immer Symbol für Weiblichkeit. Der Knackpunkt des Missverständnisses ist die Gleichzeitigkeit: Die Natur lebt nach der Winterruhe im Frühjahr wieder auf - und Ostern findet am ersten Sonntag nach dem kalendarischen Frühjahrsbeginn statt. Mehr Gemeinsamkeit ist einfach nicht.

Genauso wenig wie Hexen etwas mit dem Gewerkschaftsbund zu tun haben: Das jährliche Hexentreffen, die Walpurgisnacht, findet nun mal in der Nacht zum 1. Mai statt, auch wenn der DGB den gleichen Tag zum Tag der Arbeit erkoren hat. Und die großen Parties zu Silvester finden nun mal statt, weil ein Jahr zu Ende ist, nicht wegen des Gedenktages an den Heiligen Sylvester. Hier sollte man die Kirche im Dorf beziehungsweise die politisch Verantwortlichen dem Grundgesetz verpflichtet lassen.

Eine Touristenattraktion: Nach mündlichen Überlieferungen soll der Ursprung der Osterbrunnen 1909 in der kleinen Gemeinde Aufseß in der Fränkischen Schweiz sein. Dort wurde erstmals ein Brunnen geschmückt, um Besucher, also Touristen, in den Ort zu locken. Besonders die Brunnen in Heiligenstadt, Bieberbach oder im baden-württembergischen Schechingen gelten inzwischen als Touristenattraktionen, die von zahlreichen Busreisegruppen aus München, Dresden, Stuttgart und anderen Großstädten besucht werden.

Ein Gutes hat die Sache: Möglicherweise kann das Osterbrunnen-Geplänkel in Untersteinach den Tourismus ankurbeln - und Reisegruppen vielleicht nicht zum größten, aber zum umstrittensten Brunnen der Republik locken. In Heiligenstadt wurden an einem einzigen Tag etwa 80 Busse gezählt.

Autor
Klaus Kaschka

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Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
17:22 Uhr

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12. 04. 2019
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