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Kulmbach

Per Verordnung zum Unkrautjäten verpflichtet

Der Heimgartenverein Untersteinach feiert 100. Jubiläum. Ein Blick in die Chronik offenbart Einblicke in alte Zeiten und manches, das heute kurios erscheinen mag.



Schützenfest 1980, auf der alten Steinachbrücke in der Von-Varell-Straße: Der Heimgartenverein hatte auch einen geschmückten Wagen dabei.
Schützenfest 1980, auf der alten Steinachbrücke in der Von-Varell-Straße: Der Heimgartenverein hatte auch einen geschmückten Wagen dabei.   » zu den Bildern

Untersteinach - Auf den Tag genau vor hundert Jahren - am 30. Dezember 1918 - schlug die Geburtsstunde des Heimgartenvereins Untersteinach. Zur Generalversammlung am 30. Dezember 1918 waren zwanzig Mitglieder anwesend. Die Sitzung führte der erste Vorsitzende Georg Angermann. Die Mitglieder beschlossen dabei, von Georg Pöhner, der dem Heimgartenverein ebenfalls angehörte, ein Darlehen über 600 Mark aufzunehmen, um die Schulden des Vereines zu tilgen. Dass der Glaube damals noch allgegenwärtig war, zeigt folgende Tatsache: Auf der Deckblattseite des Protokollbuches, das der zweite Vorsitzende Martin Kummer, der auch das Schriftführeramt bekleidete, sind die verzierten Worte "Mit Gott" zu lesen.

Die Vorsitzenden des Heimgartenvereins

Gründungsvorsitzender: April 1918 - 1940 Georg Angermann

1941 - 1946 Konrad Zeitler

1947 - 1950 Adam Hahn

1951 - 11.7.1969 Georg Müller

12.7.1969 - 10/1994 Georg Geyer

16.6.1995 bis heute Renate Müller


Eine "Nachkriegsgeburt": Der schreckliche Erste Weltkrieg, war nun "Gott sei Dank" zu Ende. Laut dem Satzungsbüchlein § 1 wurde der Verein bereits im April 1918 gegründet. Aber zu der Zeit wütete noch der Krieg. Wohl deshalb sind von den Anfängen des Vereins, wie von der Gründungsversammlung, den Namen der Gründungsmitglieder, sowie dem Grundstückserwerb keine Unterlagen mehr vorhanden.

Der Zweck des Vereines wird in der Satzung wie folgt beschrieben: "Der Verein dient gemeinnützigen Zwecken und macht es sich zur Aufgabe Grundstücke zu pachten, um auf denselben Familien- oder Heimgärten anzulegen und diese an die Bewohner von Untersteinach zu verpachten." Unter § 3 steht: "Jedes Mitglied hat außer seinem Pachtgeld einen Jahresbeitrag von 60 Pfennig zu entrichten." In der Gartenverordnung ist auch noch vermerkt: "Jeder Garteninhaber ist insbesondere auch zur Beseitigung samentragenden Unkrautes verpflichtet. Zweckloses Vergeuden von Wasser ist zu vermeiden."

Preiswerte Mitgliedschaft: Die heute 93-jährige Frieda Schubert weiß noch recht viel von den Anfängen des Vereines. Vor allem von Erzählungen älterer Personen. So etwas, dass es während des Zweiten Weltkrieges oftmals vorgekommen ist, dass Gartenfrüchte in der Nacht aus dem Heimgarten gestohlen wurden. Dort zu garteln war damals ein preiswertes Vergnügen: Im Jahre 1952 kostete ein Gartenanteil 2,40 Mark pro Jahr. Der Mitgliederbeitrag lag immer noch bei lediglich 60 Pfennigen.

Bei der Generalversammlung am 20. April 1958 hatte der Verein 42 Mitglieder. Der Gartenanteil kostete drei Mark. Es wurde beschlossen, dass jeder Gartenpächter eine Arbeitsleistung von zwei Stunden im Jahr einzubringen hat. Andernfalls musste er zwei Mark in die Vereinskasse zahlen.

Bei der Jahreshauptversammlung am 12. Februar 1974 im Sportheim vermeldete Kassierer Adolf Oelschlegel, dass der Verein ein Guthaben von 1118,88 Mark besitzt. 1977 wurde der Jahresbeitrag von fünf auf sieben Mark erhöht. Am 2. Juli 1978 nahm der Verein mit 23 Personen zum ersten Mal an einem Schützenfestzug teil. Anfang April 1982 wurde in Eigenleistung ein Vereinsheim aus Holz gebaut, sodass die Generalversammlung bereits darin stattfinden konnte. Auch in den Folgejahren wurde das neue Heim für allerlei Veranstaltungen genutzt.

Das Gelände schwindet: Früher war das Heimgartengelände in der Stadtsteinacher Straße größer als jetzt. Es ging weiter nach Süden bis an das Ufer des Liesbaches, der damals direkt am Zaun des Anwesens der Familie Ramming entlangfloss. Als der Liesbach im Zuge der Hochwasserfreilegung im Jahre 1982 einige Meter nach Norden verlegt wurde, musste der Verein diese Fläche abtreten. Auch ging ehemals das Heimgartengrundstück weiter nach Osten zur Bundesstraße B 303 hin, die nach Stadtsteinach führte. Als diese um 1970 neu angelegt, höher gesetzt und verbreitert wurde, musste der Verein ebenfalls Grund hergeben. Durch die Verpachtung von Grundfläche an den damaligen Gärtnermeister Wolfgang Köhler und dessen Bau der Treibhäuser verringerte sich ab 1995 noch einmal die für die Gartenparzellen zur Verfügung stehende Fläche sehr stark.

Mitte der 80er-Jahre wurde zwischen der Bundesstraße und dem Heimgarten von der Gemeinde Untersteinach ein Fußgängerweg angelegt. Dabei wurde das Obächlein in diesem Bereich verrohrt und auch eine zusätzliche Brücke über den Liesbach gebaut. Für diese Baumaßnahme ging dem Verein allerdings kein Grund verloren.

Der harte Kern: Im Jahre des Jubiläums 2018 setzt sich der Vorstand aus folgenden Personen zusammen: Vorsitzende: Renate Müller, Stellvertreterin: Irmgard Gottzmann, Schriftführerin: Inge Pöhlmann, Kassiererin: Hedwig Schedewie. Aktuell hat der Verein noch elf Mitglieder, fast alles Frauen. Diese haben knapp zwanzig Gartenanteile gepachtet. Ein zusätzlicher Jahresbeitrag wird nicht mehr erhoben.

Autor

Werner Oetter
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
28. 12. 2018
17:40 Uhr

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28. 12. 2018
17:40 Uhr



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